Neue Studie: Einschulungsalter hat keinen Einfluss auf Bildungsabschluss

Von welchen Faktoren ein gelungener Grundschulstart abhängt, merken Eltern meist erst, wenn es dann schließlich soweit ist. Und plötzlich das Geburtsdatum eine wichtige Rolle spielt.

Einschulung – für Eltern kleiner (großer!) Schulanfänger und Schulanfängerinnen ist dieser Tag nicht nur wegen der Schultüte ein bedeutender Tag. Es ist der Übergang in eine neue Phase – die Kindergartenzeit ist vorbei, neue Freunde und Freundinnen werden gefunden oder die alten sehr vermisst – die Grundschule beginnt, mit Unterricht, Tafel, großer Pause, Zuhören, ABC lernen, Schulranzen packen, das Schulbrot mit anderen Kindern tauschen (oder im Ranzen tagelang vergessen…) und und und.

Am stärksten kann ein gelungener Schulstart allerdings vom Geburtsdatum abhängen.

Sommerkinder, Winterkinder – warum ist das entscheidend?

Es gibt sogenannte Winterkinder, die jeden Geburtstag entweder mit Schnee und Eis und kühlen Temperaturen erleben und die Sommerkinder, die je nachdem ihren Geburtstag im Sonnenschein feiern können.
Bei Sommerkindern stellt sich zur Einschulung die Frage: Soll es schon eingeschult werden? Ist es reif für die Schule, als Küken unter den anderen Mitschülern und Mitschülerinnen? Wird es sich mein Kind ab einem bestimmten Alter in der Kita langweilen? Oder ist ein weiteres Jahr Kita genau das richtige?
Die bisherige Forschung legt in vielen Studien nahe, dass man einem Kind kaum etwas Schlimmeres antun kann, als es zu früh einzuschulen.

Kleiner, “schwächer” und in Mathe unterlegen – so kann es für zu früh eingeschulte Kinder ausgehen. Und das über die ersten Klassen hinaus. Studien legen nahe, dass sie häufiger gemobbt würden und unglücklicher seien.
Für Eltern von Sommerkindern keine allzu große Neuigkeit. Denn während Politik und Bildungsökonomen in den vergangenen Jahren sogar daran arbeiteten, das Einschulungsalter zu senken, reagierten Mütter und Väter anders als geplant. Sie ließen ihre Kinder vermehrt zurückstellen. Es scheint sich also rumgesprochen zu haben, dass jüngeren Kindern in der 1. Klasse ein Nachteil entstehen kann.


Eine aktuelle Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung veröffentlichte nun neue Erkenntnisse – diese Studie lag der ZEIT schon vorab vor.
“Wissenschaftler haben dafür Daten von Erwachsenen im Alter zwischen 23 und 71 Jahren ausgewertet. Sie konnten nachweisen, dass das Alter bei der Einschulung keinen langfristigen Einfluss auf die Kompetenzen in Mathematik oder auf das Textverständnis hat”, schreibt die Zeitung in ihrem Artikel.
Einzig der Wortschatz bleibt auch im Erwachsenenalter geringer. Das könnte, so die Wissenschaftler, daran liegen, dass die jünger Eingeschulten seltener aufs Gymnasium wechseln, wo der Wortschatz vermutlich stärker trainiert werde als in den anderen Schulformen.

Auf die späteren Bildungsabschlüsse wirke sich das Einschulungsalter übrigens nicht aus – schlussendlich studieren die Jüngeren genauso häufig wie ihre älteren Mitschüler.
„Eltern können sich unbesorgt für eine reguläre Einschulung entscheiden, wenn ihr Kind normal entwickelt ist“, schließt daraus Katja Görlitz, Co-Autorin der Studie und Juniorprofessorin für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, „auch wenn es zu den Jüngsten in der Klasse gehört.“

Zusammengefasst: Die ersten Schuljahre können hart werden, aber es “verwächst” sich scheinbar wieder. Die Autorin des Zeit-Artikels Johanna Schoener resümiert daher:

“Dass im Erwachsenenalter keine gravierenden Nachteile für die jünger Eingeschulten mehr messbar sind, entbindet Bildungspolitiker und Schulentwickler nicht von der Pflicht, den Schulstart für alle Kinder eines Jahrgangs sinnvoll und gerecht zu gestalten. Und zwar über willkürlich hin- und hergeschobene Stichtage hinaus, die sich auch noch von Bundesland zu Bundesland unterscheiden. Sommer- und Winterkinder wird es aller Voraussicht nach ja immer geben”.

Unabhängig von der neuen Studie, beherrscht das Thema in Nordrhein-Westfalen gerade die Presse und die Diskussionen.
Eine Mutter hatte Anfang Februar eine Petition gegen die gesetzlichen Regelungen bei der Einschulung von Kindern in NRW aufgesetzt. Diese wurde bisher von 27.646 Menschen unterzeichnet und über 10.259 Mal kommentiert (Stand 13.02.2019 um 13:41 Uhr).

Im bevölkerungsreichsten Bundesland werden nämlich grundsätzlich alle Kinder, die bis zum 30. September sechs Jahre alt werden, zum 1. August desselben Jahres schulpflichtig. Wer sein zur Einschulung erst fünfjähriges Kind aber lieber noch ein Jahr im Kindergarten sehen würde, weil er es noch nicht als schulreif ansieht, kann dies in NRW nicht frei entscheiden.

Eine Zurückstellung ist laut geltendem Schulgesetz in NRW „nur aus erheblichen gesundheitlichen Gründen“ möglich. Die Eltern werden dann zwar angehört – die Entscheidung trifft allerdings die Schulleitung auf der Basis der schulärztlichen Untersuchung und dessen Gutachten.

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