Teurer Bluttest bald für alle Schwangeren kostenlos?

Seit sechs Jahren gehört ein einfacher Test zum Angebot der Pränatalmediziner, der die Gesundheit des ungeborenen Kindes untersucht. Ärztevertreter, Krankenkassen, Kliniken und Ethiker prüfen nun, ob dieser Test künftig jeder Frau kostenlos zur Verfügung stehen sollte.

“Hat mein Kind Down-Syndrom?” – eine der drängenden Fragen für werdende Eltern. Um diese Frage zu beantworten, gibt es schon seit sechs Jahren einen Test, der zum zum Angebot der Pränatalmediziner gehört. Dieser Test kann unkompliziert eine Antwort auf diese liefern. Eine einfache Blutabnahme nach gerade einmal zehn Schwangerschaftswochen soll die riskante Fruchtwasseruntersuchung ersetzen. Denn die Fruchtwasseruntersuchung kann zur Fehlgeburt führen.

Der Bluttest auf Trisomien ist dagegen unproblematisch. Dieser Test kostet aber ca. 250 Euro. Das Berliner Gesundheitsgremium aus Ärztevertretern, Krankenkassen und Kliniken, prüft deshalb gerade, ob dieser Test künftig jeder Frau kostenlos zur Verfügung stehen sollte. Bezahlt von der Krankenkasse könnte sie dann sehr früh erfahren, ob ihr Kind diese Behinderung haben könnte.

Abgeordnete aus Union, SPD, der Fraktion der Grünen, der FDP und der Linken drängen nun darauf, dass sich der Bundestag in einer Orientierungsdebatte und später auch mit einer Gewissensfrage den neuen Möglichkeiten der Pränataldiagnostik annimmt. Denn fast alle werdenden Eltern, die solch eine Diagnose bekommen, brechen die Schwangerschaft anschließend ab.

In einem gemeinsamen Papier fordern sie, Familien, in denen Kinder mit Down-Syndrom aufwachsen, in diese Debatte einzubeziehen. Sie befürchten, dass werdende Eltern zu wenig über das Leben mit Behinderungen erfahren – und dass „diejenigen immer stärker unter Rechtfertigungsdruck geraten, die sich gegen einen Test und gegebenenfalls für die Geburt eines Kindes mit Down-Syndrom entscheiden“. In Dänemark habe sich die Zahl der Kinder mit dieser Behinderung halbiert, seit dort allen Schwangeren eine Risikoabschätzung bezahlt wird.

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Seit sechs Jahren gehört ein einfacher Test zum Angebot der Pränatalmediziner, der die Gesundheit des ungeborenen Kindes untersucht. Ärztevertreter, Krankenkassen, Kliniken und Ethiker prüfen nun, ob dieser Test künftig jeder Frau kostenlos zur Verfügung stehen sollte. © Thinkstock

„Jetzt schon bekommen Menschen mit Down-Syndrom zu spüren, dass ihre Existenz in dieser Gesellschaft nicht gewünscht ist“, sagt beispielsweise die behindertenpolitische Sprecherin der Grünen, Corinna Rüffer: „Wir müssen endlich diskutieren, wie zukünftig auch nach ethischen Maßstäben entschieden wird, welche Tests verfügbar sind.“ Die SPD-Gesundheitspolitikerin Hilde Mattheis ist anderer Meinung. Sie sagt, Frauen dürften nicht bevormundet werden. Früh-Screenings sind wichtig und der Bluttest sei risikoärmer als die Fruchtwasseruntersuchung, welche älteren Frauen bereits als Kassenleistung zusteht. Es sei „schlicht ungerecht“, dass er nur den Schwangeren zur Verfügung stehe, die sich den Test eben leisten können. „Frauen entscheiden, ob sie sich testen lassen oder nicht und auch darüber, was nach einem auffälligen Befund passiert“, sagt Mattheis.

Der Berufsverband niedergelassener Pränatalmediziner sieht den Test als Kassenleistung ebenfalls kritisch. Er dürfe „nicht losgelöst von etablierten Verfahren der pränatalen Diagnostik durchgeführt werden“, sagt deren Präsident Alexander Scharf. Man lehne deshalb einen flächendeckenden Test ab.

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