Spielzeug-Dolch in Micky Maus Heft sorgt für Empörung

Was als heldenhaftes Extra der neuen Micky Maus Zeitschrift gemeint war, sorgt unter Eltern und Polizei für Aufregung: ein Plastik-Dolch entfacht Diskussionen darüber, ob Waffen als Spielzeug heute noch zeitgemäß sind oder verboten werden sollten.

Am Kiosk mit den Kids einfach nur schnell ein Magazin kaufen, das klappt oft genug nicht. Entweder werden die Schokoriegel und Brausedrops einer genauen Untersuchung unterzogen („Mama, bitte, die kenne ich noch nicht“) oder die Kinderzeitschriften mit ihren Extras werden mit strahlenden Augen mit zur Kasse gebracht, um sie „nur mal zu zeigen“ – gehofft wird natürlich, das Extra und die Zeitschrift zu bekommen. Taschenlampe, Skelettanhänger, Fingerabdruckset… Verlockungen gibt es haufenweise.

Die Verlage lassen sich jede Woche aufs Neue etwas einfallen, um ihre jungen Käufer zu überzeugen. Für Aufregung und Diskussionen unter Eltern und Medien sorgt derzeit ein Plastik-Spielzeug-Dolch, der als Extra im aktuellen Micky Maus Heft beiliegt.

Über die Kante des Magazins ragt die Klinge des Plastikdolchs – mit Sound „Wusch-Wusch“ (Foto: sparbaby)

Der „Ninja-Dolch“ erinnert an ein Kampfmesser, das bei realen Überfällen zum Einsatz kommen könnte. Der Kölner Polizeipräsident Uwe Jacob kritisierte die Messer-Beilage gegenüber dem Kölner Express: „Ich habe überhaupt kein Verständnis für dieses ‚Spielzeug‘ und diesen Kommerz“.

Gerade in letzter Zeit hatten Messerangriffe an Schulen für Aufsehen gesorgt – einfach schlechtes Timing, ein solches Extra erscheinen zu lassen? „Kindern solches Spielzeug in die Hand zu geben verbietet sich von allein, aber besonders in der heutigen Zeit“, sagt Regine Schwarzhoff vom Elternverein NRW.

Der Egmont-Ehapa-Verlag, bei dem das Heft erscheint, bekundete unterdessen sein Bedauern, dass das Plastikmesser für solch eine Aufregung sorgte. Das Kinderspielzeug sei in einem falschen Kontext verstanden worden:

„Nichts steht unserem Unternehmen ferner als Gewaltverherrlichung oder Unangemessenheit in jedweder Form gegenüber unserer jungen Zielgruppe. Dafür stehen wir mit unserer Sorgfalt und unseren Werten seit mehr als 65 Jahren“, heißt es in einem Statement des Verlags, der auch Comics wie Asterix und Lucky Luke veröffentlicht.

Im Netz reagieren manche Eltern empört:

Andere verstehen die Aufregung um das Extra nicht – sie vertreten die Meinung, Kinder spielen einfach gerne Rollenspiele, ohne böswillige Hintergedanken. Auch wird Verwunderung ausgedrückt, was gerade an diesem Gadget so aufregend sein soll.

Neu sind Spielzeugwaffen aller Art tatsächlich nicht und das Mickey-Maus-Heft ist auch kein Einzelfall – allein in diesem Monat werben zum Beispiel auch das Power-Magazin mit dem „Power-Dolch“ und das Yakari-Heft mit einem „Bowie-Messer“.

Auslage im Kiosk: viele Verlockungen für Kinder (Foto: sparbaby)

Was Experten dazu meinen, ob Waffen als Spielzeuge einen schädlichen Einfluss auf Kinder haben können oder zur kindlichen Entwicklung dazugehören, lest ihr in unserem Artikel: „Sind Spielzeugwaffen für Kinder ok oder sollten wir sie verbieten?„.

1 Gedanke zu “Spielzeug-Dolch in Micky Maus Heft sorgt für Empörung”

  1. Ich verweise einfach mal auf Ihren anderen Artikel mit dem Titel „Sind Spielzeugwaffen für Kinder ok oder sollten wir sie verbieten?“.

    Die dort gegebene Antwort: „Kinderpsychologen haben darauf eine klare Antwort und die heißt: Nein, denn das Spiel mit Waffen gehört zur kindlichen Entwicklung dazu. Dadurch erlernt der Nachwuchs die Unterscheidung zwischen Gut und Böse und den Umgang mit Macht. Vielmehr würden Eltern das Problem erfinden. Tatsächlich denken nur Erwachsene an Kindersoldaten, Krieg und Gewalt. Kinder können zwischen Spiel und Realität unterscheiden, so Kinderpsychologe Holger Simonszent.“

    Damit wäre eigentlich schon alles zur Causa „Micky Maus Ninja Dolch“ gesagt. Warum ein Sprecher der Polizei das kommentieren muss, erschließt sich mir allerdings nicht. Normalerweise dachte ich, dass die Aufgabe der Polizei die Verbrechensbekämpfung und nicht die Erteilung von pädagogischen Ratschlägen zu Spielzeugauswahl wäre.
    So täuschend echt, dass er als sogenannte „Anscheinswaffe“ gilt, sieht dieser Plastikdolch ja wohl nicht aus.

    Wir leben schon in hysterischen Zeiten, wenn so ein Spielzeug derartige Aufregung auslösen kann.
    Meine Tochter bekommt alle Holzschwerter, Spielzeugpistolen und Plastikdolche, die sie haben will.

    Wem dieses Gimmick nicht gefällt, braucht es seinem Kind halt nicht zu kaufen.

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