Rico – schmerzfreie Geburt

Zuhause war es traumhaft schön! Ruhe…ich musste zwar täglich zur Schwangerenberatung um abchecken zu lassen, ob mit dem Kleinen alles in Ordnung war, aber das nahm ich in Kauf. In der Nacht vom 22. auf den 23. kündigten sich bei mir gegen 22 Uhr Wehen an. Ich ging super entspannt und gleichzeitig aufgeregt noch ein Bad nehmen.

Ich möchte Euch von der Geburt unseres Sohnes Richard Constantin berichten. Unser Rico war zu meinem Leidwesen ein Spätzünder! Ausgerechneter Entbindungstermin war der 13. Juli, aber ihm schien es wohl draußen eine Spur zu warm zu sein. Wenn ich an die grausamen Temperaturen des Sommers 2010 zurückdenke, könnte mir immer noch schlecht werden.

Durch die enorme Hitze hatte ich durchweg Kreislaufprobleme. Im Wohnzimmer, unserem „kühlsten“ Raum, waren es tagsüber 35°C. Durch den Urlaub meiner Gynäkologin, wurde ich schon zwei Wochen vor Entbindungstermin vom Krankenhaus betreut, in dem ich entbinden wollte. Die dortige Schwangerenberatung riet mir wegen meiner Verfassung, einleiten zu lassen, falls der Kleine nicht bis zum errechnetem ET von selbst Frischluft schnappen wolle.

Nun, so ging ich dann am 13. Juli mit meinem Mann in Krankenhaus… Das Einleiten wurde jedoch zur Qual! Es war so stressig, wie ich es mir nie hätte ausmalen können. Wie eine Nummer wurde ich abgefertigt, andauernd raus in die Hitze geschickt und anscheinend auch nicht verstanden!

Es war von Anfang an unser Wunsch gewesen, dass mein Mann mich begleiten sollte und auch die Nächte mit mir verbringt. Diesen Wunsch haben wir beide auch mehrmals den zuständigen Hebammen mitgeteilt, und uns wurde gesagt, dass dies überhaupt kein Problem sei. Wir warteten darauf, dass ein zweites Bett ins Zimmer geschoben wurde.

Dann kam der Wechsel zur Nachtschicht. Es war 22:30 Uhr und eine bestimmende, mir noch fremde Hebamme, erschien und war der Meinung, meinen Mann „entfernen“ zu müssen. Ich machte einen Heidenaufstand! Was sollte das denn bitte? Alles war doch abgeklärt! Sie entgegnete mir nur, dass sie von nichts wisse, und er nun doch zum Wohle der Anderen gehen müsse. Der Witz dabei war: ich hatte ein Einzelzimmer bekommen, eben weil ich rechtzeitig angekündigt hatte, dass mein Mann bleibt! Nun ja.

Ich hatte vor knapp einer Stunde die letzte Ladung Tabletten bekommen und war außer mir. Angespannt machte ich meinen Standpunkt klar: „Entweder mein Mann bleibt, oder ich gehe mit ihm!“ Und das hätte ich getan. Die Hebamme muss gemerkt haben, dass es mir ernst war, grummelte vor sich hin, gab uns zu verstehen, dass sie um die Uhrzeit kein Bett mehr auftreiben könne, und dass mein Mann es sich, wenn ich es ausdrücklich so wünsche, auf den Stühlen im Zimmer bequem machen solle.

Diese Nacht verbrachten wir zusammengekuschelt in einem kleinem Krankenbett. Am nächsten Morgen ließ ich mich sofort ausweisen. Diesen Zirkus wollte ich nicht haben. Da bin ich lieber zuhause und quäle mich nur mit der Hitze und lasse dem Kleinem seine Zeit, als dass ich mich in der Klinik vom Personal noch zusätzlich schikanieren lasse.

Zuhause war es traumhaft schön! Ruhe… ich musste zwar täglich zur Schwangerenberatung, um abchecken zu lassen, ob mit dem Kleinen alles in Ordnung war, aber das nahm ich in Kauf. In der Nacht vom 22. auf den 23. kündigten sich bei mir gegen 22 Uhr Wehen an. Ich ging super entspannt und gleichzeitig aufgeregt noch ein Bad nehmen. Telefonierte mit meiner Mutter, dann mit meinem Mann, dass es eventuell sein könne, dass er von der Nachtschicht eher kommen müsse, dann wieder mir meiner Mutter. Ich war mir so unsicher, waren das nun wirklich Wehen?

Nebenbei zog ich mich an, fütterte meine Hunde noch einmal in weiser Voraussicht, da sie wohl kein Frühstück bekommen würden, packte ein paar Sachen für den Kleinen ein und setzte Kaffee auf. Mein Mann war nach einem erneutem Anruf wegen stärkerer Wehen gegen 1 Uhr nach Hause gekommen und meine Eltern waren informiert und auf dem Weg zu uns, um uns ins Klinikum zu fahren.

Meine Wehen kamen alle drei Minuten, als meine Eltern angekommen waren. Wir fuhren los und waren, wenn ich mich recht erinnere, gegen 2:30 Uhr in der Klinik. Wie verhext: bis zu dem Moment, als wir vor der Entbindungsstation parkten, waren die Wehen erträglich, als ich jedoch meinen Fuß aus dem Auto setzte, dachte ich, es würde zu Ende gehen. Aber der Körper ist ein schlauer Organismus, wenn ein gewisser Schmerzpegel erreicht wird, setzt wohl ein Adrenalinschub ein!

Ich kam nach etlichen Vorbereitungen in den Kreißsaal und wurde von einer wunderbar netten Hebamme des Klinikums betreut. Eine Bitte auf eine PDA wurde zügig erhört, und weil ich wohl so viel Glück mit meinem Anästhesisten hatte und er laut Hebamme „recht großzügig“ was die Dosierung des Narkosemittels anging war, konnte ich noch bis 8 Uhr schmerzfrei schlafen.

Dieses Mal bekam mein Mann sein eigenes Bett neben meins geschoben. Ich habe nichts mehr mitbekommen, keine einzige Wehe… nichts! Gegen 10 Uhr war meine Hebamme zwischen unserem Rumgealber und Gelache (oh ja, ich war definitiv schmerzfrei!) der Meinung, dass ich doch nun endlich mal etwas tun müsse und versuchte das Ganze etwas anzuregen. Sie stach die bis dahin noch immer nicht geplatzte Fruchtblase an.

Die Hebamme konnte nur nach den Aussagen des Wehenschreibers gehen, da ich selbst nichts merkte. Sie beschloss gegen 10:30 Uhr, dass es nun mal Zeit wäre, mitzuwirken. Sie fasste mir auf den Bauch, fühlte die Wehen ab und gab mir zwei Mal das Kommando, zu pressen. Richard Constantin war nach zwei Wehen kerngesund um 10:34 Uhr angekommen!

Papa strahlte nur vor Glück, Meine Hebamme freute sich und betonte, dass sie dabei sein wolle, wenn ich nochmal entbinden würde. („Na das war ja mal eine tolle Geburt! Mit Ihnen bringe ich gerne noch mehr Kinder zur Welt!“). Ich konnte irgendwie nicht ganz begreifen, was da gerade vor sich gegangen war, da ich nichts gespürt habe, und nur nach den Geräuschen und den Gesichtern der Anderen gehen konnte, bis ich meinen Kleinen selbst gesehen habe und an mich drücken durfte!

Leider war ich stark gerissen und hatte noch lange mit der Wundheilung zu tun. Aber das ist bereits alles vergessen. Ich habe ambulant entbunden, und wir sind zu dritt am 23.07 um 18.00 Uhr nach Hause gekommen.

Glücklich, zufrieden, müde und um den größten Schatz der Erde bereichert: unseren kleinen Rico, der uns so lange in der Hitze des Sommers auf die Folter gespannt hatte, bis er selbst seine Neugier auf das schöne Leben nicht mehr zügeln konnte!

Bildnachweis: von privat

Lesen Sie auch:
Schreiben Sie uns auch Ihre Geburtsgeschichte! Jede veröffentlichte Geburtsgeschichte wird belohnt mit pädagogisch wertvollen Kinderbüchern, die dem Alter Ihres Kindes angepasst sind.

Sie entscheiden selbst, ob Sie anonym bleiben möchten oder Ihren vollen Namen angeben. Wenn Sie möchten, schicken sie gerne uns ein Foto Ihres Kindes mit.

 

1 Gedanke zu “Rico – schmerzfreie Geburt”

  1. Das freut mich! Ein schöner geburtsbericht! Doch eine schmerzfreie Geburt ist auch auf natürlichem Wege, also ohne PDA möglich! Das stichwort ist Hypnobirthing! 😉
    Ich hab letztes Jahr meinen Sohn so auf die Welt gebracht. Absolut Schmerzfrei. Und vollkommen Anwesend! 😉

Kommentare sind geschlossen.