Julian – leider Kaiserschnitt

Nachdem die erste Geburt eine geplante Sectio war (Beckenendlage), wünschte ich mir für diese Schwangerschaft eine Spontangeburt. 2 Tage vor dem errechneten Termin wachte ich morgens um 5 Uhr wegen einer gefühlten Explosion im Unterleib auf.
Heulend vor Schmerzen, Anspannung und Freude darüber, dass es nun endlich losging, rief ich dann die Hebamme an, die kurze Zeit später schon da war und mich an das CTG anschloss, das eine Wehentätigkeit im Abstand von 2-4 Minuten zeigte. Gegen 7 Uhr powerten die Wehen voll durch, ich hatte nicht so richtig Gelegenheit, mich an den Wehenschmerz zu gewöhnen. Dazu kam, dass ich der Meinung war, Wehenschmerz hätte was von „Periodenschmerz“, nur eben viel stärker. Leider gingen die Wehen bei mir voll in den Rücken, als ob jemand auf ein Stück morsches Holz treten würde….
 
Gegen 11 Uhr sind wir dann zusammen ins Krankenhaus gefahren. Um 15 Uhr war ich soweit, eine PDA zu akzeptieren, was ich vorher konsequent abgelehnt hatte, da ich panische Angst vor Spritzen habe.  Leider war der Anästhesist so beschäftigt, dass er erst um 17 Uhr die PDA legen konnte. Zwei lange Stunden für mich, die meine Nervosität vor dem nun Kommenden bis in den Wahnsinn steigerten.
 
Als der Anästhesist da war, lagen meine Nerven blank; ich heulte nur noch rum, wollte keine PDA mehr sondern sofort einen Kaiserschnitt. Die Hebamme klärte mich vorsichtig darüber auf, dass die PDA die einzige noch verbleibende Möglichkeit zum Versuch einer Spontangeburt sei, da ich bereits völlig erschöpft sei und dringend eine Pause bräuchte. Schließlich ließ ich mich überzeugen und stimmte der PDA unter Tränen zu. Leider war der Anästhesist nicht sehr feinfühlig, schnauzte mich an, ich solle mich nicht so anstellen, schließlich wäre ich diejenige, die die PDA wollte und jetzt sollte ich gefälligst mitarbeiten und still halten, sonst würde er am Ende noch daneben spritzen und mich verletzen….
 
Naja, nach 10 min. saß die PDA, die Schmerzen waren wirklich nicht schlimm gewesen, eben einfach nur reine Nervensache…  Ich habe mich dann etwas ausgeruht und bin wohl auch zwischenzeitlich eingeschlafen. Die Hebamme kam zwischendurch, um nach den Herztönen von dem Baby zu schauen. Um 19 Uhr waren dann die Herztöne auf knapp 60 abgesackt. Da mein Muttermund zu diesem Zeitpunkt erst um 4 cm geöffnet war, und ein Vorankommen der Geburt nicht abzusehen war, entschlossen sich Hebamme und Ärztin dazu, einen Kaiserschnitt durchzuführen. Ich wurde darüber aufgeklärt, warum eine Sectio erforderlich sei.
 
Mir war zwischenzeitlich alles egal, ich hatte keine Lust mehr und war nach 14 Stunden zu allem bereit. Die Hebamme bereitete mich vor (rasieren, OP-Hemd, Katheder) und dann dann folgte die längste 3/4 Stunde meines Lebens: Aus dem kuschelig warmen Bett,in dem ich mich eben noch befand, wurde ich in den 18° kalten OP gebracht. Wenigstens durfte ich noch selber auf den OP-Tisch rutschen. Dann kam die Aufregung durch. Die Kälte im OP, die Anstrengungen der Wehen, ich fast nackt, an Beinen und Armen festgeschnallt, ich zitterte am ganzen Leib.
 
Da ich nicht durch die Schleuse geschoben worden war, mußte die Hebamme nochmal raus, um sich die OP-Klamotten anzuziehen. Diesen Augenblick passte der Anästhesist ab, um auf mich einzureden, dass wir die PDA ja jetzt nur noch mal nachspritzen müssten, um dann den Kaiserschnitt durchzuführen. Ich wollte aber eine Vollnarkose – das passte dem Anästhesisten überhaupt nicht. Er zählte mir etliche Gründe auf, warum ich keine Vollnarkose haben sollte und versuchte, mich mit aller Gewalt zu überreden, doch nur die PDA nachzuspritzen.
 
Im Nachhinein erzählte mir die Hebamme, dass er aber wusste, dass ich (falls Kaiserschnitt erforderlich) unbedingt eine Vollnarkose haben wollte. Sogar im OP sagte ihm die Hebamme noch, dass ich die Vollnarkose haben wollte – was er völlig ignorierte. Irgendwie schaffte ich es trotzdem, meinen Willen durchzusetzen und eine Vollnarkose zu bekommen (der Anästhesist grummelte die ganze Zeit vor sich hin, was das für ein Blödsinn wär). Ich habe mich sehr über den Anästhesisten geärgert, der meinen Wunsch nicht respektiert hat und habe das dem Krankenhaus auch schriftlich mitgeteilt.
 
Um 20.30 Uhr wurde mein Sohn auf die Welt geholt und seinem Papa auf die nackte Brust gelegt. Als ich gegen 21.30 Uhr wach und in den Kreißsaal gebracht wurde, legte mir die Hebamme meinen Sohn nackt in den Arm  und erst nachdem ich eine ganze lange Weile mit ihm schmusen und ihn bestaunen konnte, wurde er gemessen, gewogen und angezogen.
 
Im Endeffekt war die PDA nicht verkehrt (ich habe mich auch nicht so sehr über die PDA geärgert, mehr über den Anästhesisten, der überhaupt kein Verständnis zeigte); So konnte ich den ersten Kontakt mit meinem Sohn ohne Schmerzen genießen.
 
Später erzählte mir die Hebamme noch, dass es höchste Zeit für den Kaiserschnitt war: das Fruchtwasser war grün, er hatte reingekackt, und der Mutterkuchen war verkalkt. Eine halbe Stunde später und es wäre ein Not-Kaiserschnitt geworden.
 
Fotos: von privat

 

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