Werbung macht unsere Kinder dick

Eine australische Studie belegt, dass Kinder, die vorher Werbung für Snacks gesehen haben, mehr essen. Experten fordern eine Ampelkennzeichnung.

15,4 % der Kinder und Jugendlichen sind laut KiGGS-Studie (2018) zwischen drei und 17 Jahren übergewichtig – 5,9 % sogar adipös. Das bedeutet, dass jedes siebte Kind in dieser Altersspanne bereits übergewichtig ist. Diese Zahlen sind nichts Neues – schon vor 11 Jahren, im Jahr 2007, wurden in der KiGGS-Studie ganz ähnliche Zahlen veröffentlicht (15% übergewichtige Kinder und Jugendliche).

Eine aktuelle Studie aus Australien zeigt, dass Kinder schon durch kurze Werbeeinwirkung nachweislich mehr Kalorien pro Tag zu sich nehmen. „Die Politik muss endlich Kinder vor dieser gesundheitsschädlichen Beeinflussung schützen“, sagt DANK (Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten) – Sprecherin Barbara Bitzer.

In dem Experiment der Universitäten Sydney, Liverpool und Wollongong wurden 160 Kinder eines Feriencamps zufällig in vier Gruppen eingeteilt. Gruppe 1 sah täglich einen 10-minütigen Film mit Werbeunterbrechungen für ungesunde Produkte wie Frühstücksflocken, ein Burger-Menü oder Schokoladencreme. Gruppe 2 spielte zusätzlich noch ein kurzes Computerspiel mit ähnlicher Werbung. Gruppe 3 und 4 erhielten dieselbe Intervention, sahen aber Werbung für andere Produkte (Non-Food). Gemessen wurde dann, wie viel die Kinder bei Frühstück und Mittag sowie in einer Snackpause direkt nach dem Film oder dem PC-Spiel essen.

Immer mehr dicke Kinder: WHO fordert weniger Werbung für Junkfood und Süßes (© Getty Images)
Immer mehr dicke Kinder: Eine australische Studie untersuchte den Zusammenhang von Werbung und vermehrter Kalorienaufnahme bei Kindern (© Getty Images)

Das Ergebnis ist alarmierend. Kinder, die in TV und Computerspiel Werbung für ungesunde Snacks sahen, aßen am Tag durchschnittlich 46 kcal mehr als die Kinder der beiden Kontrollgruppen. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei bereits übergewichtigen Kindern – sie aßen sogar 95 kcal mehr. Dabei wurden nicht einmal die beworbenen Produkte im Feriencamp zubereitet – die Werbung verführte die Kinder generell dazu, mehr zu essen. Bietet man nun genau den beworbenen Snack an, ist das Ergebnis noch eindeutiger. Das belegt eine Studie aus den USA mit 60 Vorschulkindern aus dem Jahr 2016. Kinder nahmen dann satte 30% mehr Kalorien zu sich.

Werbung

„Wissenschaftlich ist hinreichend erwiesen, wie schädlich Snack-Werbung für Kinder ist“, sagt Prof. Dr. med. Hans Hauner, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Diabetes Stiftung, „es ist deshalb nicht zu erklären, dass wir das als Gesellschaft immer noch zulassen.“ Die DANK fordert die Bundesregierung auf, Werbung für ungesunde Produkte für Kinder generell zu verbieten.
Denn der Lebensmittelkonsum kann durch verständlichere Informationen zu Nährwerten und Inhaltsstoffen auch positiv beeinflusst werden. Die Experten begrüßen die Ankündigung des Herstellers Danone, ab dem kommenden Jahr eine fünfstufiges Ampelsystem für ihre Produkte auch in Deutschland einzuführen. Bitzer ergänzt hierzu „Verbraucher haben das Recht auf verständlichere Informationen – dann treffen sie auch gesündere Kaufentscheidungen.“ Die DANK fordert daher ein verpflichtendes Ampelsystem in Deutschland.

Ein Verbot von an Kinder gerichtetes Marketing für ‘Dickmacher’, also hochkalorische und zuckrige oder stark salzige Produkte, wird seit langem von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen. Auch Star-Koch Jamie Oliver setzt sich genau hierfür ein.

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