ADHS: Ärzte verordnen weniger Ritalin

Umstritten und oft diskutiert: Das Medikament Ritalin, das Kindern mit einer ADHS-Diagnose helfen soll. Seit 20 Jahren ist der Verbrauch seines zentralen Wirkstoffes nun gesunken.

Zappelphillip werden sie im Volksmund oftmals genannt – Kinder, denen es schwer fällt, sich zu konzentrieren, die sich scheinbar nie ruhig verhalten können. Die Abkürzung ADHS steht dabei für die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung, eine Krankheit, bei der Betroffene vor allem unter Aufmerksamkeitsschwäche, heftiger Impulsivität und starker Unruhe leiden. Das Medikament Ritalin galt lange Zeit als Heilbringer, geriet aber zunehmend in die Kritik.

Eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zeigt nun, dass der Verbrauch von Methylphenidat –  dem zentralen Wirkstoff von Ritalin –  erstmals seit 20 Jahren nicht mehr ansteigt.  Im Jahr 2012 wurden 1839 Kilogramm des Medikaments verbraucht, im Folgejahr waren es nur noch 1803 Kilogramm. Der Verbrauch sank um rund zwei Prozent. Im Vergleich: Bis 2008 stieg der Bedarf von Methylphenidat jährlich um rund 17 Prozent  an, erst seit 2009 nur noch um drei Prozent. Prof. Dr. Walter Schwerdtfeger, Präsident des BfArM, wertet diese Zahlen als „als ein positives Signal, das möglicherweise auf einen kritischeren Umgang mit Methylphenidat hindeutet“.

Ärzte verordnen weniger Ritalin (© Thinkstock)
Ärzte verordnen weniger Ritalin (© Thinkstock)

Auch die Techniker-Krankenkasse teilte laut der „Welt“ mit, dass ADHS-Medikament in fast allen Bundesländern zurückhaltender verschrieben würden. Nur in Nordrhein-Westfalen stieg die Zahl der wegen ADHS medikamentierten Kinder und Jugendlichen  um 4,6 Prozent an.

Bei der Erklärung der sinkenden Verschreibungen sind sich die Experten nicht einig. Ein Grund, so die Vermutung, könne sein, dass sich die Diagnosemöglichkeiten stetig verbessert haben.  Vielleicht sei aber auch die Kritik gegenüber den Wirkstoff Methylphenidat wirkungsvoll.  „Offenbar ist die Vorsicht bei einer medikamentösen Behandlung von ADHS gewachsen“, sagte die TK-Apothekerin Edda Würdemann. Falsch dosierte könne Methylphenidat Angstzustände oder Appetitlosigkeit verursachen.

Wissenswertes rund um das Thema ADHS gibt es in unserem Artikel auf liliput-Lounge.de.