Meningokokken-Sepsis – Wie Eltern ihre Kinder bestmöglich schützen können

Zum Welt-Sepsis-Tag am 13. September soll es neben der Aufklärung über die gefährliche Erkrankung vor allem um die möglichen Schutzmaßnahmen gehen. Denn vor einigen Ursachen und den schwerwiegenden Folgen der Blutvergiftung können Impfungen schützen.

Blutvergiftungen sind die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Oft entstehen sie infolge schwerer Erkrankungen.[1] Es gibt jedoch auch seltene Auslöser, die jeden treffen können, wie beispielsweise Meningokokken-Bakterien. Die 21-jährige Justina ist eine der Betroffenen. Dass sie heute wieder gehen kann, verdankt sie zwei Prothesen. Ihre beiden Unterschenkel mussten in Folge einer Meningokokken-Sepsis 2017 amputiert werden. Und doch hatte Justina Glück im Unglück, denn sie hat die schwere Erkrankung überlebt.

Besonders häufig von Meningokokken-Erkrankungen betroffen sind Babys und Kleinkinder.[2] Mittlerweile gibt es bereits seit einigen Jahren Impfungen, mit denen Eltern ihre Kinder bestmöglich schützen können. Eine aktuelle Studie [3] zeigt jedoch, dass viele Eltern den Impfstatus ihrer eigenen Kinder nicht genau kennen. Einem Großteil ist außerdem nicht bewusst, dass es verschiedene Meningokokken-Typen gibt.

Eine Meningokokken-Sepsis ist zwar selten, aber gefährlich. ( © GSK)

Meningokokken B sind mit ca. 60 Prozent für die meisten Fälle in Deutschland verantwortlich – gefolgt von Y und C.[4] Von der Ständigen Impfkommission (STIKO) wird aktuell nur die Meningokokken-C-Impfung allgemein empfohlen. Diese Impfung allein schützt jedoch nicht vor den anderen Typen. Impfungen gegen diese Typen müssen meist beim Arzt angefragt werden. Gegen Meningokokken B kann schon ab dem zweiten Lebensmonat geimpft werden.

Außerdem gibt es einen Kombinationsimpfstoff gegen Meningokokken A, C, W und Y. Dieser wird vor allem bei Reisen in Risikogebiete empfohlen.[5] Somit können Kinder vor den häufigsten Meningokokken-Typen in Deutschland bestmöglich geschützt werden.

Eltern sollten ihren Kinder- und Jugendarzt frühzeitig auf die Schutzimpfungen ansprechen und sich vorab informieren. Zum Beispiel unter www.meningitis-bewegt.de.

Ein Kinder- und Jugendarzt im Interview: Wie gefährlich kann eine Meningokokken-Sepsis werden?

Herr Dr. Kroschke, wie kann es zu einer Meningokokken-Erkrankung kommen?

Kinder- und Jugendarzt Dr. med. Kroschke

Mit etwa 300 Fällen pro Jahr sind Meningokokken-Erkrankungen zwar verhältnismäßig selten, können aber innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden.[6] Eine Erkrankung führt in 2/3 der Fälle zu einer Meningitis (Hirnhautentzündung), in 1/3 kommt es zu einer Sepsis (Blutvergiftung).[7] Was dabei genau passiert und warum es so wichtig ist, dass Eltern ihre Kinder frühzeitig schützen, erzählt Kinder- und Jugendarzt Dr. med. Kroschke im Interview.

Meningokokken sind Bakterien und werden über Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen. Bis zu zehn Prozent der Erwachsenen tragen sie im Nasen-Rachen-Raum, ohne selbst daran zu erkranken. Dennoch können sie die Bakterien beispielweise durch Husten, Niesen oder Küssen an andere weitergeben. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem bzw. Kindern kann es nach der Ansteckung mit den Bakterien zu einer raschen Entwicklung einer Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung kommen.

Was genau passiert bei einer Meningokokken-Sepsis?

Bei einer Meningokokken-Sepsis werden die Bakterien auf dem Blutweg in alle Organe verteilt. Dort kann es rasch zum Organversagen und typischerweise zu einer Störung der Blutgerinnung kommen. Als Folge entstehen flächenartige Einblutungen in der Haut. Dadurch können Gliedmaßen absterben, die in manchen Fällen amputiert werden müssen. Die Sterblichkeitsrate beträgt insgesamt ca. 18 % , bei komplizierten Verläufen ca. 33 %.

Wie können Eltern ihre Kinder bestmöglich vor einer Meningokokken-Sepsis schützen?

Den bestmöglichen Schutz vor einer Meningokokken-Sepsis bieten Impfungen. Wichtig hierbei ist, dass es verschiedene Meningokokken-Typen gibt und demnach auch verschiedene Impfungen. Da Babys und Kleinkinder besonders gefährdet sind, an Meningokokken zu erkranken, sollte frühzeitig geimpft werden. Aber auch ältere Kinder können schwer erkranken und sollten durch Impfungen geschützt sein. Die Sorge mancher Eltern, dass ihre Kinder zu viele Impfungen in den ersten Lebensmonaten bzw. -jahren erhalten, ist unbegründet. Denn das kindliche Immunsystem ist bestens für diese Aufgabe ausgebildet und setzt sich täglich mit viel mehr Erregern auseinander, als sie in Impfstoffen vorkommen.

Werden die Kosten für alle Meningokokken-Impfungen übernommen?

Die Meningokokken-C-Impfung ist eine allgemein empfohlene Standardimpfung und wird daher von allen gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Mittlerweile erstatten die Kassen auch für über die Hälfte der Versicherten die Meningokokken-B-Impfung auf Anfrage teilweise oder ganz. Typ B ist für die meisten Erkrankungsfälle in Deutschland verantwortlich. Die Kosten der Kombinationsimpfung gegen die Typen A, C, W und Y werden oft bei Reisen in Risikogebiete erstattet. Nachfragen lohnt sich. Allgemein rate ich allen Eltern, frühzeitig ihren Kinder- und Jugendarzt auf Meningokokken-Impfungen anzusprechen.

Quellen:

[1] https://www.sepsis-stiftung.eu/sepsis, Juni 2019.

[2] RKI Epidemiologisches Bulletin 03/2018, https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2018/Ausgaben/03_18.pdf?__blob=publicationFile, Juni 2019.

[3] GSK meningitis parent vaccine awareness survey 2018 (Ref. 2019N402242_00).

[4] Robert Koch-Institut: SurvStat@RKI 2.0, https://survstat.rki.de, Stand Epid. Jahrbuch 2018 Fallzahlen gemäß Referenzdefinition; Meldepflicht gemäß IfSG; IME mit Angabe der Serogruppen A, B, C, W und Y 2018, abgerufen am 04.06.2019

[5] RKI-Ratgeber Meningokokken: erfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Meningokokken.html#doc2374538bodyText7, Juni 2019.

[6] RKI Epidemiologisches Bulletin 03/2018: Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2018/Ausgaben/03_18.pdf?__blob=publicationFile, Juni 2019.

[7] https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/meningokokken/, Juni 2019.