WHO: Impfgegner sind globale Gesundheitsbedrohung

Eigentlich müsste niemand mehr an Masern erkranken. Dennoch steigen die Zahlen wieder – auch in Deutschland. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) um weltweit 30 Prozent. Das ist ein gefährliches Zeichen.

Auch aus diesem Grund erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Impfgegner nun zur globalen Bedrohung. Sie werden damit von der WHO als ähnlich gefährlich eingeschätzt wie Umweltverschmutzung, Ebola oder zunehmende Resistenz von Keimen gegen Antibiotika. Etwa 1.5 Millionen Todesfälle könnten bei besserer Impfabdeckung gegen impfbare Krankheiten weltweit vermieden, schätzt die WHO.

Die Masern-Impfquote ist in Deutschland noch nicht ausreichend (©Thinkstock)

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag, Karin Maag (CDU), erklärte gegenüber der WELT:

„Dass Impfgegner ein großes Gesundheitsrisiko darstellen, ist absolut zutreffend. Dies gilt insbesondere für die Masern.“

Sie verwies aber darauf, dass für die Prävention der Krankheit bereits viel getan wurde, etwa der zeitweise Ausschluss ungeimpfter Kinder von der Kita. Eltern müssten auch ein hohes Bußgeld bezahlen, wenn sie nicht zur Impfberatung gehen.

Die Masern galten etwa in Nord- und Südamerika eigentlich schon als fast ausgerottet, 2014 gab es jedoch wieder 2000 Fälle. Immer wieder kommt es zu regelrechten Epidemien, wie beispielsweise 2017 in Minnesota.


In Deutschland kommt es ebenfalls immer wieder zu Masernausbrüchen. Und das, obwohl eine Impfquote von 95 Prozent angestrebt wird. 2017 verdreifachte sich sogar die Zahl der Infektionen im Vergleich zum Vorjahr wieder auf mehr als 900 Fälle, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) bekanntgab.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagt hierzu in einer gemeinsamen Mitteilung des Bundesgesundheitsministeriums, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und des Robert Koch-Instituts (RKI):

„Es ist verantwortungslos, Kinder nicht gegen Masern impfen zu lassen oder eigene Impflücken hinzunehmen.“

Die weitaus höchste Fallzahl wurde 2017 aus Nordrhein-Westfalen mit 520 Erkrankungen gemeldet, auch Hessen, Berlin, Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg waren häufiger betroffen. Andere Bundesländer übermittelten allerdings auch weniger als zehn Fälle im ganzen Jahr.

Masern sind eine hochansteckende und potenziell gefährliche Erkrankung. Die Gehirnentzündungen, die Masern-Enzephalitits, können tödlich sein. Außerdem kann die sogenannte subakute sklerosierende Panenzephalitits (SSPE) entstehen, eine Entzündung der Nervenzellen im Gehirn und Rückenmark.

Das sind laut WHO die 10 größten Bedrohungen für unsere Gesundheit:

  1. Luftverschmutzung und globale Erwärmung: 90 Prozent aller Menschen atmen täglich verschmutze Luft ein. Die WHO geht davon aus, dass jährlich sieben Millionen vorzeitige Fälle von Krebs, Schlaganfall, Herz- und Lungenkrankheiten durch schlechte Luft verursacht werden.
  2. Nicht übertragbare Krankheiten: Krankheiten wie Krebs, Diabetes und Herzleiden sollen für mehr als 70 Prozent aller weltweiten Todesfälle verantwortlich sein.
  3. Weltweite Grippe-Pandemie: Die WHO prognostiziert: Die Welt wird 2019 einer weiteren, nie da gewesenen Grippe-Pandemie gegenüberstehen.
  4. Leben in Krisengebieten: Hunger, Dürre, Vertreibung, Krieg, gesellschaftliche Zusammenbrüche – über 20 Prozent der Weltbevölkerung leben in Krisen- oder von Krisen bedrohten Gebiete. Solche Lebensumstände gehen grundsätzlich mit einer schlechten medizinischen Grundversorgung einher.
  5. Multiresistente Keime: Die WHO geht davon aus, dass die Wirksamkeit von Antibiotika, Virostatika und Malariamitteln bald an ihr absolutes Ende gelangt sein könnten. Schon 2017 waren die Präparate bei 82 Prozent der Menschen wirkungslos.
  6. Verbreitung von Ebola und Ausbruch von „Krankheit X“: 2018 kam es in der Republik Kongo zu zwei dramatischen Ebola-Ausbrüchen, die WHO warnt vor einer weiteren Ausbreitung der Krankheit. Zusätzlich könne laut der Organisation ein bislang noch unbekannter Erreger, für den es demnach noch keinen Impfstoff gibt, eine weitere Epidemie auslösen.
  7. Wachsende Zahl der Impfgegner: Jährlich werden schätzungsweise drei Millionen Todesfälle durch Impfungen verhindert. Allerdings sorgt die steigende Zahl der Impfgegner dafür, dass mittlerweile 1,5 Millionen Todesfälle durch eine vorherige Impfung hätten vermieden werden können. Zu einem Anstieg der Masern-Fälle kam es zuletzt auch in der WHO-Region Europa: Im Jahr 2017 seien dort 23.927 Menschen erkrankt – 2016 waren es nur 5273. Auch in Deutschland gibt es immer wieder Ausbrüche, die jährlichen Fallzahlen schwanken erheblich.
  8. Dengue-Fieber: Das durch Mücken übertragene Dengue-Fieber stellt laut WHO seit Jahrzehnten eine ständig wachsende Bedrohung dar. Mittlerweile sind 40 Prozent des Planeten von dem potenziell tödlichen Fieber bedroht. Jeder fünfte Infizierte erliegt den schweren, grippeähnlichen Symptomen.
  9. Mangelnde Grundversorgung: Zu wenige Ärzte, Versorgungslücken, schwaches oder gänzlich fehlendes Gesundheitssystem – besonders in Ländern mit nur niedrigem und mittlerem Einkommensniveau herrscht bereits an der Basis Mangel.
  10. HIV/Aids – trotz aller medizinischen Fortschritte erklärt die Weltgesundheitsorganisation die Epidemie noch lange nicht für besiegt. Noch immer sterben jährlich eine Millionen Menschen an HIV/Aids, rund 37 Millionen sind schätzungsweise mit HIV infiziert.

Quelle: WHO