Luisa: Notkaiserschnitt

In der Klinik wurde per Ultraschall geguckt und ein Hämatom festgestellt. Dann sah man plötzlich eine starke Blutung – die Plazenta löste sich. Mit einem Mal wurden alle hektisch. Ich bekam eine Spritze, man sagte mir, die ist fürs Baby für die Lungenreife – ich war doch erst in der 32. SSW!

Ich war an einem Montag beim Internisten zur Blutentnahme um 8 Uhr, weil ich einen schlechten Schilddrüsenwert hatte, der eigentlich zwei Wochen später kontrolliert werden sollte. Ich war in der 32. Schwangerschaftswoche und hatte gerade erfahren, dass ich zu einer Schwangerenkur fahren durfte. Also konnte ich den Kontrolltermin nicht einhalten und ging vorher in die Praxis.

Da der Arzt ab Mittwoch Urlaub hatte, sollte ich die Blutprobe selbst ins Labor bringen. Ich ging also aus dem Zimmer mit der Probe in der Hand, mit einem Mal war mir, als hätte ich eingepinkelt. Gegenüber war gleich die Toilette, ich bin gleich rein, um zu schauen, was passiert war. Da war die Bescherung: alles voll Blut. Oh Schreck, dachte ich. Ich hatte den Toilettensitz und den Boden vollgetropft und begann, das wegzuwischen und zu überlegen, was ich jetzt machen sollte.

Ich zog die Hose halb wieder hoch und bin raus – keine Schwester am Empfang, dann kam aber gleich eine, die ich gebeten habe, mal mit auf die Toilette zu kommen. Ich zeigte ich ihr die Bescherung und stammelte was von „Mir ist schlecht. Was sollen wir machen? Ich glaube ich brauche einen Krankenwagen…“Sie ging raus und kam gleich mit einem Stapel Zellstoff wieder, den ich mir in die Hose stopfte, dann sind wir zusammen in eines der Arztzimmer gegangen, vorbei an den anderen Patienten, die bloß auf meine Hose starrten.

Dann legte ich mich auf eine Liege, bat die Ärztin noch, ob ich meine Mutter anrufen könnte, weil ich mir Sorgen um mein Auto machte, das auf einem 2-Stunden- frei Parkplatz stand. Dabei legte ich dann ganz schnell wieder auf, weil mir schwummrig wurde. Die Ärztin versuchte, mich bei Bewusstsein zu halten, was dann mit Sauerstoffzufuhr und einem Tropf gelang. Dann war auch schon der Krankenwagen und kurze Zeit später der Notarzt da. Inzwischen hatte ich vier (!) Zugänge im Arm.

Wegen der engen Treppe wurde ich auf einer Art Stuhl runtergetragen und dann in den Krankenwagen gelegt. Dann ging’s ins Krankenhaus. Dort wurde per Ultraschall geguckt und ein Hämatom festgestellt, was harmlos klang. Kurz danach guckte man nochmal und stellte eine starke Blutung fest, die Plazenta löste sich. Mit einem Mal wurden alle hektisch. Ich bekam eine Spritze, man sagte mir, die ist fürs Baby für die Reife der Lunge  – ich war doch erst in der 32. Schwangerschaftwoche!

Ich wurde von der Gynäkologie in den OP gefahren, alle rannten, ich hörte nur Notkaiserschnitt. Ich fing an zu heulen, weil keiner so richtig was sagte, und der Anästhesist sagte, ihm hätte ja gar keiner Bescheid gesagt und dann war ich auch schon weg. Als ich wieder aufwachte, drehte sich alles, ich konnte nicht gleich was sagen, aber die Schwestern bekamen es mit und sagten mir, dass alles in Ordnung ist mit dem Baby.

Später kam ich auf die Wochenstation, wo mein Mann und meine Mum und Schwester schon warten und alle ganz geschockt aussahen. Man fragte, wie die Kleine heißen sollte, ich wollte sie aber erst vorher sehen. Da bekam ich ein Foto in die Hand gedrückt mit einem Baby mit ganz vielen Schläuchen und Strippen von ganz nah fotografiert. Es sah ganz „normal“ aus. Leider konnte ich erst am nächsten Tag abends zu ihr, da musste ich erst mal weinen, wie klein und zart sie doch war. 44 cm und 1800 g…

~/link/46d1027e79c54e30a24c9e8d0ec297e8.jpg

Ich hatte ein bisschen viel Blut verloren und deshalb Kreislaufprobleme und ein Riesenpflaster auf dem Bauch. Die Schmerzen beim Aufstehen und Laufen waren auch fies, aber ich kämpfte, weil ich meine Tochter so oft es geht sehen wollte. Sie brauchte die Sauerstoffunterstützung schon sehr bald nicht mehr und nach drei Wochen kam sie ins Wärmebett mit fast 2000 g. Stillen kann ich sie auch, jedoch pumpe ich ab, da sie die Kraft noch nicht so hat zum Saugen und ich zuhause auch noch eine „Große“ habe, die mich auch ab und an braucht.

Ich besuche meine Kleine zweimal täglich zum Stillen und Baden und Kuscheln und hoffe, dass ich sie schon bald mit nach Hause nehmen kann.

Lesen Sie hier weitere Geburtsgeschichten von liliput-lounge.de Usern

Foto: Luisa (privat)
Schreiben Sie uns auch Ihre Geburtsgeschichte! Jede veröffentlichte Geburtsgeschichte wird belohnt mit pädagogisch wertvollen Kinderbüchern, die dem Alter Ihres Kindes angepasst sind.
Sie entscheiden selbst, ob Sie anonym bleiben möchten oder Ihren vollen Namen angeben. Wenn Sie möchten, schicken sie uns ein Foto Ihres Kindes mit.