Erstmals Gebärmutter von toter Spenderin transplantiert – Geburt geglückt

Brasilianischen Ärzten am Hospital das Clínicas der Universität in São Paulo ist eine medizinische Sensation gelungen.

In Brasilien ist erstmals ein Kind auf die Welt gekommen, das nicht in der eigenen Gebärmutter der Mutter herangewachsen ist – die Gebärmutter stammte von einer hirntoten Organspenderin.

Mediziner hatten die Gebärmutter der Toten entnommen und der jungen Frau und jetzt Mutter eingepflanzt. Darin war dann das Baby herangewachsen. „Die Kollegen haben gut gezeigt, dass die Methode funktioniert“, sagt Matthias Beckmann, Leiter der Uni-Frauenklinik in Erlangen. Andere Mediziner waren bislang an dieser Herausforderung gescheitert.

Ist das die Zukunft der Fortpflanzungsmedizin? Brasilianische Ärzte transplantierten eine Gebärmutter – mit Erfolg. (Symbolbild (c) Adobe Stock / kolinko_tanya)

Dass Embryonen eingefroren oder Eierstöcke verpflanzt werden, ist schon länger möglich. Selbst an einer künstlichen Gebärmutter aus dem Labor wird gearbeitet. Bereits vor fünf Jahren hatten schwedische Mediziner erstmals die Gebärmutter einer lebenden Spenderin einer anderen Frau übertragen – auch diese brachte ein gesundes Kind zur Welt.

„Der Aufwand ist zwar groß, doch steht uns so künftig eine größere Anzahl an möglichen Spendern zur Verfügung“, berichten die brasilianischen Mediziner um Dani Ejzenberg im Fachblatt The Lancet. Auch fällt damit das – überschaubare – Risiko einer Organspende zu Lebzeiten komplett weg.

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„Wir werden dazu gezwungen, den Weg der Transplantation zu gehen“, sagt Beckmann, der ebenfalls demnächst einer unfruchtbaren Frau mithilfe einer gespendeten Gebärmutter zu einem Kind verhelfen möchte. Als Grund nennt er, dass in Deutschland die Leihmutterschaft verboten sei. In Brasilien ist sie das übrigens nicht.

Die Patientin aus Brasilien hegte den Wunsch nach einem eigenen Kind – sie hatte jahrelang vergeblich versucht, schwanger zu werden. Sie litt an einer Fehlbildung ihrer Geschlechtsorgane. Statt einer Gebärmutter fand sich bei ihr nur ein Gewebestrang, deswegen konnte sie nicht schwanger werden.

Mehr als zehn Stunden dauerte es übrigens, das fremde Organ der jungen Frau einzusetzen und alle großen und kleinen Blutgefäße des Spenderorgans mit jenen der Patientin zu verknüpfen. Hatten die schwedischen Kollegen nur zwei große Arterien der neuen Gebärmutter mit jenen der Empfängerin verknüpft, verwendete Ejzenberg vier davon, um einen besonders guten Blutfluss sicherzustellen.

Dann mussten Ärzte sowie die Patientin abwarten. Sieben Monaten nach der Transplantation des Organs war die Patientin dann tatsächlich schwanger, mit einem Mädchen. „So werden auch wir vorgehen“, sagt Beckmann.

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Das geborene Mädchen war bei der Geburt 2550 Gramm schwer, 45 Zentimeter groß, ein gesundes Kind. Für die Eltern ist es das glückliche Ende einer sehr langen Wartezeit, dessen Ausgang ungewiss war. Die brasilianischen Mediziner haben schon zwei weitere Transplantationen geplant.

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