Berlin: Frauentag wird neuer Feiertag

Der Internationale Frauentag am 8. März wird wohl in Berlin arbeitsfreier gesetzlicher Feiertag – noch ist es nicht 100 Prozent sicher, doch die Zeichen stehen auf Feiertag.

Das rot-rot-grün regierte Berlin gehört zu den Bundesländern mit den wenigsten Feiertagen. Aktuell sind es nur 9 freie Tage, in Bayern sind es dagegen ganze 13 Feiertage. Die Hauptstadt wäre nun das erste Bundesland, das den internationalen Frauentag am 8. März als arbeitsfreien Tag einführt.

Das Datum stehe für einen „Frauenkampftag“, wie die Grünen-Fraktionschefinnen Antje Kapek und Silke Gebel erklären. „Solange Gleichberechtigung und Gleichstellung nicht erreicht sind, werden wir Grünen am 8. März kämpfen und nicht nur feiern“, fügten sie hinzu.

Der 8. März soll es also sein – dieser Entscheidung waren monatelange Debatten mit zahlreichen Terminvorschlägen vorausgegangen. Wirtschaft und Kirchen plädierten für den Reformationstag am 31. Oktober, der Beauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Tom Sello, für den 9. November als Tag des Mauerfalls. Regierungschef Michael Müller (SPD) brachte in Erinnerung an die Märzrevolution 1848 den 18. März ins Votum ein, Linke-Politiker den 8. Mai als Tag der Befreiung.

Ein neuer Feiertag für Berlin – Donnerstag (24.01.) wird darüber entschieden / © Adobe Stock / nd3000

Auslöser der Debatte waren die Nordländer, die in diesem Jahr den Reformationstag am 31. Oktober zu gesetzlichen Feiertag erklärt hatten. Daraufhin kamen auch in Berlin Diskussionen über einen zusätzlichen arbeitsfreien Tag auf – die der Senat so nicht gewollt habe, wie der Regierende Bürgermeister Müller am Mittwoch einräumte.


Die CDU plädierte am Mittwoch dafür, jedes Jahr einen anderen arbeitsfreien Feiertag zu bestimmen. „Wir möchten keine Routine im Gedenken, wir wollen bewusstes Gedenken„, sagte Fraktionschef Burkard Dregger. Es gebe viele würdige Gedenktage, die bei runden Jubiläen dann einmalig zum Feiertag erklärt werden könnten.

Unterdessen titelt die Industrie- und Handelskammer und dessen Hauptgeschäftsführer, der Feiertag sei „ein ökonomisches Eigentor“ für Berlin. Denn Berlins Wirtschaft zeigt sich weitaus weniger begeisterungsfähig für die Feiertagsdebatte. Sie verweist auf die Probleme, die durch den zusätzlichen Feiertag zustande kämen. Ein weiterer arbeitsfreier Tag habe beim Bruttoinlandsprodukt ein Minus von 0,3 Prozent zur Folge und koste Berlin 160 Millionen Euro, teilte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), Jan Eder, mit. Deshalb sei die Entscheidung „ein ökonomisches Eigentor“.

Die IHK sieht auch den knappen Zeitraum zwischen Gesetzesbeschluss und Feiertag kritisch, weil Unternehmen kurzfristig Lieferketten, Arbeitsprozesse und Dienstpläne anpassen müssten. Für bis zu 180.000 Berliner, die nach Brandenburg pendeln und am 8. März nicht freihaben, könnte der „Inseltermin“ zudem schwierig werden: Sie müssen wegen geschlossener Kitas und Schulen etwa eine Kinderbetreuung organisieren.

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