Muttermilch schützt lebenslang gegen Darm-Entzündungen

Dass Muttermilch positive Langzeiteffekte hat ist nicht neu. Nun haben US-Wissenschaftler festgestellt, dass mit der Muttermilch aufgenommene Antikörper die Darmflora und die Genaktivität der Darmschleimhaut dauerhaft prägen. Dies trage zu einem langfristigen Schutz vor entzündlichen Darmerkrankungen bei.

Die positive Wirkung von Muttermilch reicht bis weit ins Erwachsenenalter, denn die mit der Muttermilch aufgenommenen Antikörper prägen Darmflora und Genaktivität der Darmschleimhaut dauerhaft. Die Antikörper tragen zum langfristigen Schutz vor entzündlichen Darmerkrankungen bei.

Zu diesem Ergebnis kommen US-Forscher Eric Rogier und seine Kollegen der University of Kentucky in Lexington. Ihre Studienergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler vor kurzem bei der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS, 2014 doi: 10.1073/pnas.1315792111).

Baby stillen
Positive Langzeiteffekte des Stillens (Foto: Thinkstock)

Die nährstoffreiche Muttermilch enthält wichtige Antikörper und Botenstoffe, die wichtig für den Aufbau und die Stärkung des Immunsystems sind. Dazu zählt auch das sogenannte sekretorische Immunglobulin A (SIgA), ein Antikörper, der u.a. die Zusammensetzung der Darmmikroben bei Babys beeinflusst und gegen Infektionen stärkt.

„Ein gesundes Verdauungssystem erfordert eine sensible Balance zwischen den rund 100 Billionen Bakterien in unserem Darmtrakt und dem Immunsystem des Trägers“, erklärt Wissenschaftler Eric Rogier. Neugeborenen jedoch fehlt dafür der wichtige Antikörper SIgA, da sie ihn noch nicht selbst produzieren können. Sie erhalten ihn über die Muttermilch.

Die Wirkung des Antikörpers SIgA untersuchten die Forscher mit Mäusen. Hierfür züchteten Rogier und seine Kollegen einen Mäusestamm, bei dem die Produktion des Antikörpers SIgA gentechnisch abgeschaltet ist, sodass die Mütter diesen nicht über die Muttermilch weitergeben. Nachdem die Mäusejungen herangewachsen waren, wurde ihre Darmflora und ihre Empfindlichkeit gegenüber Infektionen mit der normal gesäugter Mäuse verglichen.

Das Ergebnis: Es zeigte sich, dass die mit SIgA-freier Muttermilch gesäugten Mäuse eine ungewöhnlich zusammengesetzte Darmflora entwickelten, die bis ins Erwachsenenalter verändert blieb. Bei dieser Gruppe dominierten Darmbakterien, die auch bei Menschen mit entzündlichen Darmerkrankungen zu finden sind.

Darüber hinaus entdeckten die Wissenschaftler, dass in der Darmschleimhaut der mit SIgA-freier Muttermilch gesäugten Mäuse einige Gene deutlich weniger aktiv waren als bei der Kontrollgruppe. Diese wiederum entsprechen Genen, die auch bei Menschen mit entzündlichen Darmerkrankungen unterrepräsentiert sind.

Fazit: „Zusammengenommen sprechen diese Ergebnisse dafür, dass der frühe Kontakt mit SIgA über die Muttermilch die Darmflora und die Genexpression in der Darmschleimhaut für das gesamte spätere Leben beeinflusst“, konstatieren Rogier und seine Kollegen.

Nach Ansicht der Wissenschaftler können diese Daten auf den Menschen übertragen werden. Demnach kann das Stillen von Kindern ein wichtiger Beitrag sein, sie vor späteren entzündlichen Darmerkrankungen zu bewahren.