Kinder- und Jugendärzte gegen rituelle Beschneidung

Kinder und Jugendärzte appellieren an Bundestag, rituelle Beschneidungen zu verbieten. Das Recht von Minderjährigen auf Unversehrtheit stehe an oberster Stelle.

Im Juni löste die Entscheidung des Kölner Landgerichts eine breite Diskussion um religiöse Beschneidungen aus. Nun schaltet sich der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ e.V.) in die Debatte ein. Sie fordern, das Recht eines jeden Menschen auf körperliche Unversehrtheit nicht zu vergessen: Es müsse „das Kindeswohl und das Recht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit an erster Stelle stehen.“

Die Ärzte weisen vor allem auf die körperlichen und seelischen Schäden hin, die eine Beschneidung bei Minderjährigen zur Folge haben könne. Die Diskussion laufe Gefahr „fundamentalistische Züge“ anzunehmen, bei der „die Befürworter der Beschneidung“ diese „Form der Körperverletzung bagatellisieren“ würden.

Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des BVKJ, ergänzt: „Dies zeigt erneut, wie notwendig eine Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz ist und wir in allen Parlamenten Kinderbeauftragte mit umfassenden Rechten benötigen, um staatliches Handeln gemäß Artikel 3 der UN-Kinderrechtskonvention darauf zu überprüfen, ob bei allen Maßnahmen, die Kinder betreffen, gleichviel ob sie von öffentlichen oder privaten Einrichtungen der sozialen Fürsorge, Gerichten, Verwaltungsbehörden oder Gesetzgebungsorganen getroffen werden, das Wohl des Kindes vorrangig zu berücksichtigt wird“

Gerade bei Minderjährigen, appelliert der BVKJ an den deutschen Bundestag, stehe das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit, das in Art. 2 des Grundgesetzes verankert ist, an höherer Stelle als Art.3, nach dem „Niemand wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden darf.“

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Kinderärzte gegen Beschneidung
Kinderärzte gegen Beschneidung (Bild: Thinkstock)

Die Entscheidung der Bundesfraktionen sieht anders aus: Sie sprechen sich für rituelle Beschneidungen in Deutschland aus. Familienministerin Schröder stellt allerdings Bedingungen auf, unter denen Beschneidungen möglich sein dürften: So müsste eine Beschneidung unter Betäubung statt finden. Außerdem dürfte keine Genitalvertümmelung bei Mädchen vorgenommen werden. Die CDU-Politikerin betonte aber dennoch:  „Die Rechte der Kinder stehen hier nicht hinten an.“

Quelle: Kinder- und Jugendärzte im Netz (bvkj)

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