Retortenkinder können Eltern werden: Louise Brown zeigt Kinder

Louise Brown war das erste „künstlich“ gezeugte Kind. Heute ist sie stolz auf den Mut ihrer Eltern – und beweist, dass viele Vorurteile nicht stimmen.

Die Geburt von  Louise Brown (heute 35) war eine medizinische Sensation. Denn die kleine Engländerin war 1978 das erste „Retortenbaby“, das erste Kind, das in einer Petrischale gezeugt wurde.  Neun Jahre lang hatten Lesley und John Brown vergeblich versucht, Eltern zu werden. Das Paar schrieb mit seiner Entscheidung für die erste sogenannte In-vitro-Fertilisation ( IVF) Medizingeschichte. Die  Töchter Louise und Natalie setzten nun  ein öffentliches Zeichen der Dankbarkeit für den Mut ihrer Eltern. Die beiden, die als sehr zurückhalten gelten und sich ungern in der Presse zeigen, pflanzten öffentlich einen Baum in Gedenken an ihre Eltern auf dem Gelände ihrer Geburts- und Zeugungsklinik Bourne Hall.

Louise und Natalie mit ihren sechs Kindern (c) Bourn Hall Klinik
Louise und Natalie mit ihren sechs Kindern (c) Bourn Hall Klinik

Die Schwester kamen nicht allein – und setzten auch damit ein besonderes Zeichen. Sie brachten ihre sechs Kinder mit. Viele Kritiker befürchteten, dass Kinder, die in einer künstlichen Befruchtung gezeugt wurden, selbst unfruchtbar seien. Die Brown-Schwestern haben eindeutig bewiesen, dass das nicht stimmt. Denn auch Louises jüngere Schwester Natalie, geboren 1981, wurde per IVF gezeugt. Die mittlerweile vierfache Mutter war das erste IVF-Kind, das 1999 selbst ein Kind bekam. Louise Brown bekam ihr erstes Kind 2007 und wurde 2013 zum zweiten Mal Mutter. Auch Natalie bekam 2013 ihr jüngstes Kind.

Die Schwestern Louise und Natalie mit ihren jüngsten Kindern (c) Bourne Hall Klinik
Die Schwestern Louise und Natalie mit ihren jüngsten Kindern (c) Bourne Hall Klinik

Louise Brown betonte, dass der größte Traum ihrer Mutter, die im letzten Jahr verstarb, in Erfüllung gegangen sei. Sie träumte von eine Familie und war nicht nur auf ihre Kinder, sondern auch auf ihre Enkelkinder besonders stolz. „Als ich geboren wurde, sagte viele, das sei ein Eingriff in die Natur, den man nicht hätte machen sollen.  Aber es hat funktioniert und ich denke, dass es so sein sollte. Meine Mutter brauchte eine IVF um mich zu bekommen, aber ich brauchte das bei meinen Söhnen nicht. Es ist einfach nur eine kleines wenig andere Art, das Leben zu beginnen, ansonsten ist da kein Unterschied.“  Der etwas andere Lebensbeginn ist heute keine Ausnahme mehr. Der europäische Verband der Reproduktionsmediziner schätzt laut dem Deutschen Ärzteblatt, dass seit Juli 1978, als Louise Brown geboren wurde, weltweit 5 Millionen Kinder dank der  Hilfe assistierter Reproduktionstechniken (ART) geboren wurden.