Studie: Stress hinterlässt Spuren im Gehirn ungeborener Babys

Stress in der Schwangerschaft stellt ein Risikofaktor für spätere Depressionen und andere Krankheiten des noch Ungeborenen dar. Zu diesem Ergebnis kommen Jenaer Wissenschaftler bei ihrer Forschung zum Schlaf des Ungeborenen im Mutterleib.

Neue Erkenntnisse der Schlafforschung: Stress während der Schwangerschaft gilt als Risikofaktor für spätere Depressionen und andere Krankheiten des Kindes, denn die Stresshormone können im Gehirn des Ungeborenen Spuren hinterlassen. Zu diesem Ergebnis kommen Prof. Dr. Matthias Schwab und seine Kollegen der Hans-Berger-Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Jena, die in ihrer Studie den Schlaf Ungeborener im Mutterleib genauer untersucht haben.

Ihre neuen Erkenntnisse zum Schlaf im Mutterleib haben die Wissenschaftler vor kurzem auf der 21. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) e. V. in Wiesbaden vorgestellt.

Babybild im Bauch
Ultraschallbild vom Baby (Symbolfoto: © Panthermedia Giovanni Gagliardi)

Für ihre Schlafforschung nun verwendeten die Jenaer Wissenschaftler Tiermodelle wie das fetale Schaf. Da Trächtigkeit und Hirnentwicklung beim Schaf ähnlich wie beim Menschen verlaufen, ließ sich auf diese Weise die Hirnaktivität per EEG im Mutterleib besser untersuchen, um so die Entwicklung des Traumschlafes nachvollziehen zu können.

Zur Schlafforschung beim Ungeborenen: Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen erholt sich das menschliche Gehirn im Tiefschlaf, während es im Traumschlaf aktiver ist als im Wachsein. Zur Geburt des Babys besteht der Schlaf etwa zur Hälfte aus Traumschlaf und zur Hälfte aus Tiefschlaf. Wichtig ist dabei der große Anteil des Traumschlafs, der eine bedeutende Rolle für die Hirnentwicklung hat.

Da sich der Schlaf beim Menschen nun zwischen der 28. und 36. Schwangerschaftswoche aus einem Zustand unreifer Hirnaktivität entwickelt, wurde den Schafen während der Studie in genau diesem Stadium synthetische Präparate verabreicht, die auch Schwangere bei drohenden Frühgeburten erhalten würden und die eine schnellere Reifung der Lunge veranlassen, um die Überlebenschancen von Frühchen zu erhöhen.

Das Ergebnis: Verabreichte Stresshormone bewirkten neben der schnelleren Reifung der Lunge auch eine frühzeitige Reifung der Hirnstrukturen. Dies zeigte sich an der Entwicklung des Traumschlafs, der sich viel früher und schneller als normal entwickelte. Darüber hinaus kam es zu kürzeren Abständen zwischen den Schlafstadien Tief- und Traumschlaf (REM). Diese häufigen Schlafstadienwechsel sind wiederum ein typisches Zeichen einer Depression, sodass Stress während der Schwangerschaft als ein wesentlicher Risikofaktor für die spätere Entwicklung von Depressionen aber auch andere Krankheiten im Leben sein gesehen werde kann.

Die Wissenschaftler haben in ihrer Studie zum Schlaf von Ungeborenen im Mutterleib weitere interessante Entdeckungen gemacht, die Interessierte hier nachlesen können.