Postpartale Depression: „Hört auf mit dem Schweigen!“

Die Fotografin Danielle Fantis fotografierte ihre Freundin Kathy DiVincenzo in sehr unterschiedlichen emotionalen Zuständen – und möchte damit auf ein gesellschaftliches Tabuthema (nicht nur unter Mamas) aufmerksam machen: Postpartale Depression.

Rund 15 % aller frischgebackenen Mamas leiden an postpartaler Depression. Die Krankheit ist vielen bekannt – dennoch wird das Thema verborgen, versteckt, verschwiegen. Frauen mit postpartaler Depression sind quasi unsichtbar.

Aus Scham und Angst, eine schlechte Mutter zu sein, nicht demütig-dankbar genug für das größte Geschenk der Welt, sprechen betroffene Frauen nur selten über ihren Zustand. Und das schon gar nicht öffentlich.

Postpartale Depression: Ein Tabuthema? (Foto von Danielle Fantis)

Eine Betroffene bringt diesen Konflikt mit einem starken Foto auf den Punkt – und macht so vielen Frauen Mut. Mamas, ihr seid nicht alleine mit eurem Schmerz!

Baby Blues und Postpartale Depression
50–80 % aller Mütter zeigen im Laufe der ersten Woche nach der Entbindung Symptome des so genannten „Baby Blues“, einer kurz dauernden depressiven Verstimmung. Die Freude über das Kind wird dabei von Stimmungsschwankungen, Müdigkeit und Erschöpfung, Traurigkeit und häufigem Weinen sowie Schlaf- und Ruhelosigkeit begleitet. Bei den allermeisten Frauen entsteht dieses Stimmungstief zwischen dem 3. und 5. Tag nach der Geburt, dauert nur einige Stunden oder Tage an und klingt dann ohne Behandlung wieder ab.
Dauert die depressive Symptomatik deutlich länger an, kann eine ernsthafte Wochenbettdepression vorliegen, die Postpartale Depression.

Quelle: Deutsche Depressionshilfe

Die gesellschaftlichen Erwartungen an Mütter sind so unrealitistisch wie utopisch. Warmherzig, organisiert, topfit, schlank, “fuckable”, glücklich – vor allem glücklich! Denn Kinder sind unser Glück. Wieso sollte also eine Frau an diesen überzogenen, nicht erfüllbaren Erwartungen zerbrechen..? Dieser innere Konflikt kann eine Frau so aufreiben, dass sie weder ein noch aus weiß.


Wer dazu noch in einer postpartalen Depression steckt, kann den Schein der überglücklichen, ausgeglichenen, erfüllten Mama nicht wahren. Gleichzeitig ist dieser äußere Schein der einzige Schutz (zumindest empfinden es Betroffene als solchen) davor, als “gescheitert” oder gar als “schlechte Mutter” zu gelten. Ein absoluter Teufelskreis.

Die amerikanische Fotografin Danielle Fantis und ihre Freundin Kathy DiVincenzo haben diesen Konflikt satt. Sie posteten zwei Fotos auf Facebook mit denen sie sich deutlich gegen diese Maschinerie des “Unter-den-Teppich-Kehrens” von postpartaler Depression stellen. Kathy DiVincenzo leidet an der verbreiteten Krankheit und musste nicht nur mit den Symptomen per se fertig werden, sondern auch mit dem gesellschaftlichen Druck. Sie wurde kurzerhand zum Model für die Fotos.

Die beiden Frauen sind nicht nur Freundinnen, die gemeinsam dieses Projekt verwirklicht haben – sie verstanden einander auch, was dieses sensible Thema angeht. Denn Danielle litt auch unter postpartaler Depression.

Eine Seite von postpartaler Depression… (Foto von Danielle Fantis)
Ebenfalls eine Seite postpartaler Depression (Foto von Danielle Fantis)

Kathy DiVincenzo beschreibt die Bilder so:

„Die Wahrheit ist, dass diese Bilder beide mein Leben zeigen, je nach Tagesform. Aber nur eines davon würde ich normalerweise vorzeigen, und genau das ist das Problem. Ich arbeite doppelt so hart daran, diese Realität vor dir zu verbergen, weil ich Angst habe, dass es dich verstören könnte. Ich habe Angst, dass du denken könntest, ich wäre schwach, verrückt, eine schreckliche Mutter (…) und ich weiß, dass es nicht nur mir so geht.“

Einer der Hauptgründe für die junge Fotografin ihre Freundin so zu zeigen, ist, ein Bewusstsein für das Thema dieser Form der Depression zu schaffen. Sie zeigt damit allen anderen Müttern, die sich verstecken: “Ihr seid nicht alleine. Du bist nicht alleine. Du machst deine Sache großartig! Du wirst geliebt, und das bist du auch wert.”

Postpartale Depression – Chaos, Anteilnahmslosigkeit und Leere (Foto von Danielle Fantis)

Ihre Freundin Kathy ergänzt weiter:

„Wir müssen aufhören davon auszugehen, dass die Zeit nach der Geburt immer voll Glückseligkeit ist, denn für mindestens eine von sieben Frauen ist sie das nicht. (…) Wir müssen lernen, was die Zeichen, Symptome, Risikofaktoren und Hilfsangebote für die Zeit nach der Geburt sind. Wir müssen das Stigma abschaffen und das Schweigen beenden, indem wir unsere Geschichten erzählen und andere wissen lassen, dass sie nicht alleine sind.“

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