Erste deutsche Muttermilch-Börse startet

Nicht jede Mutter, die ihrem Kind gern Muttermilch geben möchte, kann stillen. Als Alternative zur Pulvermilch möchte eine Mutter aus Hamburg dafür sorgen, dass Muttermilch gekauft bzw. verkauft werden kann. Ihre Börse für Muttermilch ist nun online. Ist das wirklich ein gute praktische Idee?

Tanja Müller (37) ist selbst zweifache Mutter und hat nun die erste Muttermilch-Börse in Deutschland ins Netz gebracht. Ihre Idee: auf der Plattform www.muttermilch-boerse.de soll es möglich sein, Muttermilch lokal oder auch bundesweit zu kaufen, zu verkaufen oder zu spenden.

Die Idee dazu, erklärt die Hamburgerin, sei aus der eigenen Not heraus entstanden:  „Beim ersten Kind hatte ich zu wenig, beim zweiten zu viel Milch – und nirgends fand ich eine Möglichkeit zum Austausch. Als ich merkte, dass sich unzählige Frauen überall tagtäglich in der gleichen Situation befinden, suchte ich nach einem einfachen und sicheren Weg, die Mütter mit zu viel Milch und die Babys ohne Milch zusammenzubringen.“

Tatsächlich gibt es in Deutschland nur noch rund zehn Milchbanken, die meisten davon im Osten der Republik. Das Angebot dort ist meist kleiner als die Nachfrage und die Vergabe ist an hohe Auflagen geknüpft. Und auch wenn Muttermilch unumstritten die beste Nahrung für Säuglinge ist, die Milch einer anderen Mutter mögen viele Frauen nicht füttern.

Muttermilch kaufen?
Schön, wenn das Stillen klappt. Wenn nicht, wäre gekaufte Milch eine Alternative?

Als es noch keine Alternative zur Muttermilch gab, waren Milchsammelstellen sehr bekannt, jahrhundertelang war es üblich, dass Ammen mit ihrer überschüssige Milch an ein anderes Kind fütterten. Die Idee, diese alte Tradition in neuen Gewand wieder aufleben zu lassen, kommt aus den USA. Schon vor einiger Zeit berichteten wir in der liliput-lounge über den Trend, dass Muttermilch dort online verkauft wird. Auch Schauspielerin Alicia Silverstone unterstützt solch eine Aktion.

Muttermilch über das Internet? Experten beurteilen das eher kritisch: „Ich würde mein Kind nicht mit ungeprüfter Milch einer Fremden füttern“, sagt Corinna Gebauer, ärztliche Leiterin der größten deutschen Milchbank am Universitätsklinikum Leipzig gegenüber Spiegel Online. Es sei ja sehr wenig über den Lebenswandel und den Gesundheitszustand der Spenderin bekannt.

Tanja Müller hält diesen kritischen Stimmen die Aussage des Kinderarztes  Dr. Uhlig entgegen: „Die Muttermilch einer gesunden Frau ist in jedem Fall besser für das Kind als jede Ersatzmilch, denn die Formelernährung ist nichts anderes als kuhmilchbasierte Trockenmilch.“

Das Online-Portal enthält viele Informationen über Tipps und Lagerung, Hinweise zu Versand und Hygiene. Eine Kooperation mit dem Institut für Milchuntersuchung (IfM) soll zuverlässige Qualitätsprüfungen ermöglichen.

Umfangreiche Informationen rund um die Themen Stillen und Abpumpen, Tipps für Lagerung und Versand sowie Hinweise zu Ernährung und Hygiene ergänzen das Online-Portal. Idealerweise sollten sich Spenderin und Empfängerin persönlich kennen lernen.

Unumstritten bleibt Müllers Idee nicht. Gebauer befürchtet, dass Frauen, die Milch verkaufen, vor allem damit Geld verdienen möchten. „In den USA, wo das System bereits weiter verbreitet ist als hierzulande, verlangen einige Frauen schon mal 100 Dollar für einen Liter Muttermilch.“ Auch sei es sehr schwierig, selbst beim besten Willen, für die nötige Hygiene zu sorgen. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte rät Müttern, die nicht stillen können,  zu industriell hergestellter Säuglingsmilch. Denn diese ähnele heute schon sehr stark der Muttermilch und könne ohne Bedenken gegeben werden.