Nicht alle Kinder brauchen Mittagsschlaf

Der Nachwuchs will Abends nicht einschlafen? Das könnte an der Mittagsruhe liegen. Denn die Ergebnisse einer aktuellen Studie sind für Eltern interessant – ein Nickerchen am Mittag ist nicht für jedes Kind geeignet.

Der Mittagsschlaf ist in vielen Familien und Kindertageseinrichtungen ein festes Ritual. Die Eindrücke des Vormittags sollen verarbeitet werden und das Kind Kraft für den Nachmittag schöpfen. Doch ab dem dritten Lebensjahr wollen viele Kinder einfach nicht mehr die Mittagspause halten. Müssen sie auch nicht. Das zeigt die neue Studie einer australischen Forschergruppe an der Queens University of Technology. Das Nickerchen am Mittag würde die Nachtruhe der Kinder stören, so die Forscher im British Medical Journal.

Die Wissenschaftlerin Karen Thorpe und ihr Team werteten für ihr Ergebnis 26 Studien aus, in denen der Mittagsschlaf vom Babyalter bis zum fünften Lebensjahr thematisiert wurde.

Gerade für Eltern interessant ist dabei die Frage, wie sich der Schlaf am Tage auf die Nachtruhe auswirkt. In Japan und in den USA befassten sich einige Studien speziell mit dieser Problematik. Das Ergebnis dürften die meisten Eltern bereits aus ihrem Alltag kennen: Kinder, die älter als zwei Jahre alt sind und Mittagsschlaf halten, schlafen abends schwerer ein. Außerdem schlafen sie in der Nacht kürzer und schlechter.

Wer am Mittag schläft, ist am Abend oft putzmunter (© Thinkstock)
Wer am Mittag schläft, ist am Abend oft putzmunter (© Thinkstock)

 

Mittagsschlaf verkürzt die Nachtruhe

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In den meisten Krippen und Kindertageseinrichtungen ist es üblich, die Kleinen nach dem Mittagessen hinzulegen. Kinder, die nicht sofort schlafen, werden dazu angehalten, sich wenigstens auszuruhen. Durch diese Pause, solle sich die Aufnahmefähigkeit erhöhen, Verletzungen verhindert werden und das Wachstum gefördert werden. Diese gängigen Vorstellungen konnten in keiner der vorliegenden Studien belegt werden. Vielmehr gebe es starke Unterschiede in den Untersuchungen, so Thorpe: „Die Ergebnisse in Bezug auf Wahrnehmung, Verhalten und Auswirkungen auf die Gesundheit waren widersprüchlich, wahrscheinlich wegen der Unterschiede in Alter und dem gewöhnlichen Schlafstatus der Probanden.“ Eindeutig in allen Studien aber sei, dass ab dem zweiten Lebensjahr die Qualität des Schlafes in der Nacht durch den Mittagsschlaf gemindert werde.

Schlafverhalten von Kindern verändert sich

Dass sich das Schlafverhalten von Babys und Kindern verändert, ist den meisten Müttern und Vätern nicht neu. Während Babys noch den Großteil des Tages verschlafen, brauchen ältere Kinder weniger Schlaf. Ab einem Alter von zwei Jahren verschiebt sich aber das Schlafverhalten so, dass Kinder, die Mittagsschlaf machen, nachts weniger schlafen. Dr. Sally Staton, Co-Autorin der Veröffentlichung, weist darauf hin, dass Kinder unterschiedlich sind und damit auch ein verschiedenes Schlafbedürfnis haben: „Es gibt eine Menge an individuellen Variationen wie viel ein Kind tagsüber schlafen muss und es ist wichtig, dass Eltern und Betreuerinnen zusammenarbeiten, um Kinder beim Schlafen in dieser Zeit zu unterstützen“. Stellen Eltern immer wieder fest, dass ihr Kind an abendlichen Einschlafstörungen leidet, sollten sie genau protokollieren, wann und wie lange ihr Kind innerhalb von 24 Stunden schläft. Fest steht aber, dass ausreichend Schlaf wichtig für die gesunde Entwicklung von Kindern ist.

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