Stiefkind-Adoption künftig auch für unverheiratete Paare möglich

Eine Adoption von Stiefkindern ist bisher nur möglich, wenn die Partner verheiratet sind. Nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts soll sich das ändern. Die bisherige Regelung wird reformiert.

Künftig sollen auch Menschen in einer nicht-ehelichen Beziehung die Kinder ihres Partners adoptieren können. Wie jetzt bekannt wurde, hat das Bundesverfassungsgericht schon Ende März in diesem Sinne entschieden.

Die Richter in Karlsruhe erklärten die bisherige Regelung, wonach die Adoption von Stiefkindern nur mit Trauschein möglich ist, für verfassungswidrig. Sie sei nicht mit dem allgemeinen Gleichbehandlungsgebot vereinbar. In einer stabilen nicht-ehelichen Beziehung müsse es möglich sein, die Kinder des Partners zu adoptieren. Das sei im Sinne des Kindeswohls – und zeitgemäß.

Bis 31. März 2020 solle die Regierung nun eine entsprechende Reform auf den Weg bringen.

Die Adoption für Stief-Kinder soll künftig auch für Paare möglich sein, die nicht verheiratet sind (© Getty Images)

Hintergrund ist die Klage (Aktenzeichen: 1 BvR 673/17) einer Mutter. Der leibliche Vater ihrer beiden Kinder ist gestorben. Sie ging im Laufe der nachfolgenden Zeit eine neue Beziehung ein, die zum Zeitpunkt der Rechtssprechung schon zehn Jahre hielt. Sie wollte aber nicht wieder heiraten, weil sie dann den Anspruch auf die Witwenrente verlieren würde, die nach ihren Angaben ein wesentlicher Teil ihrer Existenzgrundlage ist. Ihr Partner konnte die Kinder nicht adoptieren und damit der rechtliche Vater der Kinder werden – bis jetzt.


Nach bisherigem Recht ist eine Stiefkind-Adoption nur in einer Ehe möglich. Damit soll versichert werden, dass die adoptierenden Eltern in einer stabilen und festen Beziehung leben. Jedoch argumentierte das Gericht nun: entscheidend für das Gelingen einer Adoption ist nicht der Trauschein, sondern die Stabilität der Beziehung.

Das Bundesverfassungsgericht erklärte dazu, die nicht-eheliche Familie habe sich „mehr und mehr als weitere Familienform neben der ehelichen Familie etabliert“. Daher müsse die Adoption von Stiefkindern auch in stabilen nicht-ehelichen Partnerschaften möglich sein. Ein Kriterium könne aus Sicht der Verfassungsrichter beispielsweise die bisherige Beziehungsdauer sein.

Wie genau die Kriterien zur Beurteilung aussehen könnten, muss nun die Bundesregierung entscheiden und entsprechend auf den Weg bringen.

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