Immer weniger Kinder können alleine spielen

Kinder sollen möglichst viel, möglichst früh lernen. Eltern, die ihren Kindern jedoch keine Zeit zum freien Spielen lassen, schaden ihren. Experten erklären, warum Spielen so wichtig ist.

Fangen spielen, Buden bauen oder einfach nur Stöcke sammeln – Spiele, für die unsere Kinder immer weniger Zeit haben, weil sie ihre Nachmittage im Kindergarten verbringen oder Englisch-  oder Ballettstunden besuchen. Doch für die verplante Freizeit zahlen die Kinder einen Preis. Sie haben immer weniger Zeit für Fantasie und freies Spiel.

Doch gerade das freie Spielen macht klug, erklärt Margrit Stamm, Direktorin des Forschungsinstituts Swiss Education in Bern in der  „Schweiz am Sonntag. Die Erziehungswissenschaftlerin und ihr Team untersuchten in der noch nicht veröffentlichten Studie „Frühförderung als Kinderspiel“ das Spielverhalten von über 300 Kindern zwischen drei und sechs Jahren. Zusätzlich werteten die Wissenschaftler eine weitere Kindergartenstudie aus. Das Fazit ist eindeutig: Kinder brauchen das freie Spiel, um sich altersgerecht entwickeln zu können. Und: Im freien Spiel liegt der Schlüssel zur kindlichen Bildung.

Einfach nur mal Spielen - wichtig für Kinder
Einfach Spielen, das können immer weniger Kinder © Thinkstock)

„Anstatt im Freien zu spielen, besuchen Kinder heute Förderkurse in abgeschotteten Räumen wie etwa Turn- und Sporthallen“, moniert Stamm. Hier seien sie aber der ständigen Kontrolle und Überwachung ihrer Bezugsperson ausgesetzt. Im freien Spiel dagegen könnten Kinder ihre Ängste, Sorgen und Enttäuschungen verarbeiten. „Es führt zu einer gesunden Entwicklung in allen wichtigen Bereichen, kognitiv, emotional, sozial, kreativ, motorisch, und wirkt überdies gesundheitsfördernd“, führt Stamm aus. Dabei sei das Spiel, das vom Kind selbst ausgehe, in den letzten 15 Jahren um ein Drittel zurückgegangen. Dem kindlichen Spiel messe man nicht genügend Bedeutung bei und es werde oft als Gegensatz zum Lernen angesehen. Grund dafür sei auch die Debatte um frühkindliche Förderung und eine immer frühere Einschulung.

Wenn Kinder jedoch immer von Erwachsenen angeleitet oder kontrolliert werden, entgingen ihnen wichtige Erfahrungen. Die Folge: Die Kinder könnten nicht mehr alleine spielen und verlernten, sich selbst zu beschäftigen.Ki

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Neben unzähligen Freizeitkursen, die mittlerweile für Kinder angeboten werden, hätten immer mehr Eltern ein sehr starkes Sicherheitsdenken – vor allem in den wohlhabenderen Kreisen: „Eine derart eingeschränkte Bewegungsfreiheit, die kontinuierliche Kontrolle durch Erwachsene und, damit verbunden, die mangelnde Anregung kreativer Fähigkeiten, führt dazu, dass es immer mehr spielunfähige Kinder gibt.“

Wer seine Kinder einfach mal spielen lasse, statt ihre Freizeit durchzuplanen, tue ihnen etwas Gutes, erklärt Heidi Simoni, Institutsleiterin am Marie-Meierhofer-Institut für das Kind. Was es dazu brauche, sei nicht viel: Nur Zeit und Freiraum. Eltern, die ihr Kind spielen lassen, vernachlässigen es nicht. Im Gegenteil. Die Kinder bekommen die Chance, ihre Konzentration und ihre Kreativität zu schulen.

 

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