Hebammen sollen zum Studium verpflichtet werden

Wer Hebamme werden will, muss künftig studieren. So lautet zumindest der neue Gesetzesentwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn.

Hebammen sollen nach Plänen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) künftig generell studieren. „Die Anforderungen an die Geburtshilfe steigen ständig“, sagte Spahn dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“. Ein duales Studium mit einem großen praktischen Anteil sei dafür die beste Vorbereitung.

Bisher werden Hebammen (und Entbindungspfleger) an Hebammenschulen ausgebildet. Voraussetzung ist die mittlere Reife oder ein gleichwertiger Schulabschluss. Künftig solle laut einem Gesetzentwurf aus dem Gesundheitsministerium eine zwölfjährige Schulausbildung Voraussetzung sein. Neben dem dualen Studium seien keine anderen Ausbildungswege vorgesehen. Das hieße konkret, dass Realschulabsolventen und – absolventinnen der Beruf verwehrt bliebe, wenn der Gesetzesvorstoß von Spahn angenommen wird.

Schon lange herrscht ein massiver Mangel an Hebammen. Kann die Reform von Gesundheitsminister Spahn diesen beheben?  (Symbolfoto ©Thinkstock)

Das Onlinemagazin bento hatte bereits 2018, als das Thema „Studium für Hebammen“ aufkam, berichtet und Hebammen um ihre persönliche Einschätzung gebeten. Die Meinungen der drei Befragten gingen auseinander – eine Frau befürtwortete die Idee, da somit ein Handeln auf Augenhöhe mit dem oder der behandelten Arzt bzw. Ärztin möglich sei. Eine andere Hebamme sagte hingegen, dass Hebamme kein Beruf sei, den man „nur durch Studien, Recherchen und Artikel lesen“ lerne.

Einer EU-Richtlinie wird Spahn mit dem Gesetz allerdings gerecht – nämlich, dass die Ausbildung der Hebammen spätestens bis Anfang 2020 reformiert werden muss. Vorgaben von der EU seien zwölf Jahre Schulbildung und mehr Vermittlung von wissenschaftlichen Inhalten aus den Bereichen Frauenheilkunde, Geburtshilfe, Allgemeinmedizin und Pharmakologie.


Der Gesetzentwurf verweise auf die bestehenden Engpässe in der Hebammenversorgung, hieß es in dem Bericht. Eine „qualitativ hochwertige, modern ausgestaltete Hebammenausbildung“ solle entscheidend zur Attraktivität des Berufs beitragen. Der Hebammen-Mangel ist schon jahrelang ein Problem, besonders in Städten wie Berlin ist die Situation besonders prekär.

Das neue Gesetz sehe übrigens vor, die Berufsbezeichnung „Hebamme“ einheitlich für alle Geschlechter einzuführen. Die männliche Sonderbezeichnung „Entbindungspfleger“ wäre somit schon wieder hinfällig.

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