Baukindergeld: Schlagen Immobilienverkäufer die Prämie einfach auf?

Häuser, Wohnungen und Grundstücke werden in Deutschland immer teurer. Ein Faktor könnte das Baukindergeld sein.

Das Baukindergeld wurde dieses Jahr trotz Kritik von Experten und Expertinnen aus Wirtschaft und Politik eingeführt. Seitdem erfreut es sich einer steigenden Nachfrage – für viele Familien ist es attraktiv, in einem eigenen Haus oder einer eigenen Wohnung zu leben. Doch auch die Immobilienverkäufer reagieren offenbar darauf: Aus Sicht der Branche schlagen sie in vielen Fällen die Prämien auf den Verkaufspreis auf.

Das Baukindergeld: Führt es zu steigenden Miet- und Grundstückspreisen? © Getty Images

Baukindergeld und Steuerbonus
Beim neu eingeführten Baukindergeld gibt es über zehn Jahre insgesamt 12.000 Euro pro Kind, knapp 70.000 Förderzusagen wurden schon erteilt. Ziel ist es, Alleinerziehende und Familien mit Kindern angesichts der vor allem in den Großstädten rasant steigenden Immobilienpreise die Finanzierung zu erleichtern. Das Baukindergeld ist einkommensunabhängig – was auch einer der Kritikpunkte vor der Einführung der Familienfördermaßnahme war.

Das Baukindergeld soll also den Erwerb eines Eigenheims für Familien erschwinglicher machen. Doch aus Sicht der Immobilienbranche macht es Häuser, Wohnungen und Grundstücke momentan noch teurer. In vielen Fällen schlage der Verkäufer die Prämie auf den Verkaufspreis auf, teilte der Zentrale Immobilien-Ausschuss mit.

Außerdem erhielten den Zuschuss vor allem jene Familien, die ihn eigentlich nicht nötig hätten, ergänzte der Verband und verwies dazu auf eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.


Preistreibend wird aus Sicht der Immobilienbranche auch ein vom Bundestag beschlossener befristeter Steuerbonus für den Mietwohnungsbau wirken.

Genau diese Entwicklungen hatten Experten schon vor Einführung zu Bedenken gegeben. Damals hatte Der Chef des Bunds für Steuerzahler, Reiner Holznagel, dem Tagesspiegel gesagt: „(…) Das Baukindergeld wird die Immobilienpreise stark in die Höhe treiben, die Prämie wird verpuffen.“

Mieten steigen weiter
Die Mieten steigen nach einem Gutachten des Verbands weiter. Wer im Herbst 2018 umgezogen ist, muss für die neue Wohnung im bundesweiten Mittel monatlich 7,06 Euro kalt pro Quadratmeter ausgeben, 3,9 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Spanne ist aber groß. Sie reicht von 4,54 Euro im Kreis Höxter bis 16,54 Euro in München. Die Experten rechnen mit weiter steigenden Mieten und Kaufpreisen, zunehmend auch im Umland der Großstädte.

Die Immobilienwirtschaft kritisierte die Bundesregierung angesichts weiter steigender Miet- und Kaufpreise für Wohnungen: „Die Politik setzt die falschen Signale statt die richtigen Anreize“, sagte der Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA), Andreas Mattner.

Maklergebühren
Katarina Barley will übrigens durchsetzen, dass beim Kauf und Verkauf von Immobilien derjenige den Makler bezahlt, der ihn beauftragt. Bisher zahlen meist die Käufer die Gebühren.

Bei Immobilienverkäufen zahlen bisher meist die Käufer die Maklergebühr von bis zu 7,14 Prozent der Kaufsumme. Bei einer 400.000 Euro teuren Immobilie macht das schon knapp 30.000 Euro aus – einge ganz schöne Summe.

Mit ihrem Vorhaben will die Justizministerin die Käufer von Wohnungen und Eigenheimen entlasten. „Ein eigenes Zuhause wird gerade für junge Menschen und Familien immer schwerer zu finanzieren. Oft müssen Käufer enorme Maklerkosten tragen, obwohl der Verkäufer den Makler beauftragt hat“, sagte die SPD-Politikerin der Süddeutschen Zeitung.

Diese Entwicklung wäre natürlich auch für Eltern interessant, die durch die Baukinderzulage auf Häuser- oder Wohnungssuche sind.