Scheidungskinder: FDP will Wechselmodell als Regelfall

Die FDP möchte für Scheidungskinder ein „familienrechtliches Wechselmodell“ einführen, wonach Kinder gleich viel Zeit bei der Mutter und beim Vater verbringen.

Dieser Vorschlag wird nun im Bundestag kontrovers diskutiert. Vorerst sieht es danach aus, als würde der Vorstoß der FDP scheitern. Denn nach Bundesjustizministerin Katarina Barley hat sich auch Familienministerin Franziska Giffey (beide SPD) dazu geäußert. Beide sind gegen eine starre Regelung.

EDIT 21.02.2019; 11:55 Uhr – zum besseren Verständnis wurde das nachfolgende Zitat aus der Mitteillung der FDP eingefügt:

Die FDP schreibt in ihrer Pressemitteillung zu ihrem Vorstoß: „Falls die Eltern sich bei einer Trennung nicht über den gewöhnlichen Aufenthalt ihrer Kinder einigen können, so entscheidet ein Familiengericht. Wir sind der Ansicht, dass das Wechselmodell dem Kindeswohl besser Rechnung trägt und wollen daher, dass die Gerichte dieses künftig als Regelmodell anwenden.“

Das sogenannte Wechselmodell soll eine annähernd gleiche Aufteilung der Betreuung und Erziehung zwischen Mutter und Vater nach der Trennung und Scheidung ermöglichen. Zwei Lebensmittelpunkte werden so geschaffen – zum Beispiel zwei Wochen bei Mama, zwei Wochen bei Papa – und das immer im Wechsel. So kann ein Wechselmodell funktionieren. Das Wechselmodell kann auch im Wechsel von 1/3-2/3 stattfinden.


Familien einigen sich aber zum Beispiel auch weiterhin häufig auf ein Wochenendmodell – also dass es einen Lebensmittelpunkt bei Vater oder Mutter gibt, der an Wochenenden vom jeweiligen Ex-Partner erweitert wird und das Kind bei und mit demjenigen intensiv Zeit verbringt.

Jede Familie gestalte ihr Zusammenleben so, wie es für sie passe, sagte Giffeys Sprecherin Ulla Fiebig in der Augsburger Allgemeinen Zeitung. „Deshalb verbietet sich aus unserer Sicht für den Fall einer Trennung der Eltern eine einheitliche gesetzliche Regelung, wie das Leben danach gestaltet wird“, wird sie weiterzitiert.

  Scheidungskinder: Wechselmodell als Regelfall? (Foto von Adobe Stock / drx)

Es könne immer nur im Einzelfall entschieden werden, hieß es aus dem Familienministerium weiter. Giffeys SPD-Parteikollegin Barley hatte sich am Mittwoch in der ARD ganz ähnlich geäußert und ebenfalls die Individualität von Familien betont. Barley hat selbst nach ihrer Scheidung das Wechselmodell gelebt – dennoch müsse die Unterschiedlichkeit immer mitbedacht werden, wie sie sagt. Sie finde es richtig, dass es keinen gesetzlichen Regelfall gebe.

Im Mittelpunkt muss das Kindeswohl stehen
Doch wo sollen die Kinder leben, wenn die Eltern so zerstritten sind, dass sie nicht mehr unter einem Dach leben wollen? Die Sprecherin der Bundesfamilienministerin Giffey sagt hierauf: „Politik kann die Verletzungen einer Trennung nicht verhindern“. Aber sie könne „bessere Rahmenbedingungen für getrennte Eltern schaffen“. Im Mittelpunkt müsse immer das Kindeswohl stehen.

Hierzu soll eine Studie mehr verlässliche Informationen liefern. Die Studie „Kindeswohl und Umgangsrecht“ wird voraussichtlich im Laufe des Frühjahrs vorliegen, hieß es im Familienministerium.

2017 erzogen laut Statistischem Bundesamt knapp 1,6 Millionen Mütter und Väter mindestens ein Kind unter 18 Jahren alleine. Die Zahl der alleinerziehenden Männer lag dabei mit 190.000 sehr deutlich unter dem Anteil der alleinerziehenden Frauen – der mit rund 1,4 Millionen stark dominiert.

„Getrennt gemeinsam Erziehen gewinnt aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen immer mehr an Bedeutung“, stellt die FDP fest. Und: „Die Politik muss mit gesetzlichen Rahmenbedingungen Eltern in ihrem Wunsch unterstützen, die gemeinsame Verantwortung für Kinder auch nach der Trennung beizubehalten.“ Das Wechselmodell werde diesem Anliegen gerecht.

Giffey aber baut auf gesunden Menschenverstand. Für die meisten Kinder sei es doch „am besten, auch nach einer Trennung der Eltern guten und regelmäßigen Kontakt zu beiden Elternteilen zu behalten.“

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