Jason kommt zu früh

Jason Phil wog 1490 Gramm und war 44 cm groß. Er hat ganze sechs Wochen und einenTag auf der Kinder-intensiv verbracht. Vor der Frühgeburt plagten mich heftige Rippenschmerzen beim Sitzen – ich konnte auch kaum Liegen oder Laufen…
Ich ging also am 30.06. zur Frauenärztin und ich ließ mich die erste Juli Woche bis zum 04.07. krankschreiben. Die FA untersuchte mich schnell noch am Montag und meinte, supi alles fest, der Muttermund ist ok. Vorsorge dann richtig am 08.07. Wir hatten einen Abstand von 5 Wochen zur letzten Vorsorgeuntersuchung gewählt, da dieser Termin dann mit dem ersten CTG übereinstimmte.
 
Freitags einen halben Tag arbeiten, war kein Problem. Ich lief viel rum und konnte so meine Arbeit erledigen. Während der Woche war der Sohn meines Freundes da. Wir waren am Samstag in Oberhausen im Zentro und danach bei Bluemangroup. Unser Baby genoss die laute Musik und war völlig entspannt. Wie der Papa halt, der schon Ewigkeiten DJ ist.
 
Am Sonntag, den 06.07. waren wir im Wattenscheidener Fußballstadion. Der BVB war dabei und ich fand’s witzig, Herrn Klopp aus der Nähe zu sehen. Nur die Rippen bereiteten mir wieder Probleme. Ständig stand ich auf, so dass sich die Leute hinter mir beschwerten. Ich ging freiwillig Würstchen und Getränke holen, damit ich mich wenigstens mal eine halbe Stunde in die Schlage stellen durfte und so meine Rippen entlastete. Immer wieder bemerkte ich das Hartwerden meines Bauches. Aber dachte mir nichts dabei, hatte ich ja schon ewigen Wochen. Und immer, wenn ich Hebamme oder Frauenärztin darauf hinwies, hieß es “Das ist normal.“ Warum also dann Gedanken machen? Fröhlich schob ich meinen Babybauch durch die Gegend und schielte immer mal in ein Schaufenster, um mich von der Seite zu betrachten. Dieser Anblick tat unheimlich gut… Unser Baby wuchs und wuchs und ich genoss meine Schwangerschaft.
 
Am Montag den 07.07. fuhr ich ganz normal zu Arbeit. Aber dass es mein letzter Arbeitstag werden würde, wusste ich nicht. Ich fing wie immer um 08.00 Uhr an. Holte mir einen Kaffee, schmiss den PC und dachte Mist, 10 Minuten hier und Du kannst nicht mehr sitzen. Was tun?
 
Ich rief meinen FA an und sagte, was los war. Ich sollte sofort kommen. Ich sagte auf der Arbeit Bescheid und fuhr direkt in die Praxis. Frau Dr. schrieb mich wieder krank. Meinte aber, ich sollte dringend noch zum Hausarzt, um abzuklären, was mit meinen Rippen ist. Ich ging also nachmittags zum Hausarzt. Er horchte, klopfte mich ab. Tastete die Muskeln meines Rückens ab und meinte…… Nein, alles ok, nur das Baby drückt alle Organe nach oben, so dass es eine Reizung der Rippenzwischenräume gibt. Dort enden Nerven, die halt durch den Druck gereizt werden. Dagegen konnte er mir weder was verschreiben, noch spritzen. War ja schwanger. Also meinte er, ich sollte bis zur Geburt nicht mehr arbeiten gehen, denn es wird schlimmer, statt besser. Und er meinte, wenn meine FA mich nicht weiter krankschreibt, macht er das gern.
 
Gut! Ich also am Dienstagabend (08.07.) zum FA. Jippppiiiiiii………. Endlich gucken wir wie es dem Baby geht. Erst also Pippi abgeben, Blutdruck, Wiegen…… Auf der Waage dann! *glotz* Plötzlich hatte ich Wasser eingelagert. 93 KG! *heul* War doch so stolz, nur so wenig zugenommen zu haben. Und nun in 5 Wochen 5,5 KG? Ich war super traurig, aber ich dachte, egal. Wird schon wieder.
 
Dann erstes CTG…. WOW, was für ein Gefühl – und das CTG war super. Ich also in den Untersuchungsraum….*händeschütteln * Ich berichtete von meinem Arztbesuch. Frau Dr. meinte auch, ich sollte nicht mehr arbeiten gehen. Sie schlug vor, dass ich abkläre, wie viel Urlaub ich noch habe, den könnte ich vor dem Mutterschutz nehmen und den Rest schreibt sie mich krank. War mir eigentlich egal, ich war froh, dass ich mich die restliche Zeit ausruhen konnte.
 
So machen Sie sich frei und dann auf den Stuhl. Erleichtert stieg ich auf den Stuhl……… Dachte so lalalalaaaaaaaaa wird alles gut. Sie schaute in die Scheide und fühlte dann…… Auf einmal runzelte sie die Stirn. Ich starrte sie an! Was war los? Sie sagte nichts und fühlte noch mal tiefer….. AUA dachte ich… Ich: „Was ist?“
 
Sie schaute mich an und meinte: „Ihr Muttermund ist fingerdurchlässig geöffnet. Ich nehme jetzt einen mikrobiologischen Abstrich, sie werden danach ein wenig danach bluten, das ist aber nicht schlimm.“ Wenn ich nicht gelegen hätte, wäre ich umgekippt. Das kann doch nicht sein? Ja, ich habe normale Kontraktionen, aber nicht mehr als sonst. Warum ist der Muttermund offen? Und was heißt, es ist nicht schlimm?
 
Sie: „Ich gehe davon aus, dass sie eine Infektion haben und sich deshalb der Gebärmutterhals verkürzt hat.“ Sie schickte mich sofort auf die Ultraschallliege und schallte mit dem Vaginalultraschall…….„So, Frau B. Schauen Sie selbst.“ Ich sah eine große Einkerbung, eine Beule. Ich „Was ist das?“ Sie schrieb mir eine Überweisung und rief sofort im Krankenhaus an.
 
Frau Dr. drückte mir den Abstrich in die Hand mit den Worten, dass sie das im KH auswerten sollen, das ginge schneller. Ich stürmte der Ohnmacht nahe aus der Praxis. Ich konnte nicht denken, ich hatte Angst… Ich lief noch durch die Stadt, obwohl ich nicht mehr durfte. Traf meinen Freund mit seinem Sohn und wir gingen zum Bus. Das KH war nur eine Bushaltestelle weiter.
Da ich von meinen Zwischenblutungen wusste, wo der Kreissaal war, steuerte ich direkt auf die Fahrstühle zu. Station 2! Immer wieder wurde mir schlecht. Dort angekommen meldete ich mich im Schwesternzimmer. Ich wurde erwartet.  „Warten Sie dort“, die Schwester zeigte auf die Stühle. Auf einmal ging Herr Dr. L. An mir vorbei, den kannte ich ja schon vom letzten Mal. Er sagte „Hallo“, stoppte und fragte: „Auf wen warten Sie?“
Ich: „Auf Sie, meine FA hat grad hier angerufen.“ Er: „Ach Frau B., kommen Sie mit…………“ Boah dachte ich…. Hilfeeeeeeeee…. Er wollte mich zuerst untersuchen. Und das Ergebnis war kein anderes. 1,6 cm Rest vom Gebärmutterhals. Er schaute nach Jason. Hmmm…….. 1.100 Gram. Das ist nicht viel. Er kontrollierte nochmals meine SSW. 28 + 6….
„Strenge Bettruhe!“ Die Worte schepperten durch meinen Kopf. Ich starrte ihn an… Wie, strenge Bettruhe?  Nicht aufs Klo, nicht duschen und überhaupt nicht aufstehen. Wären Sie nicht zur Vorsorge gegangen, hätten Sie nächste Woche definitiv einen Blasensprung gehabt… Ich sah ihn emotionslos an. Wie lange? „Eine Woche bestimmt und dann mal sehen…….“  Ich durfte mich anziehen und sollte in den Kreissaal gehen.
Schnell ging ich noch zu meinem Freund, der draußen wartete und berichte kurz. Ich hatte keine Sachen mit und versuchte ihm schnell aufzuzählen, was ich brauchte…. Da kam die Hebamme und schimpfte, „Sie müssen liegen, kommen Sie sofort mit…“ Aber ich hab doch nicht, aber ich muss doch noch… SOFORT! Ab in den Kreissaal und wieder ans CTG. Mein Freund fuhr nach Hause, um meine Sachen zu holen.
Nun lag ich da am CTG und starrte auf die Uhr. Die Minuten zogen sich wie Kaugummi. Aber keine Wehen, jipppiiiiiiiiiii alles wird gut. Dr. L. Kam. Er holte eine Braunüle und ich wurde halb ohnmächtig. Er legte mir einen Zugang. Nahm mir unendlich viel Blut ab und ich baute erstmal kreislauftechnisch ab. Ich bekam einen Tropf. Autsch, tut das weh, mein Arm wurde von der Infusion ganz kalt. Er setzte sich mit auf mein Bett und meinte, „Also wenn alles gut geht. eine Woche, dann müsste sich der Gebärmutterhals stabilisiert haben. Vorausgesetzt, Sie haben keine Wehen“. Ich schielte auf das CTG. Nee, Wehen habe ich nicht.
Mein Freund kam wieder…. Wir redeten und mir ging’s nicht mehr so schlecht… Doch dann packte mich eine Wehe……. Ich lag schon 50 Min am CTG. AUA….. Ich hielt die Luft an.Und kurz darauf gleich wieder. Dr. L. kam und sah sich den Ausdruck an…….. „Hmm, genau das wollte ich nicht sehen.“ Wie jetzt? War doch gar nicht schlimm, dachte ich.
„Sie haben Wehen! Sie kriegen an die Infusion gleich noch einen Wehenhemmer, außerdem spritzen wir ihnen etwas zur Förderung der Lunge ihres Kindes“…. Ja, dachte ich, wenn’s hilft und dann liegen liegen liegen liegen… Grmpf… Wann komm ich hier raus? Wie lange muss ich bleiben? Ich wurde auf mein Zimmer gebracht. Mein Freund hatte mir schon meine Sachen besorgt. Dort lagen schon zwei Damen, ich sagte nur kurz hallo.
Ich durfte mich umziehen und dann kam die Nachtschwester Judith und schloss den Wehenhemmer an. Eine große Spritze in einem grünen Gerät. Es pumpte mir jede Stunde 2 ml Wehenhemmer in die Adern….. Ich dachte alles wird gut, doch der Alptraum begann…. Jede Stunde, wenn das Medikament in meine Adern floss, wurden die Nebenwirkungen stärker. Herzrasen….
Nun war ich ein paar Stunden noch nicht zur Toilette. Aber auf eine Bettpfanne? Nee, das geht gar nicht. Aber Mist, ich muss und ich platze gleich. Also klingelte ich und versuchte mein Glück, mich zu erleichtern. Aber es ging daneben. Ich war den Tränen nah. Ich fand’s so erniedrigend. Aber die Nachtschwester tröste mich und meinte, das sei ok.
Dann bekam ich die Spritze zur Lungenreife. Boah… Diese Spritze wanderte durch meinen Muskel am Hintern wie Kaugummi und brannte wie Hölle. Ich jaulte! Man erklärte mir nochmals, dass man nochmal nach 24 Std. spritzen muss und dann nochmal 24 Std. warten muss, bis sie wirkt.
Ich versuchte dann zu schlafen. Grmpf… Bin zu aufgeregt. Die Nachtschwester kam. Ich sagte, dass ich Schmerzen in der Brust hatte. Sie meinte, das sei vom Wehenhemmer, sie bringe mir was. Sie kam mit einer Tablette wieder. Genommen und gewartet. 2 Std. später hab ich wieder geklingelt, habe immer noch nicht geschlafen. Zweite Tablette…….. Es ging nix. Kein Auge zugemacht…… Es wurde schlimmer. Ich klingelte wieder. Ich bekam Baldrian. Schön, dann ging schon die Sonne auf und ich hab’s aufgeben zu schlafen.
Am nächsten Morgen hat mich der Oberarzt nochmal zu sich bestellt, um mich zu untersuchen. Ich wurde im Rollstuhl gefahren mit meinen ganzen Apparaturen. Das Ergebnis war dasselbe. 1,6 cm! Ich fragte, ob ich auf die Toilette darf, denn bei der Untersuchung verlor ich Flüssigkeit. Er dachte erst, es wäre Fruchtwasser. Es war aber Urin, denn ich konnte mich nicht entleeren. Man, wie peinlich.
Er meinte „Ich empfehle es ihnen nicht auf die Toilette zu gehen, aber wenn’s nicht anders geht…“ Nee, dachte ich, es geht nicht anders. Es stresste mich total, nicht aufs Klo zu können. Ich fragte, wie es nun weiter geht. Er meinte, erstes Ziel sind die 48 Std. damit die Lungenreifespritze wirkt. Dann ist die 30. Woche nächstes Ziel. Dann die 32 usw. Na super dachte ich. 10 Wochen KH.
Dann kam Nacht 2, Mittwoch.
Lungenreifespritze. Jauuuuuuuuullll und Thrombosespritze. Boah, die Schmerzen vom Wehenhemmer. Ich dachte, es steht jemand auf meinem Brustkorb. Ich atmete heftig. Ich klingelte nach der Nachtschwester, ich bekam wieder die 2 Tabletten, von denen ich eh wusste, dass sie nicht helfen. Es wurde schlimmer. Ich bekomme keine Luft, mein Herz bleibt stehen, meine Brust schmerzt… Hilfe…. Nachtschwester angeklingelt. Ich fing an zu hyperventilieren. Die Nachtschwester rief die Stationsärztin, die dann anordnete dass ein EKG gemacht wird, außerdem wurde mir von einer Laborantin Blut abgenommen.
Dann kam Frau Dr. S. Und fragte, was los sei. Sie drückte mich und meinte „Das ist alles nicht schlimm. Sie spüren nur eine Art Muskelkater in der Brust, der so schmerzt, nehmen sie nun das Beruhigungsmittel und machen die Äuglein zu um zu schlafen.“ Gesagt getan. Aber Tablette half nur 2 Std. Aber war ja schon wieder hell.
In der dritten Nacht (Donnerstag) verlangte ich nach dem Beruhigungsmittel. Doch die Ärztin hat nichts in meine Akte geschrieben, obwohl sie mir morgens bei der Visite sagte, ich sollte sie nur nehmen, wenn’s nicht anders geht. Die Nachtschwester weigerte sich, mir das Medikament zu geben. Also war ich wieder die Nacht wach. Auch tagsüber schlief ich nicht. Ich sah aus wie Frankenstein auf Urlaub. Aber ich dachte mir, egal durchhalten.
Freitag morgen wurde ich dann auf Patusisten umgestellt. Alle 4 Std. 2 Tabletten. Ich bekam dann den Betablocker gleich dazu und ne Menge anderen Kram. Ich nahm pro Tag 23 Tabletten und immer eine Thrombosespritze.
Am Sonntag erlaubte mir man dann zu duschen. Sollte ich Wehen haben, dann sollte ich eine Tablette vom Wehenhemmer zusätzlich nehmen. Wehen waren aber nie so wirklich zu sehen. Ich bekam jeden Tag 2 Mal CTG. Morgens um 7 Uhr und nachmittags. Und mir wurde alles geliefert und gebracht, was ich brauchte. Nun lag ich da und dachte, was soll’s.
Doch am 14.07. (Montag) sagte ich morgens bei der Visite, dass die Kontraktionen irgendwie anders sind. Ok, wir machen gleich CTG. CTG wurde aber immer dann gemacht, wenn ich grad den Wehenhemmer nahm. Also war auf dem CTG entweder nix zu sehen oder nur 2 – 3. Kurven. Wie sinnig, oder? Ich fragte die Hebamme, warum das Gerät meine Kontraktionen nicht aufzeichnet. Sie meinte, „Wenn Sie schlanker wären, dann ginge das besser.“ Hallo? Selber Fettqualle, dachte ich. Innerlich war ich todtraurig über diesen Kommentar.
Am nächsten Tag (Dienstag) waren Wehen zu sehen. Dann kam ein Assistenzarzt und fragte, ob ich diese Wehen merke. Hallo? Hab ich doch gestern schon gesagt. Es tut weh und drückt nach unten. Hmm… „Nehmen sie noch zwei Wehenhemmer zusätzlich, wir schreiben gleich noch mal CTG.“ Jo!
Wehen weg! Ja super, kein Wunder, wenn man mich mit Tabletten zudröhnt. Langsam wurde ich wütend. Ich fragte, wann mal geguckt wird, was sich getan hat. „Ja, Frau B. Am Mittwoch gucken wir.“ Ok, einmal schlafen dachte ich. Gegen 17 Uhr kam die Hebamme und schloss das CTG an. Sie kam wieder und starrte auf das Blatt……. „Ähem, wir müssen noch weiter schreiben.“ HÄ? Dacht ich, ist doch nix.
Auf einmal kam der Dr. L. Und guckte auf das Papier. „Hmm, hier sind die Herztöne abgefallen.“ Er kritzelte was auf das Papier und meinte, „Wir schreiben um 21.00 Uhr noch eine Kontrolle.“ Jo, dachte ich, ich hab heute eh nix mehr vor.
Ich verlor gegen 18 Uhr den Schleimpfropf auf dem Klo. Ich geriet in Panik. Irgendwas passierte. Ich sprach mit meiner Bettnachbarin, die mit dem zweiten Kind schwanger war. Sie meinte, ich sollte Bescheid geben. Ich sagte der Hebamme, die bei ihr gerade CTG machte, Bescheid. „Ach das ist nicht schlimm, aber ich sag es dem Arzt.“ Ich dachte echt, die halten mich für total bescheuert. Aber mir machte das Angst und ich dachte auch, es sei wichtig, dass ich diese Info weiter gebe.
Auf dem 21.00 Uhr CTG waren wieder zweimal die Herztöne abgesackt. Was ist denn da los? Und warum sind die Herztöne auf einmal links, sie waren immer rechts?„Alles klar, wir kontrollieren noch mal um 23 Uhr.“ Ich nahm um 22 Uhr die Wehenhemmer und es war na klar wieder nix zu sehen. Die Hebamme Marion meinte, „Wenn was ist, rufen Sie im Kreissaal an.“
Ok, versucht, eine bequeme Liegeposition zu finden. Denn ich hatte auch das Becken hoch gelagert. Konnte aber irgendwie auch nur auf dem Rücken schlafen. Auf einmal werde ich wach….. AUAAAAAAAAAAAAAAAA. Ich hielt mich am Griff über dem Bett fest. Eine Wehe nach der anderen mit Druck nach unten. Jauuuuuuuuulll Heul… Ich schrieb mit meinem Freund eine SMS. Er meinte, ich sollte die Nachtschwester rufen. Gesagt getan. Es war 1.47 Uhr, der 16.07.2008. Die Nachtschwester rief im Kreißsaal an. Ich sollte meine Tabletten nehmen. CTG kommt gleich.
Es war nichts zu sehen. Die Hebamme meinte „Wenn was ist, rufen Sie an.“ Ok, ich versuchte erneut zu schlafen. Doch die Schmerzen wurden heftiger. Ich hielt mich immer oben am Griff fest und hielt die Luft an. Völlig falsch. Aber ich wusste nicht, wohin mit mir.  Ständig ging ich aufs Klo, weil ich dachte, ich laufe aus. Hahaaaaaaaa… Ich doofe Kuh, dass war der Blasensprung, doch ich hab nicht daran gedacht!
Gegen 4 Uhr früh klingelte ich nach der Nachtschwester und meinte, ich kann vor Schmerzen nicht schlafen. Sie antwortete nur genervt: „Ich war grad gucken, Sie haben geschlafen. Sie warten jetzt bis um 06.00 Uhr“ und die Tür ging zu. Ich starrte in die Nacht. Was war das? Ich hechelte von einer Wehe bis zur nächsten. Um 05.30 Uhr ging nix mehr. Ich rief wieder die Nachtschwester.  Ich teilte mit, dass ich hier irre werde und sie was tun soll. Sie wollte im Kreissaal anrufen.
Sie ging und ich dachte, boah was ist da los. Schaute in meinen Slip. Die komplette Vorlage blutüberströmt. Ich hatte das vor Schmerzen nicht bemerkt. Ich klingelte nochmal. Sie kam zurück und schaute sich das an. „Oh, Mist!“, sagte sie. Ich ruf noch mal im Kreissaal an. Hebamme Marion kam und schaute ebenfalls. „Ok, wir machen kein CTG ich fahr Sie samt Bett in den Kreißsaal.“ Ich verkrampfte bei einer Wehe. Die Hebamme versuchte, dass ich sie veratme. Ging gar nicht. Ich kann nicht mehr, ich jaulte. Dort angekommen, schloss man das CTG an. Doch 2 Min. später kam der Arzt und meinte „Ich will Sie erst untersuchen“.
Also trotz Schmerzen vom Kreissaalbett runter und dann in mein Bett und mit Bett in den winzigsten Untersuchungsraum gequetscht, damit ich ja kein Schritt gehe. Auf den Stuhl geklettert und dem Doc den Slip mit der blutigen Vorlage in die Hand gedrückt. Komisch, wie sich alle dafür interessierten….  Ich kletterte auf den Stuhl von Arzt und Hebamme gestützt. Ich war einfach wackelig auf den Beinen.
Er schaute und sagte „Oh, ich kann so schon die Fruchtblase sehen.“ Er fühlte nach dem Muttermund. „Ups…….. 6 cm geöffnet.“ Er bat die Hebamme nochmals zu fühlen. „Nee, sagte sie. Nee, da ist nur noch ein Saum.“ Er machte einen Ultraschall. Ich konnte aber das Baby nicht sehen, da ich keinen Blick auf den Monitor hatte. Ich fragte, wie groß das Baby ist. Er meinte, er kann es nicht mehr messen, es ist zu tief im Geburtskanal. Wir machen jetzt den Kaiserschnitt. Ich schaute ihn groß an. „Wir haben keine Zeit mehr und eine normale Geburt würde ihr Kind nicht überleben. „Wie betäuben Sie denn?“ „Na mit PDA!“ Ich: „Nein, wir machen keine PDA. Ich will ne Vollnarkose.“ Er: „Nein wir machen eine PDA.“ Ich: „Nein wir machen ganz sicher keine PDA!“ Er: „Ok, ich rufe die Oberärztin an. Sie soll das entscheiden.“
Ich nickte nur, es gab keinen Grund, weiter zu diskutieren. Ich wurde wieder in den Kreissaal gebracht. Habe meinen Freund angerufen, dass es los geht und er kommen soll. Er meinte, er müsse aber erst Zähne putzen. Ich schnauze ihn an, „Wie, Zähne putzen? Komm hier her!“ Ich muss wohl tierisch geheult haben. Was ich ehrlich gesagt nicht mehr weiß. Er beruhigte mich, wie so oft, wenn ich aufgeregt bin.
Auf einmal standen 5 Leute um mich rum. Raus aus meinen Anziehsachen. Braunüle gelegt, OP-Hemd an. Blasenkatheter gelegt, Wehenhemmer gespritzt. Rasiert! Der Zugang an meinem Arm blutete wie Sau. Also nochmal schnell mit Pflaster zugeklebt.
Es ging rasend schnell. Ich musste wieder in mein Bett. Alles tat mir weh und ich hab kaum klettern können. Irgendwie lief auch der Blasenkatheter aus und das Blut tropfte von meinem Arm. Da sagte Dr. L. Also irgendwie ist die Frau B. undicht… Hach dachte ich, wir sind heute besonders witzig.
 
Also ging’s los in den OP. Erst aus dem Kreissaal in den Fahrstuhl. Dann sah ich viele Gänge und blaue Fliesen. … Ich wurde in einen Raum gebracht. Die Oberärztin F. kam und ich sagte, ich wolle eine Vollnarkose. “Ja, wenn sie eine wollen kriegen Sie eine, mir ist das egal.“ Uff, dachte ich. Eine PDA hätte ich nicht gepackt.
 
Der Narkosearzt schaute mich an und sagte „Wir haben wenig Zeit.“ Er hielt mir einen Zettel vor die Nase, „Also ich mach die Narkose, pass auf Sie auf und unterschreiben Sie hier.“ Ok, ich kritzelte meinen Namen auf ein Blatt Papier. Heiß ich denn so? Ich kontrollierte noch mal die Unterschrift. „Naja, egal“, sagte der Narkosearzt.
Dann kam Dr. L…. Hielt mir noch einen Zettel unter die Nase. Dort war ein Bild zu sehen, ein gelbes Blatt. „Also hier schneiden wir Sie auf, da ist die Gebärmutter, dann holen wir das Kind und dann nähen wir wieder zu…….. Unterschreiben Sie hier.“ Kritzel.
Mir stellte sich eine Narkoseschwester vor. Sie stand links von mir. Wie sie hieß? Kein Plan. Der Narkosearzt – stand rechts von mir – setzte mir eine Maske auf und meinte „Atmen sie mal tief durch….“. Lufthol… HÄ? Ich werde doch gar nicht ohnmächtig……Das war noch nicht die Narkose. Ich atmete und atmete.
 
Shit, passiert ja nix. Auf einmal sagte die Narkoseschwester „Ich spritze Ihnen nun etwas zur Vorbereitung der Narkose.“ Ich nickte nur. Ui…. Was für ein geiles Zeugs… Mir verdrehten sich die Augen. Aber ich bekam noch alles mit. Dr. L. meinte „Die Kinderklinik ist da, das Bettchen steht bereit. Wir können anfangen.“
Den Blick von Dr. L. werde ich wohl mein Lebtag nicht vergessen. Wir starrten uns an. Wobei ich glaube, er guckte den Narkosearzt an. Es machte mir Angst. Es kann los gehen, sagte der Narkosearzt und es war dunkel….
Auf einmal wurde ich wach. Ich hörte Stimmen….. Vertraute Stimmen. Ich horchte in mich rein… Wo bin ich? Warum kann ich meine Augen nicht öffnen. Ich hörte Dr. L.: „Herzlichen Glückwunsch, Ihrem Kind geht’s gut.“
Ich wusste, mein Freund ist da. Ich stöhnte nur: Aua…….. Es waren unbeschreibliche unerträgliche Schmerzen in meinem Bauch. Boah, ich sterbe…… Mein Freund bemerkte, dass ich wach wurde und setze sich zu mir und hielt meine Hand. Die ich ganz fest drückte. Ich ließ ihn auch nicht los. Ich stöhnte glaub ich 20 oder 100 Mal. Mein Freund wollte zum Kleinen: Aber ich wollte, dass er bei mir bleibt. Er überredete mich, dass er gehen durfte.
Dann kam die Hebamme und meinte, sie müsse mich nochmal untersuchen und drückte auf meine Gebärmutter. Boah wenn ich hätte schreien können, ich hätte geschrien wie am Spieß. Boah waren das Schmerzen. Sie sagte: „Tut mir leid, ich weiß.“ Dann packte sie mir einen Sandsack auf die Narbe und fixierte diesen mit einer Bauchbinde. Boah, ich dachte ich sterbe.
Ich wurde auf mein Zimmer gebracht und mein Freund kam zurück. Mit einem Foto von unserem Kind. Ich schaute es an: Ein Baby……… Ich konnte nicht realisieren, dass ich grad Mutter geworden bin. Ich lächelte gequält. Als ich dann richtig wach war, verbrachte ich die Zeit damit allen möglichen Leuten Bescheid zu sagen. Aber so richtig als Mutter hab ich mich nicht gefühlt.
Als es Abend wurde, bekam ich starke Nachwehen und ich ließ mir alles an Schmerzmittel geben, was ging. Tramal, Opiate und zum Schluss eine stinknormale Iboprophentablette, die dann schließlich half.
Ich lag im dunklen Zimmer. Meine beiden Bettnachbarinnen schliefen und ich horchte in mich rein……… Hey, wo ist das Strampeln hin? Warum bewegt sich mein Kind nicht? Er ist doch immer wach, wenn ich es auch war? Bloß in mir herrschte völlige Leere. Ich konnte nicht schlafen, mir wurde klar: Du bist nicht mehr schwanger. Ich weinte die ganze Nacht still und leise in mich hinein.
Am nächsten Morgen sollte ich aufstehen. Hallo, dachte ich? Habt ihr sie noch alle!? Das geht nicht. Macht den Katheter raus. Nein, den ziehen wir erst, wenn Sie aufstehen können. Also zog ich das Frühstück vor. Dann kam für meine Bettnachbarin das CTG. Seufz, ich schaute traurig auf das Gerät. Das wirst Du nie wieder brauchen, dachte ich. Nach dem Frühstück haben mich zwei Schwestern samt Beutelchen aus dem Bett befördert und ich bin mich waschen gegangen.
Dann kam mein Freund er wollte mit mir zu unserem Baby. Ich hatte totale Angst davor. Wie wird unser Sohn sein? Werde ich ihn lieben können? Irgendwie suchte ich in mir nach den Muttergefühlen. Es war schrecklich, ich dachte immer daran, dass jetzt vielleicht die Bindung fehlt oder gar nicht erst entsteht.  Ich stand wieder mit starken Schmerzen auf und setzte mich in einen Rollstuhl und war nur am Jaulen. Durch die OP hatte ich so viel Luft im Bauch, dass ich starke Darmtätigkeiten hatte, die wahnsinnige Schmerzen verursachten, da waren die Nachwehen ein Dreck gegen.
Also fuhr mein Freund mich durch die Flure bis in die Kinderklinik. Ich dachte, gleich breche ich zusammen. Doch dann standen wir vor dem Inkubator. Ich blickte dieses kleine Wesen an und dachte, boah, das ist dein Kind. Der Kinderarzt, den ich ja schon vom ersten Gespräch kannte, kam auf mich zu und gratulierte mir: „Es ist alles super, Jason Phil hat nur ein wenig geschlafen bei der Geburt durch die Narkose. Und die Beatmung ist schon seit gestern wieder ab.“
Ich durfte ihn auch streicheln. Natürlich nur mit Desinfektion der Hände. Er war so zart und zerbrechlich. Ich konnte es nicht fassen….Als ich das erste Mal mit ihm känguruen durfte, zog ich mein T-Shirt aus und die Schwester legte mir diesen kleinen Körper auf die Brust. Es fühlte sich an wie ein Stich ins Herz. Es tat so weh, aber war wunderschön zu gleich. Dieser kleine Körper, so zart, so weich, so warm….. Wir lagen Bauch an Bauch und ich spürte, wie er atmete. Immer, wenn der Monitor Alarm schlug, geriet ich in Panik. Ich spürte einen starken Schmerz in mir, die Angst, die Angst dieses kleine Wesen zu verlieren.
Ich weiß nicht, wie oft ich weinend vor dem Inkubator gesessen habe und mich bei Jason Phil für all die Strapazen entschuldigt habe. Heute geht es ihm gut und von der angedrohten Entwicklungsverzögerung ist so gut wie nichts zu merken.
Ich danke meinem Freund, der mir bei alldem so bedingungslos beisteht. Ohne ihn hätte ich das nicht geschafft, unser Kind gesund auf die Welt zu bringen und diesen Albtraum zu Ende zu träumen. Ich weiß, ich liebe dieses Kind.

Bildnachweis: von privat, Sandra B.

Werbung