Kinder­hoch­stühle im Test: “Gefährlich, unbequem und schadstoffreich“

Stiftung Warentest hat 20 Kinderhochstühle getestet. Das Ergebnis fiel für viele Hersteller negativ aus: Jeder zweite Hochstuhl wurde mit mangelhaft bewertet.

Genauer sind es sogar elf der 20 getesteten Hochstühle, die mit mangelhaft bewertet wurden, sieben enthalten zu viele Schad­stoffe und in vier sitzt das Kind unsicher. Nur drei Modelle aus dem Hoch­stuhl-Test wurden mit gut bewertet.

Die Ergebnisse sind für viele Hersteller negativ und für Verbraucher bedenklich – “Die konstruktiven Mängel bei den Sitzen können zu schweren Verletzungen führen: Im Kinder­hoch­stuhl Tamino von Geuther zum Beispiel können Kinder die Beine durch eine Öffnung stecken und durch­rutschen. Es ist lebens­gefähr­lich, wenn der Kopf im Stuhl hängen bleibt” konstatiert der Bericht der Prüfer.

Auch beim Hersteller Hauck gibt es Mängel: Das Modell Alpha+ lässt so viel Platz zwischen Bügel und Sitz, dass Kinder problemlos aus dem Sitz klettern können. Dort ist zwar ein Sitzgurt mitangebracht, aber dieser Gurt ist nur mit einem Klett­verschluss befestigt – Geschwisterkinder können ihn also leicht lösen. Die Tester raten Eltern in jedem Falle bei Modellen mit Sitzgurt diesen auch zu verwenden und ihre Kleinkinder unbe­dingt anzu­schnallen.

Stiftung Warentest prüfte 20 Hochstühle für Kinder – jeder zweite ist mangelhaft (© Getty Images)

Und es geht noch weiter: In den Sitz­pols­tern der getesteten Hochstühle von Herlag und Roba fanden die Tester sehr hohe Mengen an Form­aldehyd. Das Mittel zur Textilver­edelung reizt Haut und Schleimhäute und kann Krebs sowie allergische Haut­re­aktionen auslösen. Im Polster des Roba-Hoch­stuhls fanden die Tester auch hohe Mengen Naph­thalin – genauso wie im Chicco, Fillikid, Pinolino und TecTake Hochstuhl. Der poly­zyklische Kohlen­wasser­stoff kann vermutlich Krebs auslösen. Dazu kommt, dass das Polster von TecTake die Weichmacher DINP (Diisononylph­thalat) und DEHP (Diethylhex­ylph­thalat) enthält. Vor allem DEHP kann die Frucht­barkeit beein­trächtigen, das Kind im Mutterleib schädigen. Im Sitz­polster des Peg Pérego stellte die Stiftung Warentest hohe Mengen TDCPP fest – ein Flamm­schutz­mittel, das vermutlich ebenfalls Krebs erzeugen kann.

Warum das gerade bei Hochstühlen so problematisch ist? Weil Kinder im Hochstuhl in einem Alter sind, in dem sie alles genau ertasten möchten. Und nichts ist vor ihren kleinen Mündern sicher. Sie lutschen an Polstern und verteilen ihren Brei gerne auf der Sitzgelegenheit, der dann ab und zu auch wieder den Weg in den Mund findet.

„All diese Schad­stoffe haben in Kinder­hoch­stühlen nichts verloren. Offen­bar vernach­lässigen einige Anbieter die Qualitäts­kontrollen“, sagt Dr. Axel Neisser, wissenschaftlicher Leiter bei der Stiftung Warentest.

Stiftung Warentest führte nach elf Jahren erstmals wieder einen neuen Hochstuhl-Test durch. Geprüft und bewertet wurden die kindgerechte Gestaltung, die Handhabung und Haltbarkeit, Sicherheit sowie die Konzentration von Schadstoffen. Die Preisspanne der getesteten Kinderhochstühle ging dabei von 21 bis 480 Euro – ein breit gefächertes Angebot von bekannten Marken wie Hauck, Stokke und Ikea.

Die 20 getesteten Hochstühle fielen in die Kategorien mitwachsende Treppenhochstühle (12 Modelle) und Klappstühle (8 Modelle) und waren teilweise mit Babywippe (4 Modelle) ausgestattet. Am besten wurden die Hochstühle von Evomove (Nomi) und Stokke (TrippTrapp) bewertet – beide erhielten die Bewertung 1,6 von Stiftung Warentest und liegen mit jeweils 350,00 Euro am oberen Ende der Preisskala.

Der Test „Kinder­hoch­stühle“ findet sich in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift test und ist auch online abruf­bar.

Weitere Informationen und Kaufberatung: Hochstühle für Babys und Kinder im Test 2018