Natürliche Geburt soll Weltkulturerbe werden

Nahezu jedes dritte Baby kommt in Deutschland mit einem Kaiserschnitt zur Welt. Doch nur 15 Prozent dieser Geburten gelten als medizinisch nötig. Ein Berliner Frauenarzt und eine Hebamme möchten nun mit einer ungewöhnlichen Aktion die natürliche Geburt fördern: sie soll auf die UNESCO-Liste der Kulturgüter.

Jährlich werden etwa 200.000 Kinder mit Hilfe eines Kaiserschnittes geboren. In vielen Fällen kann er Leben retten, doch nicht immer ist der Eingriff medizinisch nötig. Der Berliner Chefarzt Prof. Dr. Michael Abou-Dakn und die Hebamme Bettina Kraus vom St.-Joseph-Krankenhaus setzen sich nun dafür ein, dass die natürliche Geburt Weltkulturerbe wird. „Schwangere haben aufgehört, guter Hoffnung zu sein, stattdessen bestimmen häufig Ängste die Geburtsplanung“, erklärt Abou-Dakn.

Das Anliegen der Geburtshelfer: Die natürliche Geburt soll besonders geschützt werden und der Kaiserschnitt weiterhin eine Ausnahme, aber nicht die Regel sein. Eine Geburt sei keine Krankheit. Der Chefarzt fürchtet, dass das Wissen um den natürlichen Geburtsvorgang und eine enge persönliche Betreuung durch eine technik-orientierte Überwachung abgelöst wird. „Was Schwangeren häufig fehlt, ist das Vertrauen und die Kenntnis über die eigenen körperlichen Möglichkeiten, eine Geburt gut zu meistern“, sagte auch  Hebamme Bettina Kraus.

Chefarzt Prof. Dr. Michael Abou-Dakn, (c) St. Joseph Krankenhaus
Chefarzt Prof. Dr. Michael Abou-Dakn, (c) St. Joseph Krankenhaus

Der Antrag wurde fristgerecht im November gestellt. In diesem Jahr können erstmalig Gruppen und Einzelpersonen beantragen, dass auch einzigartige Traditionen als immaterielles Kulturerbe der Unesco geschützt werden. Die Vereinten Nationen haben bisher den Titel nur an bedeutende Orte vergeben. In Deutschland gibt es 53 geschützte Kultur- und Naturgüter. Dazu gehören Grimms Märchen und das Original von Beethovens 9. Sinfonie.

Jedes Bundesland kann nach der ersten Ausschreibungsrunde eine Vorauswahl treffen und zur Kultusministerkonferenz zwei Vorschläge machen. Ob die natürliche Geburt dabei sein wird? Chefarzt Prof. Dr. Abou-Dakn weiß es nicht. Sein Ziel formuliert er so: „Wir wollen mit unserem Antrag eine neue Diskussion in der Geburtshilfe entfachen.“