Grippe: Impfrate in Deutschland zu niedrig

In Deutschland lassen sich noch zu wenig Menschen gegen Grippe (Influenza) impfen, obwohl jährlich ca. 5.000 bis 10 000 Bürger an der Virusinfektion sterben. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Verorgungsatlas.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine Durchimpfungsrate gegen Influenza (Grippe) von 75 Prozent für die besonders gefährdeten Senioren. Wie aber eine aktuelle Analyse des Wissenschaftler-Teams vom Versorgungsatlas für Deutschland belegt, wird hierzulande diese Impfrate weit verfehlt. Bei Senioren beträgt sie nur 44 Prozent. Zudem zeigten sich innerhalb Deutschlands starke regionale Unterschiede.

Der Versorgungsatlas ist eine Einrichtung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI).

Impfstoffe und Spritze
Impfrate gegen Influenza in den letzten Jahren zu niedrig (© Thinkstock)

»Geht es um den Schutz gegen die Influenza, lässt sich das unterschiedliche Impfverhalten zwischen den neuen und alten Bundesländern sogar innerhalb Berlins entlang des früheren Mauerverlaufs nachweisen«, betonen die Wissenschaftler vom Versorgungsatlas-Team des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI). Für ihre Analyse werteten die Forscher bundesweite Abrechnungsdaten aller Vertragsärzte für Grippe-Impfungen gesetzlich versicherter Patienten aus der Impfsaison 2009/2010 aus.

Es zeigte sich, dass in den alten Bundesländern die Impfrate mit ca. 39 Prozent niedriger ist als in den neuen mit durchschnittlich 58 Prozent.

(@ Versorgungsatlas.de)
Impfrate Deutschland 2009/2010 (@ Versorgungsatlas.de)

Ein Vergleich der Bevölkerungsgruppen offenbarte zudem, dass die Impfrate über 60-jähriger in den neuen Bundesländern mit 60,2 Prozent und in den alten Bundesländern mit nur 41,0 Prozent weit unter der WHO-Impfquote liegt. Am niedrigsten sei die Impfrate bei den über 60-Jährigen in Baden Württemberg, und zwar mit 33,9 Prozent.

Jedoch weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass die Impfraten von Baden Württemberg und Bayern verfälscht seien, da hier ein bedeutsamer Anteil der Patienten im Rahmen der hausarztzentrierten Versorgung betreut werde. Aus diesem Grunde fehlen den Wissenschaftlern des Versorgungsatlas die Abrechnungsdaten dieser Patienten, was u.a. auch die geringen Impfraten in diesen Bundesländern erklären könnte.

»Da die jährliche Influenzawelle in Deutschland meist nach der Jahreswende einsetzt und es 10 bis 14 Tage dauert, bis sich der Impfschutz nach der Immunisierung aufgebaut hat, ist es auch jetzt noch nicht zu spät, sich gegen die Influenza zu wappnen«, rät Dr. Burgi Riens vom Versorgungsatlas-Team.

Ihre Analyse der Impfraten in Deutschland haben die Wissenschaftler auf dem Internetportal www.versorgungsatlas.de veröffentlicht.