Schwimmflügel und Badespielzeuge im Test: Schwindel und Kopfschmerzen durch Schadstoffe

Forschende des Fraunhofer Instituts (IVV) haben 20 Wasserspielzeuge auf Schadstoffe untersucht. Dabei fanden sie bei 15 Spielzeugen Rückstände von schädlichen Lösungsmitteln.

Die Temperaturen der letzten Tage machen Lust auf kühles Wasser in Schwimmbädern und Badeseen. Gerade Familien mit Kindern kaufen hierfür Schwimmringe, Schwimmflügel oder seit neuestem auch Schwimmspielzeug in Form von Donuts, Brezeln oder lebensgroßen Delfinen.

Diese Spielsachen riechen oft stechend nach Plastik. Deshalb untersuchten Andrea Büttner, Professorin für Aromaforschung und der Lebensmittelchemiker Christoph Wiedmer am Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) in Freising Schwimmflügel und Wasserspielzeuge. Sie kamen zu alarmierenden Ergebnissen: Bei 15 von 20 untersuchten Schwimmspielzeugen fanden sie Lösungsmittelreste.

Die 15 auffälligen Spielzeuge waren fast alle mit Comicfiguren oder Kinderfilmhelden bedruckt. Gefunden wurde zum Beispiel ein Stoff namens Cyclohexanon. Dieser Stoff ist reizend und kann Schwindel und Kopfschmerzen verursachen. Dazu wurde Isophoron, ein als möglicherweise krebserregend eingestufter Stoff und sogar giftiges Phenol gefunden.

Fraunhofer Institut IVV: zu oft Schadstoffel in Schwimmringen und Badespielzeug (© Getty Images)

Neun der getesteten Spielzeuge enthielten größere Mengen Cyclohexanon. Isophoron fand man in acht Plastikprodukten und Phenol in 14. Ein aufblasbarer Plastikball mit Globusaufdruck lieferte eine Höchstmenge an Schadstoffen – gerade dieses Produkt war laut Packungsangabe von einem deutschen Labor als „schadstoffgeprüft“ betitelt worden.

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„Im Detail können wir nicht sagen, wie gesundheitsschädlich einzelne Produkte sind“, sagt Professorin Büttner. Hierzu müsse weiter geforscht werden. Welche Mengen der Stoffe durch Kinder eingeatmet werden oder was beim Kontakt mit dem Mund (beim Aufblasen der Spielzeuge) passiert, wurde bisher nicht geprüft. Christoph Wiedmer sagt dazu: „Auch wenn wir die Gefahr derzeit noch nicht richtig einschätzen können, ist es sicher kein kleines Problem“.

Wahrscheinlich gelangen die Substanzen schon während der Produktion in die Spielsachen und/oder werden nicht gründlich genug wieder entfernt. „Dass dies möglich ist, zeigen die Produkte jener Hersteller, bei denen wir keinen der drei Stoffe finden konnten.“ sagt der Lebensmitteltechniker.

Geruchlosigkeit der Produkte sei übrigens keine Entwarnung, denn es gibt auch geruchslose Schadstoffe, die aber in dieser Forschungsreihe nicht untersucht wurden. Die Hersteller wolle man nicht an den Pranger stellen, sondern auf das Problem selbst hinweisen.

Wiedmer rät, Spielzeuge bei vertrauenswürdigen Händlern zu kaufen, die europäischen Standards unterliegen. Vollkommen unkontrolliert sind Waren, die von unbekannten Firmen im Internet vertrieben werden, zum Beispiel aus China. Das gleiche gilt für Schwimmspielzeug, das direkt am Strand zum Kauf angeboten wird.

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