Aus Hebammenprotest wird Elternprotest

Der Protest wächst. Längst sind es nicht nur die Hebammen, die gegen das drohende Aus für freie Geburtshelferinnen aktiv werden, auch Eltern machen sich stark für den Berufsstand, der für sie unverzichtbar ist. Bundesweit und in sozialen Netzwerken gibt es ab heute viele Aktionen.

Ab 2015 droht den freien Hebammen faktisch ein Berufsverbot, da sie ohne Berufshaftpflichtversicherung nicht arbeiten dürfen. Damit ist, wie berichtet,  nicht nur ein Beruf, sondern auch wichtige Unterstützung  für Mütter und Väter in Gefahr. Über 230.000 Menschen haben mittlerweile  die Change-org-Petition unterschrieben. Auch die liliput-lounge unterstützt diese Aktion, denn die Arbeit von Hebammen ist für Mütter, Väter und Kinder unverzichtbar.

Eltern und Babys brauchen Hebammen (c) Hebammen für Deutschland e.V.
Eltern und Babys brauchen Hebammen (c) Hebammen für Deutschland e.V.

Immer mehr Eltern solidarisieren sich mit den Hebammenverbänden, nutzen soziale Netzwerke und wenden sich direkt an Politiker. Ein erster Erfolg war ein Gespräch des Gesundheitsministers Hermann Gröhe mit den Verbänden. Nun gibt es auch erste Statements von Politikern auf Facebook. So postete Gröhe (CDU): „Das im Koalitionsvertrag erwähnte Ziel, eine flächendeckende Versorgung mit Geburtshilfe sicherzustellen, ist mir ein echtes Herzensanliegen. Zugleich setze ich mich für eine Lösung ein, um die Haftpflichtproblematik dauerhaft und nachhaltig zu lösen.“

Auch Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) reagierte: „Ich stehe an der Seite der Hebammen! Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag als Begleiterinnen beim Start ins Leben, vor, während und nach der Geburt. Die Geburtshilfe wird immer stärker technisiert – da ist die ganz persönliche Betreuung und menschliche Zuwendung durch eine Hebamme für die Gesundheit von Mutter und Kind durch nichts zu ersetzen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass Geburtshelferinnen nicht um ihren Beruf fürchten müssen. Dazu bin ich mit Gesundheitsminister Hermann Gröhe in einem guten Gespräch. Schwangere, Mütter und Familien müssen auch in Zukunft auf die Unterstützung einer Hebamme zurückgreifen können.“

Gesundheitsminister Hermann Schwesig und Familienministerin Manuela Schwesig (c) Facebook/Gröhe/Schwesig
Gesundheitsminister Hermann Schwesig und Familienministerin Manuela Schwesig (c) Facebook/Gröhe/Schwesig

Gröhe erklärt auch, dass er das Anliegen der Hebammen ernst nehme. Doch genau so eine Formulierung wird kritisiert. Schließlich ist die Betreuung von Schwangeren, Müttern und Kindern bei der Geburt und in den ersten Monaten danach ein Anliegen, das werdende Eltern und Familien betrifft. Und auch alle, die dankbar sind für die Unterstützung, die sie durch Hebammen erfahren haben. Aufgrund der schwierigen Situation der Hebammen ist schon jetzt in einigen Regionen die Betreuung nicht optimal. So schreibt eine Mutter an den Gesundheitsminister: „Ich bin werdende Mutter und habe keine Hebamme in meinem Bezirk mit freien Kapazitäten!!! Ich bin also allein mit meinen Sorgen, Fragen und Ängsten. Kommen Sie, Herr Gröhe, persönlich bei mir vorbei und helfen mir??? Oder lassen auch Sie mich allein?“

Die Initatiatorin der Online-Petition Bianca Kasting (32), eine Mutter aus dem Großraum Münster, erklärt: “ Wir dürfen uns nicht täuschen: Noch haben wir  keine konkrete Maßnahme für die Geburtshilfe in Deutschland erwirkt.Wir Eltern fordern konkrete Maßnahmen und einen Zeitplan für die Hebammenrettung. Dafür werden wir auch auf die Straße gehen.“

Der Protest geht aber nun weiter, bundesweit sind ab heute mehrere Aktionen geplant: Im Aufruf von Bianca Kasting heißt es: „Seid mit dabei bei unseren ErMahnwachen und kommt zahlreich – mit Euren Kindern, 2 Löffeln für mehr Lärm und Plakaten „. Die können hier ausgedruckt werden.

Veranstaltungsorte:

Samstag, 22.2. in Hamburg, Hamburger Rathaus, Rathausmarkt 1, 20095 Hamburg, um 12 (Info)

Montag, den 24.2. in Berlin, Bundesministerium für Gesundheit, Friedrichstraße 108, 10117 Berlin,  17 Uhr (Info)

Montag, den 24.2. in Bonn,  Bundesministerium für Gesundheit, Rochusstrasse 1, 53121 Bonn-Duisdorf, 17 Uhr (Info)

Dienstag, den 25.02. in Düsseldorf, Landesministerium für Gesundheit, Horionplatz 1, 40213 Düsseldorf, 10 Uhr (Info)

Mehr Informationen auch unter: Facebook-Initiative Rettet unsere Hebammen