Frieda – 8 Tage über Termin

Acht Tage war ich schon über den errechneten Termin. Das CTG zeigte mal wieder vereinzelte Wehen, aber so richtig tat sich da nichts. Man sagte mir, am zehnten Tag würde eingeleitet.
Das waren ja tolle Aussichten. Auch an diesem Abend stellten sich wieder leichte Kontraktionen ein, und als ich ins Bett ging hatte ich die leise Hoffnung, dass sie diesmal nicht im Schlaf vergehen würden. Und so war es auch. Gegen halb fünf wurde ich von stärker werdenden Kontraktionen geweckt, die so regelmäßig kamen, dass ich Bernd weckte, damit er die Intervalle stoppen konnte.
 
Die Beleghebamme hatte mir geraten, so lange wie möglich entspannt zu Hause zu bleiben und erst bei einem Wehenabstand von 4 Minuten ins Krankenhaus aufzubrechen. Drei Stunden später war es soweit und wir fuhren mit dem Taxi zum Klinikum. Das Autofahren war gar nicht angenehm und als wir über die Verkehrsberuhigungsschikanen auf dem Klinikgelände hoppelten, dachte ich, jetzt zerreißt es mich. Vielleicht ein kleiner Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte?
 
Bei der Aufnahmeuntersuchung stellte man fest, dass der Muttermund schon komplett geöffnet war, die Wehen kamen weiterhin regelmäßig im Abstand von einigen Minuten und so konnten wir gleich in den Kreißsaal gehen. Die erste Viertelstunde stand ich noch aufrecht und hielt mich lediglich in den Wehen am Tisch fest. Schnell wurden die Schmerzen zu heftig und ich war froh, mich hinlegen zu können. Von dem Bett bin ich auch nicht wieder aufgestanden, Hocker und sonstige Alternativen, die ich im Vorfeld in Erwägung gezogen hatte, schienen mir gar nicht mehr attraktiv.
 
Die nächsten Stunden lag ich auf der Seite, quetschte mit geschlossenen Augen die Hand von Bernd und veratmete so eine Wehe nach der anderen. Das ging erstaunlich gut und die Schmerzen ließen sich eine ganze Weile bändigen. Als die Kleine im Geburtskanal weiter runter wanderte wurde es für mich allerdings so schmerzhaft, dass die Hebamme mir über die Braunüle ein Schmerzmittel verabreichte. Danach konnte ich wie bisher die Wehen veratmen.
 
Ab und zu schaute mal einer von den vielen Klinikärzten rein, aber ich bekam davon nicht viel mit. Ich vertraute voll auf meine Hebamme, die sich mit den Ärzten abstimmte. Eine gefühlte halbe Ewigkeit später versammelten sich Oberarzt und Assistenzärztin bei mir am Bett. Ich sollte hecheln. Aha – also die Übergangsphase. Die war sehr kurz und gut zu bewältigen.
 
Dann sollte ich pressen, und das klappte anfangs leider gar nicht. Die Wehen waren weniger geworden und ich baute nicht genügend Druck auf. Erst mit einem Wehenmittel und dem Tip der Hebamme, einfach wie auf Toilette zu pressen, klappte es besser. Die Austreibungsphase war wirklich schmerzhaft und unangenehm, zum Glück war sie vergleichsweise kurz. Ich hatte allerdings jegliches Zeitgefühl verloren als der Oberarzt mir erklärte, er würde sich bei der nächsten Preßwehe auf meinen Bauch legen und das Kind von oben anschieben. Die Füße rechts und links auf die Hüften von Assistenzärztin und Hebamme gestützt preßte ich unser Baby halb heraus.
 
Bis zur finalen Wehe sollte ich hecheln und dann, beim nächsten Pressen, spürte ich die Zappelfüße zwischen den Schamlippen. Da wußte ich: jetzt ist es geschafft! Insgesamt war ich nur vier Stunden im Kreißsaal gewesen.
 
Cleo
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