Intersexualität: Bald drei Toiletten in Grundschulen in Bayern?

Einige Schulen in Bayern reagieren auf den neuen Beschluss der Bundesregierung, demnach es im Geburtenregister eine dritte Option neben männlich und weiblich geben muss – nämlich die Option divers. Sie wollen deshalb künftig drei verschiedene Toiletten bereit stellen.

Mit den Toiletten für das dritte Geschlecht wären die Schulen Vorreiter in Bayern. „Schulen, die aktuell eine solche Möglichkeit der dritten Toilette anbieten, sind uns derzeit nicht bekannt“, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums.

Entsprechende Überlegungen gibt es Medienberichten zufolge aber derzeit an einigen neuen Schulen in Bayern. In Garching stünden die Pläne schon fest, wie der „Münchner Merkur“ und die „tz“ berichten. ln Taufkirchen prüfe ein Architekturbüro die Idee der dreiteiligen Toilettenräume. Und im bayerischen Pullach sei die Idee für eine solche zusätzliche Toilette von einer externen Schulberaterin vorgebracht worden, bestätigte eine Gemeinde-Sprecherin auf dpa-Anfrage. Noch befinde man sich allerdings nicht einmal in der Planung. Der Gemeinderat entscheide noch im Februar darüber, schreiben „Münchner Merkur“ und „tz“.

Kritk am Vorstoß Bayerns

Unter Fachleuten ist der Vorstoß allerdings nicht unumstritten. Ihm seien keine ernstzunehmenden Untersuchungen oder Studien bekannt, die nachweisen, dass bereits Grundschulkinder sich der Geschlechterdifferenzierung bewusst sind, sagt der Münchner Kinderpsychologe Klaus Neumann. Außerdem ließe sich Diskriminierung selbst bei mehr als drei Toiletten nicht aus der Welt schaffen.


Das dritte Geschlecht (Symbolfoto von Adobe Stock / von fotohansel)

Praktischer und realistischer wären aus Neumanns Sicht Unisex-Toiletten – also Klos, die von allen Schülern unabhängig vom Geschlecht benutzt werden können.

Sexualunterricht, „Anderssein“ und Vorurteile

Der Kinderpsychologe gibt in der Diskussion allerdings zu bedenken, dass es sinnvoller wäre, sich nicht auf Toiletten zu fokussieren, sondern einen offenen, annehmenden Unterricht über Sexualität und alle dazugehörigen Fragestellungen zu fördern.

Anders sieht das Diplom-Psychologin Nora Gaupp vom Deutschen Jugendinstitut in München. „Ein substanzieller Anteil von Jugendlichen und Erwachsenen, die sich als transgender bezeichnen, berichtet davon, schon als Kind ein gewisses ‚Anderssein‘ gespürt zu haben. Das betonen auch Eltern von Transkindern“, so Gaupp.

Die Psychologin konkretisiert: Wenn Kinder schon im Grundschulalter lernten, dass Mädchen und Junge nicht die einzige Option sind, könne das dazu führen, dass Vorurteile abgebaut werden. Für Dorothea Weniger von der bayerischen Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind die neuen Toiletten vor allem ein Zeichen der Anerkennung, dass es ein drittes Geschlecht gibt.

Rechte für Transgender in den USA

In den USA ist die Wahlfreiheit bei der Toilettennutzung dagegen schon länger ein strittiges Thema. Im Mai 2016 wies der damalige US-Präsident Barack Obama alle öffentlichen Schulen des Landes an, Transgender-Schüler dürften die Toiletten nutzen, die ihrer geschlechtlichen Identität entsprächen.
Die Regierung unter US-Präsident Donald Trump hatte im Februar vergangenen Jahres diese Vorschrift aufgehoben. Mehrere US-amerikanische Transgender-Schüler gingen gegen ihre Schulen vor.

Mehr zum Thema Transgender(-Kinder) lest ihr in diesem Artikel.

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