Buchtipp: Bitterfotze

Sie ist 30 Jahre alt, Mutter eines 2-Jährigen und hat die Schnauze voll vom grauen Alltag. Sara aus Maria Svelands Roman „Bitterfotze“ reist alleine nach Teneriffa, um nachzudenken. Achtung: dieses Buch macht wütend. Wütend auf traditionelle Strukturen, Frauen, die sich alles gefallen lassen, und das Leben. Aber dieses Buch macht auch Mut:

Achtung: dieses Buch macht wütend. Wütend auf traditionelle Strukturen, Frauen, die sich alles gefallen lassen, und das Leben. Aber dieses Buch macht auch Mut: Am Ende ist die Heldin Sara mit ihrem zweiten Kind schwanger und hat sich vorgenommen, ihre Ehe fortzuführen. Sie will es fortan besser machen. Dass dies kein leichter Weg sein wird, ist ihr klar.

Wie konnte Sara in diese Lebenskrise geraten? Sie stammt, wie sie selber sagt, aus einer dysfunktionellen Familie (mit seelisch krank machenden Strukturen): der Vater aggressiv und dem Alkohol zugetan, die Mutter abhängig vom Ehemann und Kettenraucherin. Nach etlichen Liebschaften, die seltsam bedeutungslos daherkommen, trifft sie ihren Ehemann Johan. Dieser ist nach der Geburt vom kleinen Sigge ständig unterwegs und fühlt sich für das Baby nicht zuständig. Als Sara dann mit einer Brustentzündung ins Krankenhaus muss, liegt sie tagelang mit hohem Fieber im Bett – den Säugling hat Johan gegen ihren Willen nach Hause mitgenommen. Ihr bester Freund, ihr Seelengefährte, hat sie verraten. Von da an geht es mit der Beziehung bergab, und als Sigge zwei Jahre alt ist, reist Sara zum Entsetzen ihrer Umgebung für eine Woche alleine in den Süden.

Im Hotel hat Sara reichlich Gelegenheit, Paare mit und ohne Kinder im Umgang miteinander zu beobachten. Die anfängliche Bitterkeit, mit der sie die Menschen beäugt, weicht am Ende einem vorsichtigen Optimismus – vielleicht ist es doch möglich, ein Paar mit Kind zu sein und für sich selbst zu sorgen? „Ich werde nie wieder um Entschuldigung bitten, weil ich meine Seele besitzen will und mein Leben. Es fängt jetzt an. Ein Ende ist nicht in Sicht“. Mit diesen Worten entlässt die Autorin die Leserin zurück in ihr eigenes Leben.

Dass ausgerechnet eine junge Schwedin so an der Ungleichheit von Mann und Frau beinahe verzweifelt, hat mich gewundert. Diese Autorin lebt im laut WHO fortschrittlichsten Land der Erde, was die Gleichberechtigung angeht, und es haut sie nach der Geburt ihres ersten Kindes schier emotional um. Ihr Sohn ist gesund, liebenswert und Sara leidet nicht unter postnatalen Depressionen. Was ihr zu schaffen macht, ist die neue Rolle als Mutter. Was sollen wir deutschen Frauen denn da sagen? Oder ist der Schock hierzulande weniger groß, weil wir eh noch von der Gleichberechtigung träumen?

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Linktipp: Maria Sveland, Biterfotze, Kiwi Verlag 2009, ISBN 978-3-462-04083-8

 
Wie gleichberechtigt fühlen Sie sich in der Partnerschaft? Was hat sich nach der Geburt eines Kindes geändert?
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