Macht früher Musikunterricht Kinder doch nicht schlauer?

Dass viel Musik im Kleinkindalter den Intellekt fördert, ist wohl eher ein Mythos. Zu diesem Ergebnis kommen US-amerikanische Psychologen, die dem Mozart-Effekt erneut auf den Grund gegangen sind.

Doch nur ein Mythos? Bisher glaubte man, dass Musik die Intelligenz verbessern könne. Dieser sogenannte „Mozart-Effekt“ ist jedoch seit Jahren stark umstritten und wurde bereits in einigen Studien geprüft. Auch US-amerikanische Forscher haben sich des Mythos‘ erneut angenommen und überprüft, welchen Effekt eine frühe musikalische Ausbildung von Kindern hat.

Ihr Fazit: Belege dafür, dass Musikunterricht generell die kognitive Entwicklung der Kinder verbessern könne, gibt es nach wie vor kaum. Dennoch habe Musik einen wichtigen Platz in der Erziehung, betonen die Forscher im Fachmagazin „PloS ONE“. Ihre Ergebnisse haben Samuel Mehr von der Harvard University und seine Kollegen vor kurzem unter dem Arbeitstitel „Two Randomized Trials Provide No Consistent Evidence for Nonmusical Cognitive Benefits of Brief Preschool Music Enrichment“ im Fachmagazin „PloS ONE“ veröffentlicht.

Macht früher Musikunterricht Kinder doch nicht schlauer? (© Thinkstock)
Macht früher Musikunterricht Kinder doch nicht schlauer? (© Thinkstock)

Die verbreitete Meinung, dass viel Musik im Kleinkindalter den Intellekt fördert, ist nach Ansicht des US-Psychologen Samuel Mehr und seiner Kollegen wohl eher ein Mythos. Die Forscher betonen aber auch, dass es nicht auszuschließen sei, dass längerer Musikunterricht durchaus positive Auswirkungen auf die Intelligenz haben könne. Denn ältere Studien zu der Thematik seien zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen und in zukünftigen müsste nun gezeigt werden, ob es tatsächlich einen Zusammenhang gibt oder nicht.

Um Widersprüchen aus bisherigen Untersuchungen auf den Grund zu gehen, wiesen die Psychologen für ihre Studie 29 Elternpaare und deren vierjährigen Kindern zunächst zufällig zu einer von zwei Gruppen zu: Die einen erhielten Musik-, die anderen Kunstunterricht.

Im Ergebnis stellte sich heraus, dass Kinder, die Musikunterricht bekommen hatten, in Tests nicht besser abschnitten als diejenigen, die Kunstunterricht oder keines von beidem gehabt hatten.

Um die Effekte bei kleinen Kindern untersuchen zu können, führten die Psychologen ein Eltern-Kind-Musik-Programm für Vorschulkinder ein. Das Ziel: musikalisches Spiel zwischen Eltern und Kindern in der Umgebung eines Klassenraums zu fördern, sodass Eltern ein ordentliches Repertoire musikalischer Aktivitäten an die Hand bekommen, die sie zu Hause mit ihren Kindern weiter üben können.

Nach sechs Wochen prüften die Forscher vier kognitive Bereiche, und zwar Wortschatz, Mathematik sowie zwei Bereiche räumlichen Vorstellungsvermögens. Es zeigten sich tatsächlich leichte Unterschiede in puncto räumliches Denken. Die Effekte waren jedoch zu gering, alsdass sie statistisch relevant wären. Darüber hinaus sei die Studie mit nur 15 und 14 Kindern pro Gruppe sehr klein und somit kaum repräsentativ gewesen.

Daher wiederholte man die Untersuchung in einer zweiten Studie mit 45 Familien, von denen die Hälfte Musikunterricht erhielt und die Kontrollgruppe gar keinen Unterricht bekam. Auch hier zeigte sich keine eindeutig positive Wirkung der Musikerziehung im Kleinkindalter auf die Intelligenz.

Trotzdem betonen die Wissenschaftler den hohen Stellenwert von Musik und Musikerziehung in ihrer Studie: „Musik ist eine uralte Aktivität, die einzigartig für den Menschen ist. (…) Jede einzelne Kultur auf der Welt hat Musik, auch Musik für Kinder. Musik sagt etwas darüber aus, was es bedeutet, Mensch zu sein, und es wäre verrückt, das unseren Kindern nicht beizubringen.“