Inkontinenz nach der Geburt bleibt oft dauerhaft

Vier von fünf Frauen, die drei Monate nach der Geburt an Harninkontinenz gelitten haben, haben das Problem meist auch nach zwölf Jahren noch. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Langzeitstudie.

Ein internationales Forscherteam widmete sich in ihrer Langzeitstudie dem Thema Harninkontinenz bei Frauen. Es zeigte sich, dass weiterhin jede vierte von fünf Frauen, die bereits drei Monate nach der Geburt an Harninkontinenz litten, auch zwölf Jahre später noch mit dem Problem zu kämpfen haben. Selbst ein intensiviertes Blasentraining konnte diese Quote kaum senken.

Wissenschaftlerin Cathryn Glazener von der Universität im schottischen Aberdeen und ihre englischen sowie neuseeländischen Kollegen veröffentlichten ihre Zwölf-Jahres-Studienergebnisse vor kurzem unter dem Arbeitstitel „Twelve-year follow-up of conservative management of postnatal urinary and faecal incontinence and prolapse outcomes: randomised controlled trial“ im Fachjournal BJOG (BJOG 2013; DOI: 10.1111/1471-0528.12473).

Inkontinenz nach der Geburt bleibt oft dauerhaft (© Thinkstock)
Inkontinenz nach der Geburt bleibt oft dauerhaft (© Thinkstock)

An der Studie haben insgesamt 747 Frauen teilgenommen, die drei Monate nach der Geburt ihres Kindes an Harninkontinenz gelitten hatten. Die Frauen wurden in zwei Gruppen eingeteilt, und zwar in die Interventions- sowie die Kontrollgruppe.

Die Frauen der Interventionsgruppe absolvierten unter Anleitung ein intensiviertes Beckenbodentraining. Die Kontrollgruppe hingegen erhielt lediglich die übliche Geburtsvorbereitung, die auch gelegentlich Beckenbodenübungen beinhaltete. Die Frauen der Kontrollgruppe konnten ebenfalls medizinischen Rat einholen.

Ein Jahr später fiel die Bilanz der Interventionsgruppe vergleichsweise positiv aus. Harninkontinent waren noch 60 Prozent der Frauen, in der Kontrollgruppe lag der Anteil bei 69 Prozent. Jedoch waren die Ergebnisse sechs Jahre später kaum besser: Der Effekt des intensiven Trainings hatte nicht angehalten und die Inkontinenzraten hatten sich angeglichen, und zwar mit 76 bei der Interneventionsgruppe und 79 Prozent bei der Kontrollgruppe.

Auch die Zwölf-Jahres-Ergebnisse bestätigen den Trend: 83 Prozent der Frauen der Intervention und 80 Prozent der Kontrollpatientinnen waren zu diesem Zeitpunkt harninkontinent.

Glazener und ihr Team betonen daher, dass die Suche nach konservativen Strategien gegen Inkontinenz nach der Geburt eines Kindes weitergehen müssen. Denn bei dieser Form der Inkontinenz handelt es sich nicht um ein Randproblem. So leiden 20 bis 30 Prozent aller Frauen nach einer Geburt an Harninkontinenz und 3 bis 5 Prozent an Stuhlinkontinenz.