Immer mehr Kinder erhalten Sprachtherapie

Jeder vierte sechsjährige Junge benötigt eine Sprachtherapie, von den Mädchen sind es 17 Prozent, das ergab die Auswertung von rund 35 Millionen Heilmittelrezepten, die etwa 70 Millionen Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung ausgestellt wurden.

Zu diesem Schluss kommt das wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) in ihrem Heilmittelbericht 2013. Das bedeutet einen Anstieg um rund fünf Prozent im Vergleich zu einer Studie aus dem Jahr 2007. „Wir beobachten, dass Jahr für Jahr mehr Kinder für eine gesunde, altersgerechte Entwicklung vorübergehend therapeutische Unterstützung brauchen“, erläuterte Helmut Schröder, stellvertretender WIdO-Geschäftsführer.

Laut WIdO ist der Anteil der verordneten Sprachtherapien seit 2007 kontinuierlich gestiegen. Waren es zu Beginn der Untersuchung noch 21,2 Prozent der Jungen im Alter von sechs Jahren und 14,5 Prozent der Mädchen, die eine Sprachtherapie wahrnehmen mussten, stieg der Anteil bis 2013 um fünf Prozent. Dabei wurde auch deutlich, dass Jungen öfter sprachtherapeutische Angebote in Anspruch nahmen als Mädchen.

Immer mehr Kinder erhaltenen Sprachtherapie (© Thinkstock)
Immer mehr Kinder erhaltenen Sprachtherapie (© Thinkstock)

Experten sehen daher einen speziellen Anforderungsbedarf im Übergang zwischen Kindergarten und Grundschule. Veränderte Lernmodelle könnten Sprachproblemen vorbeugen. „Verhaltens- und verhältnispräventive Maßnahmen in Kindergärten und Schulen sowie im Elternhaus sind ebenso wichtig, um Gesundheitsstörungen schon in frühen Jahren vorzubeugen“, so der WIdO-Geschäftsführer.

Rund 100 Wörter spricht ein Kind durchschnittlich bis zum zweiten Lebensjahr. Mit vier Jahren umfasst der Wortschatz bereits 2.000 Wörter. Bis zum Schulstart sollten Jungen und Mädchen sich in mehrkettigen Haupt- und Nebensätzen ausdrücken können. Hilfreich beim Lernen seien positive Emotionen, ergaben Studien der Hirnforschung. Die beste Wirkung erzielten dabei Emotionen, die mit dem Alltagsleben in Verbindung stehen. Einfache Dinge wie eine liebevolle Atmosphäre könnten schon Wunder wirken. Kontraproduktiv sei es allerdings, wenn Eltern ihre Kinder schon vor Schulstart zu Sprach- und Schreibübungen drängen würden.

Grundlage für den Heilmittelbericht 2013 war die Auswertung von rund 35 Millionen Heilmittelrezepten, die etwa 70 Millionen Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung ausgestellt wurden. Neben Rezepten zur Sprachtherapie gehörten auch Rezepte aus den Bereichen Physiotherapie, Ergotherapie und Podologie zum Material, das die Experten auswerteten.