Männlich, weiblich, divers – Bundesregierung will Option für drittes Geschlecht schaffen

Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf beschlossen, der neben „männlich“ und „weiblich“ auch den Eintrag „divers“ vorsieht. Im Geburtenregister soll also künftig der Eintrag einer dritten Geschlechtsoption möglich sein.

Die große Koalition setzt damit eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2017 um. Die geltende Regelung wurde als Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht und das Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes anesehen. Bis Ende 2018 muss nun die Gesetzesänderung umgesetzt werden.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) sagte zum jüngsten Kabinettsvorstoß: „Es ist überfällig, dass wir das Personenstandsgesetz jetzt endlich modernisieren.“ Mit dem zusätzlichen Eintrag „divers“ werde Menschen, die sich nicht einem Geschlecht zugehörig fühlen, eine Stück Würde und positive Identität gegeben. In einem nächsten Schritt gehe es jetzt darum, rasch weitere unzeitgemäße Regelungen für Transsexuelle zu beseitigen, sagte die Bundesjustizministerin.

Das dritte Geschlecht (Symbolfoto von Adobe Stock / von fotohansel)

Regelungen sowohl für inter- als auch für transsexuelle Personen sollen nun in einem neuen Gesetz unter Federführung des Justiz- und des Innenministeriums erarbeitet werden.

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Familienministerin Franziska Giffey (SPD) betonte, das derzeit geltende Transsexuellengesetz müsse ebenfalls aufgehoben und durch ein modernes Gesetz zur Anerkennung und Stärkung von geschlechtlicher Vielfalt ersetzt werden – es sei schlicht nicht mehr zeitgemäß. Damit sollten auch Zwangssachgutachten über die geschlechtliche Identität von Menschen künftig nicht mehr zulässig sein.

Seit 2013 dürfen Ärzte und Ärztinnen übrigens die Angabe des Geschlechts im Geburtenregister frei lassen, wenn ein Baby weder eindeutig männlich noch weiblich ist. Kritiker dieser Handhabe beanstandeten jedoch, eine Leerstelle sei falsch. Damit würde es so aussehen, dass der Mensch kein Geschlecht habe.  

In einigen Ländern gibt es sogar schon eine dritte Option, sein Geschlecht eintragen zu lassen. In Nepal wurde 2015 die Angabe „anders“ eingeführt worden. In Australien haben Intersexuelle schon seit 2014 die Möglichkeit, als „non-specific“ (unbestimmt) eingetragen zu werden. Auch in Großbritannien kann „unknown sex“ (unbekannt) im Geburtenregister stehen. Portugiesische Behörden raten Eltern, wenn ein Kind ein unklares Geschlecht hat, einen geschlechtsneutralen Namen zu wählen. Zu einem späteren Zeitpunkt kann dem Kind dann immer noch ein Geschlecht zugewiesen werden.

In manchen Bereichen wird jetzt schon das dritte Geschlecht auf unterschiedliche Art und Weise verwendet – auch in Deutschland, aber in Eigenregie.
In wissenschaftlichen Texten, empirischer Forschung, Inhaltsanalysen oder Befragungen und in Stellenausschreibungen wird teilweise keine Einordnung mehr zwischen männlich und weiblich vorgenommen. Hier gibt es seit einiger Zeit ebenfalls die Option, ‚divers‘ oder ’sonstiges‘ als Geschlecht anzugeben.

Die binäre Kategorisierung, also die Einordnung in männlich und weiblich, wird so umgangen. Die britische Kaufhauskette John Lewis verzichtet seit 2017 beispielsweise auf die Bezeichnung von Jungen- oder Mädchenkleidung und damit ebenfalls auf die binäre Unterscheidung der Geschlechter.