Maja Jasmin – zu früh geboren

Plötzlich merkte ich, wie irgendetwas an meinen Beinen lang lief. Ich sagte zu meinen Freund: „Ich glaube, mir ist die Fruchtblase geplatzt!“ Doch dann sah ich: Es war nicht die Fruchtblase, es war Blut. Horror.

Meine Schwangerschaft war schon nicht leicht, es gab aufgrund meiner Herzkrankheit viele Komplikationen und unerwünschte Nebenwirkungen. Ich nahm deswegen unter anderem in der gesamten Schwangerschaft dreißig Kilo zu. Das waren zwar vor allem Wasserablagerungen, aber einfach war das nicht.

In der 31. Schwangerschaftswoche hatte ich meinen vierten Termin beim Frauenarzt. Und er war diesmal überhaupt nicht zufrieden mit mir. Mein Blutdruck war 180 zu 90 und dann hatte ich noch Eiweiß im Urin. Er sagte mir: „Frau W., ich glaube Ihre Schwangerschaft geht zu Ende.“ So ein Blödsinn, dachte ich noch. Bis zur 34. Schwangerschaftswoche schaffe ich es auch noch.

Als ich aus der Praxis raus kam, rief ich meinen Freund an und beschwerte mich über die Aussage des Arztes. Plötzlich merkte ich wie irgendetwas an meinen Beinen lang lief. Ich sagte zu meinen Freund: „Ich glaube, mir ist die Fruchtblase geplatzt!“ Schnell lief ich zu einer Toilette und sah das ganze Ausmaß der Katastrophe: Es war nicht die Fruchtblase, es war Blut. Horror. Nein! In Panik rief ich erneut bei meinen Freund an und sagte ihm, er müsse unbedingt in den Kreißsaal fahren, denn ich würde es jetzt auch tun. In einem Krankenwagen.

Im Krankenhaus bekam ich sofort die erste Lungenreifespritze, um auf der sicheren Seite zu sein. Am nächsten Tag um 12 Uhr bekam ich die zweite Spritze. Jetzt war unser Ziel Freitag um 12 Uhr, denn dann wirkte die Spritze.

Die Blutungen hatten aufgehört und ich kam auf eine ganz normale Schwangerenstation. Dort ging es mir richtig gut. Die Ärzte sprachen auch schon davon, mich am 27.08.2010 zu entlassen. Am Donnerstag, dem 26.08 bekam ich plötzlich wieder Blutungen. „Oh Menno, “ dachte ich. „Jetzt kann ich doch nicht nach Hause.“ Ich wurde wieder über Nacht in den Kreißsaal gebracht. Aber wieder alles ok und auch das Bluten hörte auf! Ich kam wieder auf die Station.

Am Freitag dem 27.08 bekam ich wieder starke Blutungen und schon wieder landete ich im Kreißsaal. Dann fing das Ganze an zu eskalieren. Ich bekam Wehen!

Hilfe, ich darf doch wegen meiner Herzerkrankung keine Wehenhemmer bekommen! „Bitte nicht“ dachte ich noch, aber die Wehen wurden immer stärker! Ich hätte nie gedacht, dass dies so schmerzhaft sein kann. Die Ärzte berieten sich sehr viel, da ich eine internistische Hochrisikopatientin bin, hatten die viel Angst Entscheidungen zu treffen. Der Professor der Dienst hatte, meinte ich könnte noch bis morgen früh aushalten. Bitte? Hallo? Ich hatte doch Schmerzen! Ich konnte nicht mehr und war total am Ende!

Die Nacht war der Horror. Alle zwei Minuten Wehen, aber der Muttermund war fest verschlossen. „Frau W. wir holen ihr Kind erst, wenn sich der Muttermund öffnet“. Ich betete, dass er sich öffnet, aber er tat es nicht. Am 28.08 am frühen Morgen berieten die Ärzte erneut, ob sie mich erlösen sollten und das kleine Mädchen zur Welt bringen sollten. Aber sie entschieden, dass vor dem nächsten Morgen nichts unternommen werden sollte.

Also noch einen ganzer Tag und eine ganze Nacht mit Wehen, die mittlerweile jede Minute kamen!? Oh je hoffentlich macht mein Herz mit! Aber gegen Mittag fing mein Herz an schneller zu werden und mein Wohlbefinden wurde immer schlechter. Ich war kaum noch bei mir! Ich glaube die Schmerzen brachten mich in eine Art Schockzustand, keine Ahnung. Ich wusste nur, dass ich keine Schmerzmittel bekommen durfte und wünschte mir nichts mehr, als dass sie doch bitte meine Kleine holen sollten!

Um 13 Uhr wurde ein Ultraschall gemacht dort sah die Ärztin, dass meine kleine Maus ihren Kopf in mein Becken presste, der Muttermund aber weiter verschlossen war. Um 14 Uhr kamen total viele Ärzte zu mir und meinten: „ Frau W., wir sehen keinen Sinn mehr die SS zu erhalten. In einer Stunde beginnen wir mit dem Kaiserschnitt. Aber auf  Grund ihrer Vorerkrankung darf ihr Mann nicht mit in den OP!“

Pünktlich um 15 Uhr wurde ich in den OP geschoben. Es war echt eine tolle Stimmung da drin. Ich fühlte mich echt sicher! Um 16:22 Uhr hörte ich meine Kleine schreien. Es war das schönste Gefühl überhaupt!

Der Kinderarzt zeigte sie mir nach der Erstversorgung kurz und meinte, dass sie ganz alleine atmet und keine Hilfe braucht. Ich war so erleichtert! Denn dass sie nicht selbst atmet war meine allergrößte Angst!

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Maja Jasmin kam also in der 33. Schwangerschaftswoche mit 1860 Gramm und 46 Zentimetern auf die Welt. Und sie ist unser ganzer Stolz!

Nach einer Woche auf der Intensivstation wurde sie auf die normale Säuglingsstation verlegt und seit dem 23.09 ist sie auch schon zu Hause.

Ich kann nur jedem sagen der schon weiß, dass es ein Frühchen wird: Kopf hoch, die Kleinen sind stärker als man denkt.

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