Coca Cola und Co. senken Zuckergehalt in Softdrinks in Großbritannien

Ab April 2018 müssen in Großbritannien Hersteller von zuckerhaltigen Getränken eine „Zuckersteuer“ zahlen.  Auf Getränke mit mehr als 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter werden ca. 20 Cent pro Liter fällig.

Als Reaktion auf die angekündigten Abgaben änderten viele Hersteller, darunter der britische Marktführer Coca-Cola (Fanta, Sprite), Lucozade Ribena Suntory (Orangina) und Nestlé (San Pellegrino Limonaden) die Rezepturen für ihre Süßgetränke und senken allesamt den Zuckergehalt ihrer Getränke auf unter 5g Zucker/100ml.

In Deutschland enthalten die gleichen Getränke weiterhin viel Zucker. Zum Beispiel eine San Pellegrino Limonade: Hier liegt der Zuckergehalt in Deutschland zwischen 9,7 und 11,8g Zucker/100ml. In Großbritannien stecken ab sofort unter 5g/100ml in diesen Limonaden.

Auch Lidl und die britische Supermarktkette Tesco senken den Zuckergehalt bei ihren Eigenmarken und sind somit nicht von den neuen Abgaben betroffen.

Zuckersteuer: Coca-Cola und co. senken Zuckergehalt für Softdrinks in Großbritannien (© Getty Images)

Die Änderungen traten konsequenter und zügiger ein, als vorerst erwartet. Das britische Office for Budget Responsibility (OBR) – eine Abteilung des Finanzministeriums – rechnete 2016 noch mit 520 Millionen Pfund Steuereinnahmen für 2018-2019. Nun ist von 240 Millionen Pfund auszugehen – diese Einnahmen sollen für die Förderung des Schulsports und der Verbesserung des Schulessens ausgegeben werden.

Die Organisation foodwatch setzt sich dafür ein, ein solches Programm auch in Deutschland einzuführen. Denn Deutschland ist genauso wie Großbritannien von den Folgen von Adipositas (Fettleibigkeit) betroffen: Der Genuss hochzuckriger Getränke steht nachweislich in Verbindung mit Adipositas und Diabetes (Typ-2). Adipositas wird sogar als das am schnellsten wachsende Gesundheitsproblem der Welt betrachtet, das mitverantwortlich für Herzinfarkte und Schlaganfälle ist.

foodwatch begrüßt das Modell aus Großbritannien, kritisiert allerdings, dass der Zuckergehalt lediglich mit Süßstoff ersetzt wurde. “Rezepturänderungen sollten darauf abzielen, nicht nur den Gehalt von Zucker, sondern den Süßgeschmack insgesamt zu verringern, um der allgemeinen Süßgewöhnung bei Kindern und Jugendlichen entgegen zu wirken”, schreibt foodwatch. Sie empfehlen, in die Herstellerabgabe in Deutschland (wie übrigens in Frankreich) auch süßstoff-gesüßte Getränke mit einzubeziehen.

Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) fordert eine ähnliche Maßnahme auch für Deutschland, um den hohen Softdrink-Konsum zu senken. „Wir dürfen nicht weiter zusehen, wie durch überzuckerte Produkte die Gesundheit unserer Kinder gefährdet wird. Und das gilt nicht nur für Softdrinks“, sagt Kinder-und Jugendarzt PD Dr. med. Burkhard Rodeck, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.

Experten fordern, in Deutschland den Mehrwertsteuersatz für Softdrinks von 19 % auf 29 % anzuheben. Für ungesunde Produkte, wie Fertigpizzas sollte der Satz auf 19 % (statt der jetzigen 7 %) steigen. Im Gegenzug sollten dafür Obst und Gemüse (heute auch 7%) gänzlich von der Mehrwertsteuer befreit werden.

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