Chancenspiegel 2013: Deutsches Schulsystem gibt Kindern wenig Chancen

Deutschlands Schulsysteme bieten Kindern weiterhin nur wenig Chancen, dies geht aus dem Chancenspiegel 2013 hervor. Der Chancenspiegel prüft im Zweijahrestakt, wie gerecht und wie leistungsstark die 16 Schulsysteme Deutschlands sind.

Die 16 kommunalen Schulsysteme Deutschlands bieten Kindern kaum Chancen soziale Nachteile zu überwinden oder ihr Leistungspotenzial auszuschöpfen. Weiterhin ist der Lernerfolg eines Kindes von seiner sozialen Herkunft geprägt. Das offenbart der zweite Chancenspiegel 2013 der Bertelsmann Stiftung und der Universitäten Dortmund und Jena.

Bildungschancen 2012
Chancenspiegel 2013 (© Jupiterimages/Thinkstock)

Gemäß dem Motto „Bildungschancen sind Lebenschancen“ untersuchten die Bertelsmann Stiftung und die Universitäten im Chancenspiegel, wie es um die Bildungschancen der Schüler in den deutschen Schulsystemen steht. Im Fokus der Untersuchung stehen deren Leistungsfähigkeit und die Gerechtigkeit des Systems. Alle 16 Bundesländer werden anhand von Daten aus der amtlichen Statistik und aus den Schulleistungsuntersuchungen in den Gerechtigkeitsdimensionen »Integrationskraft«, »Durchlässigkeit«, »Kompetenzförderung« und »Zertifikatsvergabe« vergleichend betrachtet.

Klar ist: die Chancengerechtigkeit hat sich in den vergangenen zwei Jahren deutschlandweit nur leicht verbessert. Zwar gibt es im Vergleich zum letzten Chancenspiegel 2009/2010 positive Tendenzen, aber weiterhin bleibt die Kernherausforderung für alle deutschen Schulsysteme, mehr Chancengerechtigkeit zu schaffen.

Eine positive Tendenz in den letzten zwei Jahren ist zwar erkennbar: Das Risiko ist in fast allen Bundesländern gesunken, die Schule ohne Abschluss zu verlassen. Auch sind die Chancen auf den Erwerb der Hochschulreife in den meisten Bundesländern gestiegen.

Weiterhin viel Stagnation: Nach wie vor besteht großer Handlungsbedarf, wenn es um die Zukunft unserer Kinder im Schulsystem geht. In der Grundschule ist der Bildungserfolg weiterhin stark von der sozialen Herkunft abhängig und das Risiko für Förderschüler ist immer noch hoch, separat unterrichtet zu werden, trotz starker Bemühungen um Inklusion in Klassenverbände. Auch die Aussicht eines Schülers auf einen Platz in einer Ganztagsschule ist sehr gering.

Im Ländervergleich: Ebenfalls unverändert stark ist das Gefälle zwischen den einzelnen Bundesländern ausgeprägt. Für die zentralen Herausforderungen Inklusion von Förderschülern und Ganztagsschulen zeigt sich, dass die Länder nach wie vor keine gemeinsame Strategie entwickelt haben, die Thematik unterschiedlich angehen und es auch keine bundesweiten Standards gibt. Letztendlich bedeutet das auch, dass die Schulsysteme der Länder Kindern und Jugendlichen sehr unterschiedliche Bildungschancen bieten.

Da der Ausbau von Ganztagsschulen nur schleppend vorwärts kommt und die Bedeutung der Förderschulen trotz Bemühungen um mehr Inklusion kaum nachlässt, geht es bei zentralen Aufgaben für mehr Chancengerechtigkeit nur im Schneckentempo voran, betont Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.