Studie: Warum Neugeborene leichter an Infektionen erkranken

Neue Erkenntnisse amerikanischer Mediziner: Neugeborene sind vermutlich anfälliger für Infektionen, weil bei ihnen in den ersten Lebensmonaten die Immunabwehr aktiv unterdrückt wird, um die notwendige Besiedlung des Darms durch Bakterien zu ermöglichen. Bisher ging man davon aus, dass ihr Immunsystem noch nicht ausgereift genug sei.

Neugeborene erkranken scheinbar leichter an Infektionen, da ihr Körper in den ersten Lebenswochen die eigene Immunabwehr unterdrückt, um die Besiedlung des Darms mit nützlichen Bakterien zu ermöglichen. Zu diesem Ergebnis kommen nun amerikanische Mediziner.

Unter dem Titel „Immunosuppressive CD71+ erythroid cells compromise neonatal host defence against infection“ haben sie ihre Studie kürzlich im Fachjournal „Nature“ (doi:10.1038/nature12675) veröffentlicht.

Hausgeburt: doch weniger riskant? (© Thinkstock)
Studie: Neugeborene erkranken leichter an Infektionen, da Immunabwehr unterdrückt wird (© Thinkstock)

Bisher ist man davon ausgegangen, dass Neugeborene anfälliger für Infektionen sind, da ihr Immunsystem noch nicht ausgereift sei. In einer neuen Studie hingegen haben amerikanische Mediziner Untersuchungen an Blutzellen von Mäusen und Menschen vorgenommen. Nach Ansicht der Forscher wird die Immunabwehr der Neugeborenen aktiv unterdrückt, um die notwendige Besiedlung des Darms durch Bakterien zu ermöglichen, die wiederum der Gesundheit des Menschen dienen.

Die Wissenschaftler konnten im Nabelschnurblut sogenannte CD71-Zellen nachweisen. Diese seien für die Hemmung der Immunabwehr verantwortlich. Da in den ersten Tagen nach der Geburt erste Bakterien in den bisher sterilen Darm des Kindes gelangen und so der Aufbau einer Mischpopulation von Darmkeimen beginnt, die lebenslang bestehen bleibt, darf das Immunsystem diese lebenswichtigen Eindringlinge nicht bekämpfen. Daher vermuten die Wissenschaftler, dass die Immunabwehr vorübergehend unterdrückt wird, bis sie gelernt habe, die Mikroben zu tolerieren.

Der so erzielte Nutzen sei offenbar größer als die damit verbundene Gefährdung durch eine geschwächte Abwehr von Krankheitserregern in der frühen Lebensphase, betonen die Studienautoren. In folgenden Forschungsarbeiten sollen neue Verfahren entwickelt werden, um Neugeborene besser vor Infektionen zu schützen, ohne jedoch die normale Besiedlung ihres Darms mit nützlichen Bakterien zu verhindern.