Einfrieren von Eizellen auf Firmenkosten

Amerikanische IT-Firmen bieten ihren Mitarbeiterinnen eine „Schwangerschafts-versicherung“ an, die Übernahme von Kosten für das Einfrieren ihrer Eizellen. Auch für Deutschland ein Modell?

Die Methode Eizellen einfrieren zu lassen, wurde vor allem entwickelt, damit Krebspatientinnen trotz einer Chemotherapie ihre Fruchtbarkeit erhalten bleibt. Durch die Entnahme sind genetische Schäden ausgeschlossen und die Frauen können nach erfolgreicher Therapie noch Mütter werden.

In den  USA sind es aber mittlerweile immer mehr soziale Faktoren, die Frauen dazu bewegen, ihre Eizellen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren entnehmen zu lassen und für einen späteren Kinderwunsch einfrieren zu lassen. Sie nutzen die medizinische Technik, um sich ohne das Ticken der biologischen Uhr einen passenden Partner zu suchen und ihre Karriere zu planen.

Eizellen einfrieren (© Thinkstock)
Firmen wollen Mitarbeiterinnen das Einfrieren von Eizellen bezahlen (© Thinkstock)

Die flexible Familienplanung scheinen auch Firmen als Anreiz entdeckt zu haben. Wie Medien berichten bieten bekannte IT-Konzerne wie Apple und Facebook, an für ihre Mitarbeiterinnen die Kosten des Einfrierens ihrer Eizellen zu übernehmen. Das Entnehmen und die Lagerung der Zellen kostet rund 20.000 Dollar (rund 15.700 Euro) pro Mitarbeiterin. Damit wollen die Firmen, deren Frauenanteil laut Focus bei etwa 30 Prozent liegt, für Frauen ein attraktiverer Arbeitgeber werden. So könnten Frauen Karriere und Familie leichter vereinbaren.

Auch ein Modell für Deutschland?

Die Reaktionen in Deutschland auf so ein Arbeitgeber-Angebot sind recht deutlich. Die stellvertretende Vorsitzende des DGB Elke Hannack sagte der „Süddeutschen Zeitung“: „Geht’s noch? Familienpolitik sieht für uns anders aus.“ Unternehmen die ihren Mitarbeiterinnen die Entscheidung für oder gegen Kinder abnähmen, bräuchte man nicht. Auch die  Präsidentin des Vereins „Frauen in die Aufsichtsräte“ Monika Schulz-Strelow findet, dass der Ansatz falsch ist: „Ich finde das Angebot fast unsittlich. Ich bin der Meinung, dass unser großes Thema ist, die Vereinbarkeit von Karriere und Familie zu ermöglichen, und nicht, Frauen mit finanziellen Anreizen zu locken. Ich hoffe, dass deutsche Unternehmen, die ja manchmal etwas wertkonservativer sind, diese Angebote nicht übernehmen.“

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Es sieht nicht so aus, als ob deutsche Arbeitgeber den amerikanischen Unternehmen folgen würden. „Die deutschen Arbeitgeber mischen sich nicht in die Familienplanung von Arbeitnehmern ein“, so ein Sprecher der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) in der „Süddeutschen Zeitung„.Der Wunsch nach Kindern sei „eine persönliche Entscheidung, auf die der Arbeitgeber keinen Einfluss nimmt“. Ziel der Betriebe sei es weiterhin, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch familienfreundliche Angebote zu erleichtern.

Der NDR fragte gezielt bei deutschen IT-Unternehmen nach. Die Telekom antworte mit einem Wort, ob sie ähnliche Pläne habe: „Nein.“ Auch Hewlett-Packard setze auf individuelle Förderinstrument – doch dies seien Patenprogramme, flexible Arbeitszeiten und die  Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten.

Tatsächlich sei diese Art der „Schwangerschaftsversicherung“ in Deutschland eher nicht üblich und generell eher bedenklich, erklärt Reinhard Hannen, Facharzt vom Kinderwunschzentrum Berlin in einem Interview der taz: „Von „Fertility Insurance“ zu reden und so zu tun als könnte nichts schief gehen – das ist grundfalsch, eine Garantie gibt es nicht. “ Die Familienplanung sollte nicht ewig nach hinten gezogen werden, so der Experte. „Es geht ja nicht nur um die Eizellen, es geht auch um die Qualität von Sperma, Embryo und Einnistung. Es geht um Schwangerschaftskomplikationen, die im Alter zunehmen oder soziale Probleme. Wer da etwas verspricht, der lehnt sich zu weit aus dem Fenster.

 

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