Neue Studie: Kinder haben Angst vor Armut, Gewalt und Mobbing

Mehr als die Hälfte der Acht- bis Vierzehnjährigen macht sich mindestens manchmal Sorgen über die finanzielle Lage der eigenen Familie, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung berichtet. Viele Kinder haben darüber hinaus Angst vor Mobbing und Ausgrenzung.

Diese Befunde lassen aufhorchen. Den meisten befragten Kindern der Studie gehe es aber gut – dafür spricht das Ergebnis, dass für mehr als 96 Prozent der Acht- bis 14-Jährigen gelte, dass sie genug zu essen und Platz zum Spielen hätten.

Trotzdem machen sich 50 Prozent von ihnen über die finanzielle Lage der Familie Sorgen. Besonders bei Kindern kann das die Teilhabe an alltäglichen, schönen Dingen dämpfen und unter Umständen sogar zu Schulproblemen führen.

Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung untersucht u. a. die Ängste von Kindern. (Foto von Adobe Stock / nadezhda1906)

Die Studie fragte die Kinder und Jugendlichen auch nach ihrer Ausstattung, die sie für Freizeit und Schule zur Verfügung haben.

Neun von zehn Kindern (90 Prozent) gaben an, dass sie einen ungestörten Arbeitsplatz hätten. Ein eigenes Schlafzimmer haben nur noch acht von zehn (80 Prozent). 88 Prozent hätten schon einen Familienurlaub gemacht.


Unabhängig vom Einkommen sparten Eltern jedoch nicht beim Bedarf für Kinder, hieß es in der Studie. Mehr als 95 Prozent der Kinder sagten, sie hätten „etwas Schönes zum Anziehen“, genug Geld für Klassenfahrten, ein Fahrrad, einen Roller oder Inline-Skates sowie alles, was sie für die Schule benötigten.

Aber eine gute Ausstattung ersetzt kein Kümmern. Fünf Prozent gaben an, dass sich niemand in der Familie wirklich um sie kümmere. Bei den 14-Jährigen lag dieser Anteil sogar bei fast zehn Prozent. Mit steigendem Alter hätten die Jugendlichen zunehmend den Eindruck, dass sich Lehrkräfte nicht um sie kümmern oder ihnen bei Problemen nicht helfen, hieß es.

Angst vor Gewalt, Mobbing und Ausgrenzung

Viele Kinder haben der Studie zufolge nach dem Wechsel von der Grundschule zudem Angst vor Gewalt, Mobbing und Ausgrenzung. Unter Schülern von Hauptschulen, Sekundarschulen und Gesamtschulen hätte jede bzw. jeder dritte Schüler Angst vor Gewalt, Mobbing und Ausgrenzung in der Klasse und auf dem Schulhof. Darüber hinaus fürchteten sich Kinder auf dem Schulweg davor, in unangenehme Situationen zu geraten und Gefahren ausgesetzt zu sein.

Unter Grundschülern fühlten sich dagegen acht von zehn in ihrer Schule sicher. Bei den weiterführenden Schulen gebe es lediglich an Gymnasien ähnlich hohe Zustimmungswerte.

Aus Sicht der befragten Kinder und Jugendlichen gehören zu einem guten Aufwachsen Sicherheit, Zeit mit Eltern und Freunden, Zuwendung und Möglichkeiten der Beteiligung.

Für die Studie haben Forscher der Universität Frankfurt gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung im Schuljahr 2017/2018 rund 3.450 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 14 Jahren befragt. Die Studie ist damit repräsentativ und gibt einen wichtigen Einblick in die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen.

Die Bertelsmann Stiftung appellierte deshalb an die Politik, Kinder regelmäßig zu befragen und zu beteiligen.

Der Linken-Politiker Dietmar Bartsch sagte dazu, dass die Studie zeige, wie die Realität von Kindern in Deutschland sozial gespalten ist. Während die meisten Kinder zum Glück finanziell abgesichert seien oder sich so fühlen, erlebe jedes 4. Kind Ausgrenzung aufgrund von Armut.

Er forderte vor allem die Regierungsparteien auf, bei der Bekämpfung von Kinderarmut nicht immer zuerst die Frage nach der Finanzierung von Maßnahmen zu stellen. „Beim sogenannten 2-Prozent-Ziel Nato zur Aufrüstung der Bundeswehr wird diese Frage von der Regierung nie aufgerufen“, kritisierte Bartsch.

Auch von der FDP kommt Kritik. Der familienpolitische Sprecher, Grigorios Aggilidis, sagte: „Die befragten Kinder und Jugendlichen erklären der Politik, dass sie sich mehr Möglichkeiten der Teilhabe und Zuwendung wünschen. Finanzielle Unterstützung allein reicht nicht.“

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