Reden Kleinkinder wenig, müssen sie nicht immer zum Logopäden

Einige Kleinkinder sind nicht so redselig wie ihre Altersgenossen. US-Wissenschaftler stellten nun fest, dass sprachfaule Kleinkinder nicht in ihren Sprachfähigkeiten hinterherhinken, sondern meist nur schüchterner sind als andere.

Kleinkinder, die wenig reden, hängen nicht immer ihrer Sprachentwicklung hinterher. US- Wissenschaftler fanden in ihrer neuesten Studie heraus, dass sprachfaule Kinder meist schüchterner sind. Ihre Sprachfähigkeiten sind meist genauso gut wie die der redefreudigeren Altergenossen.

Ihre neuesten Ergebnisse zur Sprachentwicklung bei Kindern haben Ashley Smith Watts von der University of Colorado (Boulder) und ihre Kollegen vor kurzem im Fachmagazin „Child Development“ veröffentlicht (DOI: 10.1111/cdev.12219).

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Sprachentwicklung: Maulfaule Kleinkinder sind manchmal nur schüchtern (Foto: Thinkstock, Symbolfoto)

Viele Eltern machen sich Sorgen und befürchten ihr Kind könnte in seiner Entwicklung zurückhängen, wenn es weniger redet als seine Altersgenossen. Woran dies liegen könnte, haben US-Wissenschaftlerin Ashley Smith Watts und ihre Kollegen genauer untersucht.

Für ihre Studie testeten sie wie ängstlich und schüchtern ihre 816 kleinen Studienteilnehmer sind. Anschließend wurden deren Eltern um eine persönliche Einschätzung gebeten. Des Weiteren führten sie mit allen Kindern im Alter von 14, 20 und 24 Monaten einen Sprachtest durch.

Im Sprachtest forderten die Forscher beispielsweise die kleinen Probanden auf, Laute und Wörter nachzuahmen oder Fragen zu beantworten oder stellten ihnen konkrete Aufgaben, um zu ermittelten, wie gut sie Sprache verstanden.

Das Ergebnis: Die zurückhaltenden Kinder verstanden im Sprachtest genauso viel wie ihre kontaktfreudigeren Altersgenossen, aber sie antworteten nur einfach nicht gerne. Besonders die Mädchen neigten hier zur Schüchternheit, obwohl sie in der Sprachentwicklung den Jungen sogar voraus waren.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Verhaltenshemmungen wie Schüchternheit nicht den Spracherwerb als solches behindern, sondern sich stattdessen speziell darauf auswirken, wie sich Kleinkinder mit Worten ausdrücken“, sagt Smith Watts.

Für Eltern bedeutet dies schlechthin, dass ein Besuch beim Logopäden meist nicht nötig ist. Vielmehr betonen die Wissenschaftler, dass schüchterne Kinder von Interventionen profitieren könnten, die ihr Selbstbewusstsein, ihre soziale Kompetenz und Autonomie fördern.