Florian – Herztöne weg, Notkaiserschnitt

Noch eine Woche bis zum Geburtstermin. Den ganzen Tag fühlte ich mich unwohl, war nervös und zittrig und hatte Rückenschmerzen, die bis zum Bauch zogen…
Es wurde immer schlimmer und so versuchte ich erst mal zu schlafen, denn es war dann schon Abend, aber ich konnte nicht einschlafen. Ich habe richtig Panik bekommen, bis 6 Uhr morgens bin ich in unserer Wohnung herumgewandert und habe überlegt, was wohl auf mich zukommt. Ich legte mich kurz hin, aber das ging gar nicht und so lief ich weiter herum.  Schließlich ging ich in die Badewanne gegangen – trotzdem hatte ich hatte weiterhin starke Rückenschmerzen, Durchfall, Herzrasen und mir war speiübel.
 
Ich musste mich auch mehrmals übergeben, ich habe gehofft, daß es mir dann besser gehen würde und sich mein Körper entspannen würde, aber es half nichts. Ich bekam zu allem Überfluss auch noch Schüttelfrost dazu. Mein Mann rief dann im Krankenhaus an und da hieß es, wir sollen kommen.
Also fuhren wir die 16 km entfernte Klinik. Mir kam das ewig lange vor, denn ich konnte vor lauter Rückenschmerzen gar nicht richtig sitzen. Im Krankenhaus angekommen, kam ich in den Kreißsaal und dort wurde ich untersucht. Fazit: Der Muttermund erst 1 cm auf, keine Wehen, Herztöne gut. Meine Schmerzen waren  noch da, aber ab diesem Moment nahm mich keiner mehr ernst.  Denn keine Wehen, kein Kind und jeder dachte, ich würde simulieren. Naja, eine Erstgebährende halt.
 
Normalerweise bin ich nicht wehleidig, aber jetzt heulte ich regelrecht vor Schmerzen. Mein Blutdruck war auch hoch, aber da ja nichts war, sollten wir erst mal rumlaufen. Ich quälte mich also raus und wir liefen von Parkbank zu Parkbank, solche Schmerzen hatte ich. Als wir zurückkamen, hatte sich immer noch nichts getan. Ich war total frustriert, ich bettelte nach einem Schmerzmittel, aber ich bekam keines. Stattdessen ein Zimmer, aber ich konnte weder liegen noch sitzen.
 
Irgendwann wurde dann mein Rücken mit Franzbranntwein eingerieben, das brachte aber leider gar nichts. So verging der Tag. Abends wurde aber dann noch mit dem Chefarzt telefoniert, was sie denn mit mir tun sollten. Dann wurde mir gnädigerweise eine Schmerzinfusion gebracht, die wirkte sehr schnell und ich war endlich, nach endlosen Stunden, schmerzfrei.
 
Ich hatte die ganze Nacht über das CTG, das Blutdruckmessgerät und zwei Infusionen an mir dranhängen. So sollte ich mich ausruhen und schlafen, da morgen die Geburt eingeleitet werden würde. Aber ich konnte nicht schlafen, ich versuchte Kontakt zu meinem Baby aufzunehmen, aber er bewegte sich so gut wie gar nicht und wenn, dann nur ganz zart. Ich freute mich schon total auf morgen, denn da würde ich mein Baby bekommen, dachte ich jedenfalls, und die 8 ist eh meine Glückszahl.
 
Am 8. Mai wurde ich morgens in den Kreißsaal gebracht und da wurde mir ein Wehengel gelegt. Dann sollten wir wieder laufen, meine Schmerzen waren wieder da und auch nach Stunden tat sich nichts. Stattdessen ging es mir immer schlechter, der Blutdruckspitzenwert war 220/120 und als ich dann auf die Toilette ging, wurde ich ohnmächtig. Die Herztöne meines Babys waren auch fast nicht mehr da und so wurde entschieden – NOTKAISERSCHNITT.
 
Ich wurde in den OP gebracht und in Vollnarkose gelegt und um 19:10 Uhr war unser kleiner Florian Jannik da, nur 47 cm klein und 2605 g leicht. Er musst reanimiert werden und wurde dann sofort in den Inkubator gelegt und in die 50 km entfernte Kinderklinik auf die Intensivstation gebracht.
 
Auch ich wachte mitten in der Nacht auf der Intensivstation auf. Ein Arzt kam und eröffnete mir, dass es sehr knapp war für uns beide. Dass Florian reanimiert werden musste und nun zur besseren Bewachung in die Kinderklinik gebracht wurden war. Ihm ginge es den Umständen entsprechend gut. Aber was heißt das? Ich fühlte mich richtig mies. Ich vermisste mein Baby, ich wusste ja nicht mal, wie er aussah, denn als ich aufwachte, war er schon längst weg.
Nach fünf Tagen durfte ich auf die normale Neugeborenenstation und Florian wurde zu mir gebracht, das war der schönste Moment in meinem ganzen Leben.
 
Ich würde das alles wieder mitmachen, nur dafür wieder so ein tolles Kind zu bekommen, wie Florian es ist. Ich bin jeden Tag dankbar dafür, dass er keine Schäden davon getragen hat, denn so selbstverständlich war das nicht. Er ist jetzt knapp 21 Monate alt und quietschfidel. Mein kleiner Lausbub eben.
 
Bildnachweis: von privat, Andrea E.