Gerichtsurteil: „Super Nanny“ missachtet Menschenwürde

Das Verwaltungsgericht Hannover bestätigte, dass in der Serie „Die Super Nanny“ die Menschenwürde der Kinder verletzt wurde. Das Aus für solche Formate?

Im Jahr 2011 strahlte der Sender RTL eine Serie der „Super Nanny“ mit der Diplom-Pädagogin Katharina Saalfrank aus. Dabei wurde eine alleinerziehende Mutter mit ihren drei Kindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren gezeigt, die ihre Kinder beschimpfte, bedrohte und schlug. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) sah in der Folge einen Verstoß gegen die Menschenwürde und beanstandete die Sendung. RTL wehrte sich gegen diesen Vorwurf.

Nun stimmte das Verwaltungsgericht Hannover in ihrer aktuellen Entscheidung vom 8. Juli der KJM zu. Nach Ansicht der 7. Kammer des Verwaltungsgerichts Hannover verstößt die betroffene Folge „tatsächlich gegen die Menschenwürde der in der Sendung gezeigten Kinder, insbesondere des im Zeitpunkt der Ausstrahlung 4-jährigen Sohnes.“ Da die Sendung ein tatsächlich stattgefundenes Erlebnis zeigt, verstoße zudem die Mutter gegen das Recht ihrer Kinder auf eine gewaltfreie Erziehung. 

Katja Saalfrank in neuer Sendung Expedition Familie
Katja Saalfrank – einst Supernanny, dann Moderatorin von Expedition Familie (© SWR/Tom Oettle)

Beanstandet wird vom Gericht auch, dass insgesamt 10 Gewalthandlungen gezeigt wurden, die in der Wiederholung viermal dargestellt wurden. Zudem wurden die tätlichen Szenen im Teaser gezeigt, der für die Sendung werben soll – ein deutlicher Verstoß gegen die Menschenwürde der Kinder, so die Kammer. Insgesamt 22 verschiedene Gewalthandlungen zeigt die Kamera, wobei 14 davon auf den damals 4-jährigen Jungen beziehen. Besonders hervorgehoben wurde vom Gericht, dass weder das Aufnahmeteam, noch Katharina Saalfrank in das Geschehen eingegriffen haben. Erst bei der 10. Gewalthandlung habe die Pädagogin geholfen. Das müsse den Kindern ein Gefühl des „Ausgeliefertseins“ vermittelt haben.

Die Sendung wurde erstmal 2004 ausgestrahlt. Seit 2011 werden keine neuen Folgen produziert. Katharine Saalfrank  hatte ihre Unzufriedenheit mit dem Format bekundet und stand dafür nicht mehr zur Verfügung. Mittlerweile ist sie als Autorin tätig und arbeite 2013 an der Reihe „Expedition Familie“ im SWR mit. Ähnliche Formate wie „Super Nanny“ als deren Gesicht Saalfrank galt gibt es allerdings jetzt wieder. Auf dem Sender Sat 1 läuft seit dem 26. März 2014 eine die neue Doku-Soap mit dem Titel „Mission Familie“, in der die Psychologin Alina Wilms bei Familien mit Problemen helfen soll. Die Produktionsfirma ist die gleiche wie bei der „Super Nanny“. Ob das Gerichtsurteil das Aus dieses Formates oder wenigstens besseren Schutz für die Kinder bedeutet, ist aber noch unklar.

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Das meint liliput-lounge Experte Jesper Juul zur Sendung “Die Super-Nanny”:

“Ich will gerne ganz klar sagen: Das, was mit den Kindern in diesen Programmen passiert, was man im Fernsehen sieht und auch nachher, ist völlig unethisch…

Ich will auch noch zu den Super-Nannys und was noch alles kommt sagen: Das sind nicht einzelne Fernsehleute, die das machen. Es gibt in Los Angeles zweimal im Jahr eine Konzeptbörse, wo man als Fernsehperson ein Konzept kauft, Geld investiert und zwei, drei Jahre nachher kommt das Konzept. Man soll also von den Produzenten und Privatproduzenten keine Ethik erwarten. Das sind die Marktwerte und nicht die Menschenwerte.”

Juul geht sogar so weit, Sendeformate wie “Die Supernanny” mit Pornographie gleichzustellen: “Das ist „Erziehungspop“ oder, wenn ich es etwas ernster sagen will, dann ist es ‘Erziehungspornographie‘.“  Quelle: familylab.de

 

 

 

 

 

 

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