Studie: Thyroxin-Mangel in der Frühschwangerschaft mit Autismus assoziiert

Kinder tragen ein vielfach höheres Autismus-Risiko, wenn die Mutter während der Frühschwangerschaft einen schweren Thyroxin-Mangel aufweist. Dies ist das Ergebnis einer Langzeitstudie niederländischer und US-amerikanischer Neurologen.

Mangelt es Schwangeren im ersten bis zweiten Trimester deutlich am Schilddrüsenhormon Thyroxin, besteht ein erhöhtes Autismus-Risiko für das Ungeborene. Zu diesem Ergebnis kommen niederländische und US-amerikanische Neurologen. Ihre Studie haben die Wissenschaftler unter dem Titel „Association of gestational maternal hypothyroxinemia and increased autism risk“ in der Fachzeitschrift „Annals of Neurology“ veröffentlicht (2013; DOI: 10.1002/ana.23976).

Thyroxin-Mangel in der Frühschwangerschaft mit Autismus assoziiert (© Thinkstock)
Thyroxin-Mangel in der Frühschwangerschaft mit Autismus assoziiert (© Thinkstock)

Für ihre Langzeituntersuchung testeten die Mediziner Gustavo Román vom Weill Cornell College of Medicine (New York) und seine Kollegen die Schilddrüsenfunktion von 5.100 werdenden Müttern, die in den Jahren 2002 bis 2006 an der Rotterdamer Generation-R-Studie teilgenommen hatten. Die Thyroxin-Tests wurden jeweils zwischen der 6. und 18. Schwangerschaftswoche durchgeführt.

Sechs Jahre später befragten die Neurologen jene Eltern zu emotionalen Symptomen und Verhaltensstörungen ihrer Kinder. Dafür verwendeten sie speziell konzipierte Fragebögen, um Autismus-typische emotionale Symptome sowie Verhaltenssymptome aufzudecken. Bei rund 2 Prozent der Kinder zeigten sich markante typische Symptome, die mit Autismus assoziiert werden können.

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Nach anschließender Auswertung der gesamten Daten zeigte sich, dass sich das Risiko für späteres autistischen Verhalten des Kindes um das Vierfache erhöht, wenn die Mutter während der frühen Schwangerschaft unter schwerer Hypothyroxinämie (Thyroxin-Mangel) leidet.

Bei Thyroxin handelt es sich um ein lebenswichtiges Schilddrüsenhormon, das essentiell für den Energiestoffwechsel ist und im Zusammenspiel mit anderen Hormonen wie z. B. Insulin, Glukagon oder Adrenalin wirkt.

Román und seine Kollegen vermuten, dass der Mangel an Thyroxin Prozesse unterbricht, die mit der Neuronenmigration in Gehirn und Kleinhirn des Ungeborenen einhergehen. Dass eine manifeste Hypothyreose (d.h. dauerhafte Unterversorgung mit Thyroxin) der Schwangeren die kognitive Entwicklung des Kindes beeinflusst, ist bereits länger bekannt.

Zwar stellt die jetzt nachgewiesene Assoziation von Thyroxin-Mangel und erhöhtem Autismus-Risiko kein eindeutiges Ursache-Wirkungs-Verhältnis sicher, jedoch ermögliche es präventive Maßnahmen, betonen die Studienautoren.

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