Neues Urteil – Keine Anonymität für Samenspender

Heute entschied das Oberlandesgericht in Hamm im Fall einer jungen Frau, dass sie den Namen ihres leiblichen Vaters erfahren darf. Das Interesse an der eigenen Abstammung sei höher zu bewerten als das Interesse des Spenders an der Geheimhaltung.

Hamm. Die Tochter eines anonymen Samenspenders hat laut heutigem Urteil des Oberlandesgericht (OLG) in Hamm ((I-14 U 7/12) ein Recht darauf, den Namen ihres leiblichen Vaters erfahren.

Die heute 21-jährige Sarah P. hatte im Alter von 18 Jahren erfahren, dass ihr sozialer Vater nicht ihr leiblicher Erzeuger ist. Aufgrund der Unfruchtbarkeit hatte sich die Mutter im Zentrum für Reproduktionsmedizin in Essen behandeln lassen und dem damaligen Samenspender Anonymität zugesichert.

Samenspender - Spermien nähern sich Eizellen
Interesse an Abstammung wichtiger als Anonymität des Samenspenders (© Symbolfoto Thinkstock)

Aus diesem Grund wurde der jungen Frau der Name des Spenders nicht mitgeteilt, so dass sie gegen den behandelnden Arzt klagte. Nun hat das OLG Hamm in ihrem Sinne entschieden: „Das Interesse der Klägerin, ihre Abstammung zu erfahren, sei höher zu bewerten als die Interessen des Beklagten und der Samenspender an einer Geheimhaltung der Spenderdaten. (…) Um ihre Persönlichkeit verstehen und entfalten zu können, müsse die Klägerin die für diese konstitutiven Faktoren kennen. Hierzu zähle auch ihre Abstammung.“

Sollte das Urteil rechtskräftig werden, hätte die Tochter die Möglichkeit, den Namen des leiblichen Vaters mit einem Zwangsvollstreckungsverfahren zu erzwingen. Ob sie tatsächlich den Namen ihres Vaters erfährt, ist jedoch unklar. Der beklagte Reproduktionsmediziner beruft sich darauf, dass die Daten zu dem Fall nicht mehr vorlägen.


Das Urteil soll laut Gerichtssprecher Christian Nubbemeyer klären, was Vorrang hat: das Wissen über die eigene Herkunft oder die getätigten Absprachen zwischen Ärzten, Eltern und Spender. Die Entscheidung könnte zahlreiche weitere Klagen von Betroffenen nach sich ziehen, die durch anonyme Samenspenden gezeugt wurden und ihren leiblichen Vater kennenlernen möchten. Seit Ende der 80er Jahre sind anonyme Samenspenden in Deutschland nicht mehr erlaubt.