Mindestens 3 Stunden Bewegung und keine Bildschirmzeit für Kleinkinder

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat erstmals offizielle Empfehlungen vorgelegt, wie der Alltag kleiner Kinder aussehen sollte.

Austoben, im Gras rollen, gar keine oder nicht so viel Bildschirmzeit… da denken manche Eltern: Na ja, so war das bei uns, in den 90ern vielleicht. Heute ist das anders. Die WHO benennt solch einen Alltag nun zum Ideal für Kinder.

Der optimale Tag von unter Fünfjährigen ist nach WHO-Empfehlungen weitgehend frei von Bildschirmen aller Art. Frühestens mit zwei Jahren sollten Kinder Zugang zu Fernsehern und Smartphones bekommen. Und dann auch nur begrenzt auf maximal eine Stunde täglich.

Die WHO folgt mit ihren Grenzwerten unter anderem den nationalen Leitlinien, die kanadische Wissenschaftler vorgelegt haben. Diese hatten ihre Einschätzung vor allem damit begründet, dass die aufgemotzten, oft mit viel Aufwand auf Kindertauglichkeit getrimmten Programme der digitalen Medien weniger Lernerfahrungen bieten als „altmodische“ Bilderbücher oder Spiele.

Viel Bewegung!, empfiehlt die WHO für den Alltag von Babys und Kleinkindern. (Foto von Adobe Stpck / Halfpoint)

Auch die WHO-Richtlinie hält Puzzeln, Malen oder Geschichten-Lauschen für wertvoller als den Konsum elektronischer Medien. Grundsätzlich wollen die WHO-Experten jedoch jede Art von sitzender Tätigkeit begrenzen.


Autositze, Kinderwägen, Hochstühle und Tragetücher sollten nach Einschätzung der Behörde nie länger als eine Stunde benutzt werden. Denn hier wird die Bewegungsfreiheit stark eingegrenzt.

Über körperliche Bewegung sagt die WHO-Leitlinie: Je mehr, desto besser! Schon Babys sollten mindestens 30 Minuten ihrer wachen Zeit auf dem Bauch verbringen. Das fördert wahrscheinlich die motorische Entwicklung. Sobald sie sich vorwärts bewegen können, sollten sie dem Drang dazu möglichst häufig nachgeben dürfen.

Für alle Kinder über einem Jahr werden mindestens drei Stunden körperliche Aktivität pro Tag empfohlen. Darunter verstehen die Autoren alles zwischen normalem Laufen bis zum atemraubenden Rennen – ganz nach dem Motto: „sit less, play more“ (weniger Sitzen, mehr Spielen!).

Auch für den Schlaf liefern die Experten genaue Werte, an denen sich Eltern orientieren können. In den ersten drei Monaten sollten die Kleinen insgesamt 14 bis 17 Stunden täglich schlafen, in den folgenden neun Monaten zwölf bis 16 Stunden. Für Ein- und Zweijährige wird eine Bettruhe von elf bis 14 Stunden empfohlen, in den darauffolgenden zwei Jahren sind zehn bis 13 Stunden ausreichend.

Die Autoren begründen all diese Empfehlungen in erster Linie mit der Prävention von Übergewicht, die frühestmöglich beginnen sollte.

Eltern als Vorbild: viel Bewegung, wenig Bildschirmzeit. (Foto von Adobe Stock / mophoto)

Die Kombination aus viel Bewegung, wenig Bildschirmzeit und ausreichend Schlaf sei dabei erfolgversprechend. Es gebe beispielsweise Hinweise darauf, dass zu wenig Schlaf zu Trägheit und damit zu Übergewicht führen kann.

Berit Uhlmann von der Süddeutschen Zeitung kritisiert in ihrem Artikel: “Die Experten [haben] nicht wirklich berücksichtigt, wie akzeptabel und praktikabel ihre Empfehlungen für die vielen unterschiedlichen Eltern dieser Welt sind. Die Umsetzung der Richtwerte setzt sichere Umgebungen, adäquate klimatische Bedingungen und passende kulturelle Normen voraus. Sie braucht Zeit, Muße, Hartnäckigkeit, über die nicht jeder verfügt.”

Denn konkrete Tipps oder gesundheitspolitische Maßnahmen, die Eltern bei der Bewegungsförderung unterstützen könnten, nennen die Autoren und Autorinnen der neuen Leitlinie leider nicht.

Für viele Mamas und Papas ist der Fernseher oder das iPad starke Konkurrenz – auch die besten, wertvollsten Angebote, die sie sich ausdenken, können manchmal damit nicht mithalten. Aber – vielleicht sollten wir als Eltern regelmäßig mit gutem Beispiel vorangehen und auch mal wieder Rad statt Auto mit den Kids fahren und nicht dauernd mit den Augen am Smartphone-Bildschirm kleben, weil eine wichtige E-Mail eintrudelt. Leichter gesagt als getan – aber einen Versuch wert!

Die Empfehlungen (gekürzt) auf einen Blick:

Babys (unter 1 Jahr)

  • sollten mehrere Male am Tag aktiv sein und zwar in verschiedenen Positionen. Spiele auf dem Boden werden empfohlen. 30 Minuten auf dem Bauch liegen und bewegen werden als fördernd angebeben.
  • sollten weniger als eine Stunde sitzen (zum Beispiel im Kindersitz, Hochstuhl, Babywagen..) – und keine Bildschirmzeit!
  • 14-17 Stunden Schlaf (0–3 Monate) or 12–16 Stunden Schlaf (4–11 Monate) (kurze Nickerchen eingeschlossen)

Kinder (1-2 Jahre)

  • 3 Stunden Aktivität mindestens! Mehr ist mehr – unterschiedliche Spiele, Toben, Auspowern, zwischendurch auch ruhigere Spiele sind empfohlen.
  • Keine Bildschirmzeit für Einjährige – für Zweijährige nicht mehr als eine Stunde Bildschirmzeit. Die WHO empfiehlt: Weniger ist besser
  • 11-14 guter Schlaf (inklusive Nickerchen)

Kinder 3-4 Jahre

  • 3 Stunden Aktivität mindestens! Mehr ist mehr – unterschiedliche Spiele, Toben, Auspowern, zwischendurch auch ruhigere Spiele sind empfohlen
  • nicht mehr als eine Stunde Bildschirmzeit. Die WHO empfiehlt: Weniger ist besser
  • 10–13h guter Schlaf (inklusive Nickerchen)


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