Neue Masernfälle in Deutschland – Experten warnen: Krankheit wird unterschätzt

In Leipzig ist ein Mädchen an Masern erkrankt – sie ist 2003 geboren und hatte keinen Impfschutz gegen das Virus. Angesteckt habe sie sich in einer anderen Großstadt in Deutschland.

Familie, Freunde und alle Personen, die mit der Schülerin Kontakt hatten, werden nun kontrolliert. Es wird geprüft, ob sie gegen Masern geimpft sind – denn gefährdete Personen dürfen nach Infektionsschutzgesetz keine öffentlichen Einrichtungen besuchen.

“Bei Masern handelt es sich keinesfalls um eine harmlose Kinderkrankheit”, betont das Gesundheitsamt. Auch deutschlandweite Aufklärungskampagnen warnen vor der hochansteckenden Krankheit, die nicht nur für Babys und Kleinkinder gefährlich werden kann – auch Erwachsene können sich infizieren.

Am Beispiel Sachsen lässt sich ablesen, dass weiterhin Aufklärungsbedarf besteht. Hier zählte man allein 2017 (68 Erkrankungen) doppelt so viele Erkrankungen wie 2016 (35 Erkrankungen). In ganz Deutschland waren es 2017 sogar dreimal so viele Masernerkrankungen im Vergleich zum Vorjahr (bundesweit 325 Fälle 2016; 919 Fälle 2017). 2015 lag die Erkrankungsrate in Deutschland übrigens bei 2.465 Fällen – ein Höchststand der letzten Jahre, wie das Robert-Koch-Institut meldete.

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Aus der Statistik des Sozialministeriums in Sachsen geht unterdessen hervor, dass in ⅔ (der im ersten Halbjahr 2017 registrierten) Fälle Kinder bis 9 Jahre betroffen waren. Darunter waren auch sechs Säuglinge, für die die Krankheit besonders gravierende Folgen haben kann.

Masern-Impfquote ist in Deutschland noch nicht ausreichend (©Thinkstock)

Wie werden Masern übertragen?
Masern-Viren werden ausschließlich von Mensch zu Mensch übertragen. Nahezu jeder Kontakt zwischen einer ungeschützten Person und einem Erkrankten führt zu einer Ansteckung, selbst aus einigen Metern Entfernung. Beim Husten, Niesen oder Sprechen können sich die Erreger in kleinen Speichel-Tröpfchen über die Luft verbreiten und eingeatmet werden.

Was sind die Symptome einer Masern-Erkrankungen?
Hohes Fieber, Husten, Schnupfen und Entzündungen im Nasen-Rachen-Raum und der Augen-Bindehaut sind typische Symptome. Erst nach ein paar Tagen bildet der Hautausschlag, der meist mit Masern verbunden mit. Er beginnt im Gesicht und hinter den Ohren und breitet sich dann über den  Körper aus. Der Ausschlag kommt mit einem erneuten Fieberanstieg und bildet sich nach 3 bis 4 Tagen wieder zurück. Dabei kann es auch zu einer Schuppung der betroffenen Haut kommen.

Was können die Folgen von Masern sein?
Masern schwächen vorübergehend das Immunsystem – Erreger können so schlechter abgewehrt werden. Zusätzliche Erreger können beispielsweise Mittelohrentzündungen, Atemwegs- oder Lungenentzündungen hervorrufen. Eine besonders gefürchtete Komplikation während der Masern-Erkrankung ist die Gehirnentzündung. Sie tritt bei etwa einem von 1.000 Masernfällen auf. 10% bis 20% der Betroffenen sterben daran. Bei 20% bis 30% bleiben schwere Folgeschäden wie geistige Behinderungen oder Lähmungen zurück

(siehe auch BZgA, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – weitere Informationen über die Krankheit Masern haben wir hier für euch zusammengestellt.)

Bei mindestens 95% Impfrate in der Bevölkerung gelte die Krankheit als ausgerottet, sagte der Infektiologe und Vorsitzende der Sächsischen Impfkommission, Dietmar Beier der LVZ – Leipziger Volkszeitung. Gerade die zweite Impfung ist für den Schutz ausschlaggebend. Am Beispiel Sachsen zeigt sich allerdings, dass dies in diesem Bundesland mit 90% bei der zweiten Impfung eben nicht der Fall ist. Laut Beier wird die Impfung für gefährlicher gehalten als die Krankheit selbst – „aus Ignoranz und Unkenntnis“, wie er sagt. Dabei gebe es jährlich auch in Europa Tote.